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Car Carrier – Im schwimmenden Parkhaus um die Welt

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Schwimmendes Parkhaus  

Gigantische "Car Carrier" transportieren tausende Autos

18.08.2017, 13:49 Uhr | Jörg Schwieder/SP-X

Car Carrier – Im schwimmenden Parkhaus um die Welt. Hans Vosselman ist Manager Customer Relations bei C.RO, dem Betreiber des Autoterminals im Hafen Rotterdam. Hier werden pro Jahr 250.000 bis 300.000 Pkw an- und abtransportiert. (Quelle: Jörg Schwieder/SP-X)

Hans Vosselman ist Manager Customer Relations bei C.RO, dem Betreiber des Autoterminals im Hafen Rotterdam. Hier werden pro Jahr 250.000 bis 300.000 Pkw an- und abtransportiert. (Quelle: Jörg Schwieder/SP-X)

Millionen von Pkw und andere Fahrzeuge treten jedes Jahr eine Weltreise an, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Vom Werk zum Kunden, transportiert von mächtigen "Car Carriern“, Schiffen, so groß wie Parkhäuser. Wir waren an Bord der "Euphony Ace".

"Wenn das der Sommer ist, möchte ich nicht wissen, wie kalt es hier im Winter wird." Kapitän Sudip Dey verschränkt die Arme. Sein Blick schweift über die mächtigen Hafenanlagen von Rotterdam. In 35 Metern Höhe, neben der Brücke der Euphony Ace, einem Car Carrier, pfeift eine steife Brise. Von unten sieht das Schiff aus wie eine massiv in das Hafenbecken betonierte Immobilie, so solide und völlig unbewegt liegt es am Pier.

5214 Autos auf zwölf Stockwerken

Einige Tausend Fahrzeuge hat sie diesmal im Gepäck, kunstvoll geschichtet über zwölf Stockwerke aus Stahlplatten. Bis zu 5214 Autos und andere fahrende Gerätschaften fasst der 199,95 Meter lange und 34.063 Tonnen Wasser verdrängende Pott. Mit 32 Metern Breite passt er gerade noch durch den südamerikanischen Panama-Kanal. Transportiert wird im Prinzip alles, was das Schiff mit eigener Kraft berollen und im Zielhafen wieder verlassen kann – darunter auch viele Tonnen schwere Baumaschinen.

Mit 20.571 PS über die Ozeane

Die 2005 gebaute und 20.571 PS starke "Euphony Ace" pendelt unermüdlich über die Weltmeere, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten, von einem Auftrag zum nächsten. Während diese Zeilen entstehen, schaukelt sie gerade vor der Küste Südamerikas und versteckt sich vor einem großen Sturm.

Der junge dritte Offizier Jaspreet Singh Salm hält mit uns Kontakt – immer in der Nähe von Häfen, wenn sein Handy endlich wieder Empfang hat. Das Schiff und seine Crew erledigt eine Aufgabe, die viele, die ein im Ausland gebautes Auto bestellen, vermutlich überhaupt nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Doch weder ist der Job in den "schwimmenden Parkhäusern" einfach. Noch ist er ohne Risiken.

Kleiner Riese im Angesicht von Naturgewalten

Kapitän Dey, ein freundlicher, äußerst zuvorkommender und erfahrener Offizier indischer Abstammung, rührt in einer Tasse Tee. Wir befinden uns im "Wohnzimmer" des Schiffs, hier gibt es gemütliche Couchmöbel, einen großen Fernseher, eine Playstation. Nebenan ein Fitnessraum – das war es dann aber mit dem Komfort. Dey wird nachdenklich, als er uns von seiner aktuellen Überfahrt aus Japan erzählt.

Es ist erst sein zweiter Dienst auf der "Euphony Ace", und was er gerade erlebt hat, war beängstigender als alles, was ihm in seinen 26 Jahren zur See bis dato wiederfahren ist. Schuld war wieder das Wetter. Selbst große, hochseetaugliche Schiffe wie dieses, mit gewaltigem Bug und dicken Stahlwänden, nehmen jeden noch so zeitraubenden und kraftstofffressenden Umweg in Kauf, um Stürmen und schwerer See zu entgehen. „Vor den Naturgewalten sind wir auf diesem Schiff nichts“, sagt Dey.

Seefahrt bleibt ein Abenteuer

Doch kurz vor England, fasst schon am Ziel der rund vierwöchigen Reise, konnte die "Euphony Ace" nicht mehr ausweichen. Die rund 5 Meter hohen Wellen hätte das Schiff normalerweise stoisch ertragen – allerdings kamen sie kurzzeitig aus der falschen Richtung, in einem seltsamen Rhythmus – und versetzen es so in eine gefährliche Rollbewegung.

Am Ende schlug das Wasser mit einem explosionsartigen Knall an die gepanzerten Fenster der Brücke – in 35 Metern Höhe. Das Geräusch war überall auf dem Schiff zu hören. Die Crew sorgte sich um die Ladung. Sollte sich im Tiefdeck eine Baumaschine aus der Verzurrung lösen, und von innen gegen die Schiffswand schlagen, wäre dies das Ende. Sie würde die Stahlwand des Carriers durchschlagen wie ein Küken seine Eierschale. Seefahrt ist und bleibt ein Abenteuer.

Geladen und gesichert

Ladungssicherung! Das ist das Mantra auf der "Euphony Ace". Wie mit pinkfarbenen Spinnenweben wird jeder Pkw durch Gurte mit der Bodenplatte unter ihm verzurrt. Die Strippen wirken nicht sonderlich stabil, tragen allerdings mindestens 600 Kg – mit dreien von ihnen könnte man einen ausgewachsenen Subaru Forester ohne Probleme unter die Decke hängen.

Für die nur 25 Crewmitglieder ist es eine nie enden wollende Strapaze, jeden einzelnen Gurt an tausenden Autos immer wieder zu prüfen. Vorne zwei, hinten zwei. Die Vibrationen im Schiff führen zu einer Dehnung der Spezialseile, sie müssen alle drei bis vier Tage neu gestrafft werden, die Ladung darf kein Spiel bekommen. Würde sie verrutschen, würde sie sich gegenseitig beschädigen. Schlimmstenfalls könnte marodierende Ladung das Schiff zum Kentern bringen.

Berühren der Fracht verboten!

Und dann noch: Penible Sauberkeit! Es mag verwundern, aber Autotransporter wie die "Euphony Ace" gehören zu den saubersten Transportschiffen überhaupt. Da kein Container die wertvolle Fracht schützt, muss das Schiff selbst permanent geputzt werden. Man fühlt sich wie in der cleanen Fabrikhalle eines Automobilwerks.

Auch die Overalls der Crew müssen stets blitzblank sauber sein, so soll ein versehentliches Verschmieren von Lack vermieden werden. Wer Ringe oder eine Uhr trägt, streift Handschuhe über, wenn er sich dem Laderaum nähert. Knöpfe oder Reißverschlüsse an den Overalls der Schiffscrew sind verboten. Und: Was auch immer passiert: Niemals darf irgendjemand vom Schiff die Ladung berühren. Keiner legt auch nur einen Finger auf ein Fahrzeug.

"Hornissen" – fleißige Arbeiter

Das Hantieren mit der Ladung übernimmt ein anderes Team. Es stammt vom Hafen, in diesem Fall aus Rotterdam, und es steht mächtig unter Zeitdruck. Wir nennen die Fahrer scherzhaft "Hornissen", weil das Summen der Reifen über die gelochten und geriffelten Metallrampen im Schiff ein ohrenbetäubendes Dröhnen verursacht. Das Konzert ergänzt eine leistungsstarke Lüftungsanlage, die die Luft im gesamten Kahn einmal pro Stunde austauscht.

Je zwei Crews mit acht Fahrern werden mit umgebauten, speziell flachen Shuttles in die niedrigen Etagen des Schiffsbauchs chauffiert. Dort steigt jeder in ein von Kollegen schon bereitgestelltes Fahrzeug, und fährt es dann durch das Schiff. Immer abwärts, über nicht enden wollende Rampen, durch enge Kurven und schließlich auf den Parkplatz des Autoterminals von Rotterdam. Klack-klack. Klack-klack. Ein sorgsam choreographiertes Autoballett. 500 Fahrzeuge schaffen die beiden Crews in rund vier Stunden.

Rotterdam: Bis zu 300.000 Fahrzeuge pro Jahr

250.000 bis 300.000 Fahrzeuge werden im größten Tiefwasserhafen Europas jedes Jahr umgeschlagen. Im gesamten Hafen arbeiten 320.000 Menschen auf einer Fläche von rund 100 Quadratkilometern. Rotterdam ist für die Märkte in Deutschland, Polen, Tschechien, Ungarn, Schweiz, Frankreich und Benelux ein sogenannter "Single Port of Entry". Beispielsweise rollen alle Subaru-Fahrzeuge für diese Märkte über Rotterdam zum ersten Mal auf europäischen Boden.

Südliche Länder werden direkt angefahren. Von Griechenland aus gehen die Fahrzeuge beispielsweise nach Russland. Spanien oder Italien werden über die Häfen in Livorno oder Barcelona versorgt. Es hängt immer von der Menge der zu entladenden Fahrzeuge ab, ob ein Hafen angefahren wird oder nicht. Bei kleineren Stückzahlen (unter 150 Fahrzeugen) wird der nächste Hafen angesteuert und dann die Fahrzeuge über kleinere Zubringerschiffe wieder zurückverteilt. Der Grund sind Hafengebühren von runden 15.000 bis 20.000 Euro pro Entladevorgang.

Im schwimmenden Parkhaus um die Welt

Es ist Zeit für den Abschied. Wohin ihn seine Reise genau führt, weiß Kapitän Dey nur für die nächsten paar Stationen: New Castle, Amsterdam, Zeebrügge. Dann über den Atlantik an die Westküste Südamerikas mit Chile als erster Station.

Vielleicht bekommen wir von unserem dritten Offizier bald wieder Post, vielleicht durften er und seine Kollegen kurz an Land, um ein Erinnerungsfoto zu machen, so wie damals in Pisa, vor dem schiefen Turm. Oder vor vielen anderen Wahrzeichen auf der ganzen Welt. Stolz werden Smartphone-Fotos präsentiert. "Wir würden sonst verrückt werden, wenn wir nicht ab und zu Land unter die Füße bekommen", sagt Kapitän Dey und rollt eine große Seekarte auf den Tisch. Es ist Zeit. Die "Euphony Ace" muss weiter.

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