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Fahrbericht Lotus Elise R - Purismus pur

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Fahrbericht Lotus Elise R  

Lotus Elise: Purismus pur

08.07.2005, 12:40 Uhr | Spiegel-Online, t-online.de

Lotus Elise R (Foto: Lotus)Lotus Elise R (Foto: Lotus) Von Tom Grünweg

Entwicklern gilt der Lotus Elise als Maßstab unter den Sportwagen - leicht, schnell, preiswert und überraschend einfach gestrickt. Dennoch traut sich kein Konzern an ein vergleichbares Konzept. Aus gutem Grund: Die Achtung ist zwar groß, der Absatz jedoch bescheiden.#

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Enger Einstieg
Gut, dass es im Sommer so schöne Tage gab. Sonst wäre die Testfahrt mit dem Lotus Elise schon zu Ende gewesen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Denn mit geschlossenem Verdeck ist der britische Sportwagen allenfalls für Schlangenmenschen geeignet. Wer auf der Suche nach den verlorenen Socken nicht in die Trommel seiner Waschmaschine klettert, hat auch kaum eine Chance, sich durch die schmale Lücke der Lotus-Elise-Tür zu fädeln.

Offen zu fahren ist schöner
Also schauen wir dankbar zum blauen Himmel und nesteln an der handtuchgroßen Stoffbahn, die zwischen Front- und Heckscheibe gespannt ist. Schnell zwei Spriegel gelöst, das Tuch nach Art eines Sardinendosendeckels aufgewickelt - schon steht der Zweisitzer so offenherzig da wie Miss Moneypenny vor James Bond. So wird auch das Einsteigen leichter. Einen Fuß auf den Sitz stellen, den zweiten nachziehen, kurz mit den Armen abstützen, die Füße am Lenkrad vorbei schieben und dann einfach fallen lassen. Den Rest erledigt die Schwerkraft, und ans Aussteigen denken wir besser gar nicht.

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Fahrmaschine mit Suchtpotential
Das ist nicht weiter schwierig. Denn Aussteigen ist so ziemlich das Letzte, was man in einem Elise tun möchte. Lieber noch eine Runde drehen und noch eine und noch eine. Schließlich ist die nur 3,79 Meter lange und gerade einmal 1,12 Meter hohe Flunder, nach der sich selbst die Passagiere im Bus umdrehen, eine Fahrmaschine, die süchtig macht. Kaum ist der Startknopf gedrückt, gibt es kein Entrinnen mehr. Die Hände ruhen auf einem Lenkrad nicht größer als eine Langspielplatte und wechseln nur für Sekunden auf den massiven Aluknauf, der wie ein Tischtennisball den Schaltstummel ziert. Die Füße fliegen über drei schlanke Pedale, und die Augen halten gierig Ausschau nach den nächsten Kurven, die im Lotus mehr Spaß machen als in der Achterbahn.

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Direktes Fahrgefühl
Dafür sorgt auch die Sitzposition, die einen direkteren Fahrbahnkontakt vermittelt als in jedem anderen Serienauto. Man liegt so tief unten, dass man beinahe das Portemonnaie aus der Hose nehmen möchte, damit es nicht auf dem Asphalt schleift. Die Lenkung reagiert frei von jeder Servounterstützung auf den kleinsten Fingerzeig, jeder Gasstoß wirft den Wagen unbehelligt von Regelsystemen noch ein paar Millimeter näher an die Ideallinie, und die Bremsen beißen zu wie eine englische Bulldogge. Den Soundtrack zum rasanten Roadmovie spielt ein 1,8-Liter großer Vierzylinder von Toyota. Er klingt zwar mit 192 PS und 181 Newtonmetern auf dem Papier nicht nach Supersportwagen. Doch weil der Lotus mit Alurahmen und Kunststoffkarosserie lediglich 860 Kilogramm wiegt und die Briten dem Motor von aller Zurückhaltung befreit haben, schiebt er den Wagen gehörig an.

Leicht, schnell und kleiner Verbrauch
In 5,2 Sekunden steht der Tacho bei 100, und Schluss ist erst bei 241 km/h. Immer wieder lässt man dabei die Gänge so lange stehen, bis man bei 6000 Touren jenen zweiten Kick spürt, der Lotusfahrern so ein schönes Lächeln auf die Lippen malt. Wären da nicht die roten Warnlampen im Cockpit, man würde wahrscheinlich auch bei 7500 Touren nicht ins Getriebe greifen. Obwohl der Motor also jede Menge zu tun hat, gibt er sich an der Tankstelle moderat: Natürlich sind 8,8 Liter für ein Leichtbauauto kein Grund zum Protzen. Doch für einen Sportwagen ist das fast schon eine kleine Sensation.

Entspannung ist nicht drin
Entspannen kann man beim Tanz mit der Elise allerdings nicht. Weil der Purismus auch für das Interieur gilt, sucht man moderne Annehmlichkeiten vergebens. Nur gegen Aufpreis gibt es Radio, Klimaanlage und ein paar ziemlich überflüssige Elektromotoren etwa für die Fenster. Ein Handschuhfach fehlt, und statt des Getränkehalters liefern die Briten ein Alukörbchen, in dem Lederriemen die Dosen halten. Selbst wenn dort ständig ein Energy-Drink bereit steht, steigt man aus der Elise aus, als käme man aus dem Fitness-Studio. Das Hemd klebt auf dem Rücken, die Knie zittern, und der Blick wird seltsam unstet, wenn man zu lange geradeaus schaut. Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb macht der Exot von der Insel einen Heidenspaß - wahrscheinlich sogar mehr als man sonst irgendwo für Geld kaufen kann. Schließlich beginnen die Preise bei 35.400 Euro und liegen deutlich unter einem vergleichsweise zahmen Porsche Boxster.

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Kleinserie mit Tradition
Dennoch erliegen nur wenige dem Charme der Elise: "Zwar weisen die Zahlen seit einigen Jahren stetig nach oben. Doch wir haben im letzten Jahr in Deutschland etwa 65 und im ersten Halbjahr 2006 knapp 50 Roadster verkauft", sagt Pressesprecher Andreas Männer. Wenn man die Coupé-Version Exige mit dazu rechnet, kommen die Briten für 2005 auf exakt 100 Zulassungen. Auch im globalen Geschäft spielt die Firma, die mittlerweile vom malaysischen Unternehmen Proton übernommen wurde, mit 4500 Zulassungen pro Jahr (Planzahl für dieses Jahr) nur eine Nebenrolle. Aber das mit Tradition: Schließlich wurden in Hethel seit 1948 bereits mehr als 75.000 Autos gebaut. Und allein die Elise kommt seit ihrem Debüt 1995 auf etwa 25.00 Einheiten.

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