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Das Mauerveilchen blüht auf

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Mitsubishi Lancer  

Das Mauerveilchen blüht auf

05.11.2007, 16:45 Uhr

Es gab eine Zeit, da muss der Mitsubishi Lancer ein wirklich heißer Feger gewesen sein. In den siebziger und achtziger Jahren, erinnert sich Firmensprecher Albrecht Trautzburg, war das Mittelklassemodell aus Fernost bei jeder wichtigen Langstreckenrallye am Start. Doch dann folgten Jahre der Langeweile, in denen der Dauerläufer erst als Lancer, dann als Carisma zum Spießer degenerierte. Zwar haben die Japaner allein in Deutschland seit dem Debüt 1977 mehr als 200.000 Stück verkauft, doch ein Bild des Autos hat kaum jemand im Kopf.

Foto-Show Neuer Mitsubishi Lancer
Foto-Show Mitsubishi Lacer Evo

Böse blickende Scheinwerfer
Damit soll jetzt Schluss sein. Wenn nun die neunte Generation an den Start geht, kann man das Auto beim besten Willen nicht mehr übersehen: Der Kühlergrill erinnert an einen Kampfjet. Die Scheinwerfer blicken böse und selbstbewusst aus schmalen Schlitzen. Die Flanke ist muskulös und steigt in klassischer Keilform an, das Heck wurde mit scharfen Linien geformt. Vor allem von hinten erinnert der Lancer ein wenig an die Limousinen von Alfa Romeo. Im Innenraum haben die Designer mit einigen schwungvollen Strichen und Zierleisten dem grauen Einheits-Look ein Ende gemacht.

Präzises Einlenkverhalten
Aber nicht nur die Designer haben nach dem Lust-Prinzip gearbeitet. Auch die Ingenieure bekennen sich wieder zum Fahrspaß. Sie haben für den Lancer ein sehr ordentliches Fahrwerk entwickelt. Statt wie frühere Modelle dahin zu gondeln, lässt sich der Hoffnungsträger nun sehr präzise dirigieren. Die Lenkung gibt eine zuverlässige Rückmeldung, die Federung ist bestimmt, aber nicht unkomfortabel und die Bremsen machen einen vertrauenswürdigen Eindruck.

Auch der Evo wird neu
Wie gerechtfertigt die Bezeichnung Sportlimousine ist, zeigt für Mitsubishi-Mann Trautzburg auch der Blick auf die straßentaugliche Rennversion Evolution X, die im nächsten Sommer auf den Markt kommen wird. Solche Autos hat es zwar auch bei den letzten Lancer-Baureihen gegeben, "doch hatten die bis auf den Namen oft nichts mehr mit dem Serienauto gemein".

"Ein paar dicke Backen"
Nun allerdings habe das Grundmodell schon derart sportliche Gene, dass man trotz 300 PS und Allradantrieb kaum etwas umbauen musste. "Ein paar dicke Backen für die größeren Räder, die Schweller und Flügel sind alles, was an Veränderung nötig war."

Diesel mit Rußpartikelfilter
Erst einmal müssen sich die Kunden allerdings mit einem Dieselmotor begnügen, den Mitsubishi bei VW einkauft. Der Zweiliter hat 140 PS und 310 Nm, die man mit einem sechsstufigen Schaltgetriebe fein dosieren kann. Zwar passen 9,6 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und 207 km/h Höchstgeschwindigkeit nicht so ganz zum sportlichen Anspruch, doch macht der serienmäßig mit Rußpartikelfilter ausgerüstete Motor eine gute Figur und gibt sich an der Tankstelle mit 6,1 Litern zufrieden.

Pumpe-Düse von VW
Nur sein penetrantes Nageln nervt. Nicht umsonst hat VW die Pumpe-Düse-Technik gerade aufs Abstellgleis geschoben. Ruhigere Zeiten verspricht der erste Benziner, der im Frühjahr nachgereicht wird. Er hat 1,8 Liter Hubraum, wird 144 PS leisten und auch mit einer stufenlosen Automatik angeboten. Mittelfristig folgt noch ein zweiter Vierzylinder-Ottomotor, der die Lücke zum Evo schließen soll.

Zwischen zwei Klassen
Mit einer Länge von 4,57 Metern und einem Radstand von 2,64 Metern fährt der Lancer zwischen zwei Klassen: Für Kompaktautos wie den Opel Astra etwas zu groß und für den Wettbewerb mit Opel Vectra & Co. zu klein, will er Kunden aus beiden Segmenten gewinnen.

Gutes Preis-Leistungsverhältnis
Dabei helfen dürfte das gute Verhältnis von Preis und Ausstattung. Schließlich sind neben ESP und sieben Airbags bei allen Modellen auch Klimaanlage und CD-Radio Serie. Und auf Wunsch gibt es erstmals Xenon- und Kurvenlicht sowie das aus dem Outlander bekannte Navigations- und Kommunikationssystem sowie einen Starter ohne Schlüssel.

Aktuelle Meldungen Autogramm

Ein Fließheckmodell namens Sportback wird folgen
Die Preise beginnen nach der Premiere des Benziners bei 19.250 Euro, vorher muss man für das Dieselmodell mindestens 21.490 Euro bezahlen. So groß wie der Stolz Mitsubishis sind auch die Hoffnungen: Nachdem die Japaner hierzulande im letzten Jahr nur etwas mehr als 3000 Lancer verkauft haben, sollen es 2009 fast viermal so viele werden. Auf den früher besonders erfolgreichen Kombi können sie dabei nicht mehr hoffen. Stattdessen folgt im Herbst nächsten Jahres ein Fließheckmodell, das den mit Audi abgesprochenen Namen Sportback trägt, ungleich eleganter aussehen und fast genauso viel Platz bieten wird.

Wächst der Lancer weiter?
Wenn die Rechnung mit dem Lancer aufgeht, wird er vielleicht nicht die einzige Limousine im Europaprogramm bleiben. Auf der Motor-Show in Tokio wurde gerade die Designstudie ZT enthüllt. Zwar ist das Stufenheck-Modell fast fünf Meter lang und würde in Europa deshalb im Minenfeld zwischen Mercedes E-Klasse, BMW 5er und Audi A6 fahren. Doch wenn der Lancer wachsen darf, warum sollte man das einem möglichen Nachfolger des Galant verwehren?

Schnellcheck Mitsubishi Lancer
Einsteigen: ...weil der Lancer endlich wieder ein Gesicht hat, der Innenraum gelungen ist und Preis und Leistung stimmen.
Aussteigen: ...weil der Diesel zwar schön fährt aber schaurig klingt. Außerdem sind 400 Liter Kofferraum zu wenig.
Umsteigen: ...wird schwer, weil der Lancer zwischen den Klassen fährt. Am ehesten aus Volvo S40, VW Jetta oder Seat Cordoba.

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