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Aktueller Crashtest  

So schlimm ist ein Crash mit dem Wohnmobil

11.06.2016, 14:15 Uhr | dpa

So schlimm ist ein Crash mit dem Wohnmobil. Ein spektakulärer Crashtest mit einem Wohnmobil zeigt die dramatischen Folgen eines Auffahrunfalls. (Quelle: dpa)

Ein spektakulärer Crashtest mit einem Wohnmobil zeigt die dramatischen Folgen eines Auffahrunfalls. (Quelle: dpa)

Immer mehr Urlauber schätzen Camping im Wohnmobil. Beinahe grenzenlose Mobilität bei mitunter sogar luxuriösem Ambiente machen die Stärken der Reisemobile aus. Doch bei der Sicherheit hapert es, wie nun ein aktueller Crashtest zeigt.

Die Wucht, mit der das Wohnmobil auf das Auto kracht, ist gewaltig: Ungebremst rauscht der leicht überladene 3,5-Tonner auf den geparkten Wagen zu. Mit dem Knall des Zusammenstoßes macht dieser einen großen Satz, schleudert gut 25 Meter nach vorn.

Zum Glück ist es nur ein Test auf einer Crash-Bahn am Stadtrand von Münster. Die zweite gute Nachricht: Unfälle mit den Reisekolossen machen nur einen Bruchteil (genauer: zuletzt 0,18 Prozent) aller Unfälle aus, bei denen Menschen verletzt werden, wie aktuelle Untersuchungen der Unfallforscher der Versicherungswirtschaft zeigen.

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Manche Risiken wären vermeidbar

Dennoch ist die Botschaft der Vorführung eindeutig. Wenn eines der rollenden Wohn- und Schlafzimmer auf ein anderes Auto auffährt, kann es gefährlich werden - und manches Risiko wäre vermeidbar. Wenig hätte jedoch der Autofahrer tun können. Sein Kofferraum ist völlig eingedrückt, der Dummy am Steuer liegt verrenkt im eingedrückten Sitz. "Er müsste wohl mit schweren Verletzungen an der Wirbelsäule ins Krankenhaus", glaubt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Seine Abteilung forscht seit mehr als 50 Jahren zu Fragen der Unfallvermeidung und Verkehrssicherung. Regelmäßig geht es dabei um bestimmte Unfallszenarien. Diesmal haben die Crash-Experten Wohnmobile in den Fokus gerückt. Schließlich steigt seit Jahren die Zahl der registrierten Reisemobile - mehr als 392 000 sind es deutschlandweit.

Überwiegend Auffahrunfälle bei Wohnmobilen

Meist sind es der Unfallstatistik und den Versicherer-Analysen zufolge Auffahrunfälle, in die Wohnmobile verwickelt sind. Wer darin vorne sitzt hat das geringste Risiko. Anders sieht es für die Unfallgegner aus. Von den im Jahr 2014 tödlich Verunglückten bei Wohnmobilunfällen saßen vier im Reisemobil, elf waren es bei den Unfallbeteiligten. Bei den Schwerverletzten lag das Verhältnis 44 zu 103, rechnen die Forscher vor. Doch die Gefahren seien minimierbar, ist Brockmann überzeugt. Zum einen seien da die "inakzeptabel langen Bremswege": Mehr als 60 Meter braucht ein Reisemobil realistischerweise, um von 100 Stundenkilometern in den Stand zu kommen."Damit liegt die Bremsleistung zwar im gesetzlichen Rahmen, ist aber deutlich geringer als bei modernen Pkw", kritisiert er.

Viele Reisemobile sind überladen

Bei Stichproben-Kontrollen mit der Polizei stellten die Unfallforscher zudem fest, dass rund die Hälfte der 35 gewogenen Reisemobile mehr Ladung an Bord hatte als erlaubt. Vielen sei gar nicht bewusst, wie schnell bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen durch Urlaubsgepäck oder gefüllte Wassertanks die Toleranzschwelle überschritten ist.

Ungesicherte Ladung gefährlich für Insassen

Wenn dann die Ladung noch schlecht gesichert ist, drohen Szenarien wie auf der Crashtest-Bahn: Zwar sieht das Reisemobil äußerlich vergleichsweise wenig mitgenommen aus. Die Front ist eingedrückt, etwas Öl tritt aus. Im Innenraum wird jedoch deutlich, welche Kräfte hier gewütet haben. Geschirr ist umhergewirbelt und zerbrochen. Wasserflaschen sind als lebensgefährliche Geschosse bis in die Fahrerkabine geschlagen. Ein Mitfahrer-Dummy ohne Gurt ist unter den Tisch gerutscht, der Kopf gefährlich nah an der Platte. Die Sitzbänke des Campers liegen kreuz und quer.Und wäre der vierbeinige Dummy mit Plüschfell, den es bis in den Fußraum der Fahrerkabine geschleudert hat, ein echter Hund, hätte er das wohl nicht überlebt. "Jeder sollte sich gut überlegen, ob er da nicht lieber das Gewinsel aus der sichereren Transportbox in Kauf nimmt", sagt Brockmann.

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