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Fahrbericht Volvo V70 T6  

Feuer und Eis

04.01.2008, 10:28 Uhr

Volvo V70 (Foto: Volvo)Volvo V70 (Foto: Volvo) Gegensätze ziehen sich angeblich an. Einen Beleg dieser These in der Autowelt liefert Volvo mit dem V70 T6, dem Topmodell der neuen Kombi-Baureihe. Es ist ein Wagen wie Feuer und Eis. Die Baureihe V70 an sich ist so etwas wie der Urmeter unter den großen Familienfrachtern. Weil sich die schwedische Marke aber künftig in Richtung Premium und Luxus verändern möchte, gibt es den neuen Wagen jetzt erstmals auch mit sechs Brennkammern unter der Haube. Als Sauger und Turbo wird der Reihensechszylinder angeboten, "Spiegel Online" war mit dem stärkeren der beiden Debütanten, dem drei Liter großen, 285 PS starken Turboaggregat unterwegs.

Foto-Show Volvo V70
Foto-Show Volvo C30
Foto-Show Volvo XC90
Foto-Show Volvo S80

Leises, schnelles Gleiten

Die Maschine ist derart potent, dass die Kraft grundsätzlich über ein Sechsgang-Automatikgetriebe und Allradantrieb auf die Straße gebracht wird. Die geschieht wie nebenbei, nämlich sehr leise und vollkommen ruckfrei. Daraus entsteht ein Fahrgefühl der Mühelosigkeit. Vor allem das schnelle, entspannte Gleiten auf der Autobahn beherrscht der Volvo exzellent, und es ist gar nicht schwer, sich den natürlichen Lebensraum dieses Autos vorzustellen: schnurgerade, das halbe Jahr über von Schnee bedeckte, einsame Straßen in Mittel- und Nordschweden, die Kondition vom Fahrzeug verlangen und Wachsamkeit vom Fahrer.

Sechs durstige Zylinder

Die Idealvorstellung vom Reisewagen für eine vierköpfige Familie mit Gepäck, der souverän durchs Schneetreiben rauscht, leidet jedoch, sobald am linken Lenkstockhebel der Bordcomputer aktiviert wird. Dort steht dann als Durchschnittsverbrauch nach einer sehr ruhigen Fahrt über eine deutsche Autobahn, bei der die Tachonadel stets im Bereich der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h pendelte: 12,3 Liter/100 Kilometer. In CO2 ausgedrückt sind das 294 Gramm je Kilometer – auf unserer 500-Kilometer-Fahrt waren es also knapp 150 Kilogramm Kohlendioxid.

Lösung: kleinere Motoren

Mitten im Klimawandel, da über eine drastische Verringerung des Schadstoffausstoßes diskutiert wird, ist ein derart hoher Wert absolut unzeitgemäß – Souveränität hin oder her. Aber der Volvo V70 kann mehr als lange Etappen lässig zu meistern, und es gibt ihn ja auch mit sehr viel vernünftigeren Motoren, einem 2-Liter-Benziner mit 145 PS etwa oder einem 2-Liter-Diesel mit 136 Pferdestärken. Während die Wahl des Antriebsaggregats eine Sache des Geschmacks, des Geldbeutels und des Gewissens ist, steht das Auto in der gehobenen Kombi-Klasse unter mancherlei objektivem Gesichtspunkt ziemlich gut da.

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Andere sind größer, Volvo origineller

Da ist zum Beispiel das gute Platzangebot mit bequemen Sitzplätzen für die Passagiere und einem schlau eingerichteten Gepäckabteil, dessen Haken, Ösen und Klappen für Ordnung und Sicherheit im Heck sorgen. Cargofix heißt dieses System, das Volvo gesondert und für 199 Euro anbietet. Maximal 1600 Liter schluckt der Laderaum. Das ist okay, obwohl die deutschen Konkurrenzmodelle BMW 5er Touring (1615 Liter), Audi A6 Avant (1660 Liter) und Mercedes E-Klasse T-Modell (1950 Liter) zum Teil deutlich mehr einladen können.

Überzeugende Verarbeitung

Überzeugend wirkt die Verarbeitung des neuen Volvo Kombis. Die Oberflächenmaterialien im Innenraum sehen gut aus und fühlen sich gut an, die Cockpitinstrumente sind klar gestaltet und die Zeiger der beiden Rundinstrumente geschickt konstruiert – nämlich so, dass im Zentrum der Ziffernblätter eine kreisrunde Fläche für weitere Anzeigen bleibt - eine originelle Lösung. Die Bedienelemente sind gut platziert, ihre Funktion erschließt sich unmittelbar. Allein die komplette Telefontastatur auf der zentralen Armaturentafel bringt unnötige Unruhe und eine störende Kleinteiligkeit ins ansonsten elegante Ambiente. Die Echtholzeinlagen (Aufpreis 510 Euro) machen sich übrigens sehr gut.

Ordentliche Sicherheitsausstattung, viele Extras

Die Sicherheitsausstattung, ein wesentliches Element des Volvo-Marketings, ist bereits ab Werk reichhaltig. Sechs Airbags, Gurtstraffer auf allen Plätzen, ESP, ABS, Bremsassistent und Nebelscheinwerfer gehören zum Standardumfang. Allerdings müssen einige Sicherheitsdetails auch extra bezahlt werden. So etwa die Möglichkeit, den Beifahrerairbag abzuschalten (Aufpreis 50 Euro), das Warnsystem zur Überwachung des toten Winkels (920 Euro), der Assistent, der bei Übermüdung des Fahrers warnt (700 Euro) oder die integrierten, zweistufigen Kindersitze im Fond (350 Euro).

Schwungvoll-klarer Karosseriekörper

Der Volvo V70, das fällt schon nach wenigen hundert Testkilometern auf, ist ein erfreulich dezenter und zugleich sehr kompetenter Begleiter. Das Design hat sich – zum Leidwesen von Hardcore-Fans der schwedischen Marke – längst wegentwickelt von der emotionslosen Kasten- und Kanten-Optik, hin zu einem schwungvoll-klaren Karosseriekörper. Der sieht noch immer eindeutig nach Volvo aus – aber eben auch ein bisschen nach Zeitgeist und Moderne. Der V70 ist auch optisch in seiner dritten Generation ein Kombi der Gegensätze.

Schnellcheck Volvo V70 T6

Einsteigen: ...weil in diesem Wagen in fast jeder Fahrsituation ein "in Abrahams Schoß"- Gefühl herrscht.
Aussteigen: ...weil der Sechszylinder- Turbomotor mit diesen Verbrauchswerten allenfalls noch unter Stammtischbrüdern für Furore sorgt.
Umsteigen: ...aus anderen hoch motorisierten Familienkombis von Audi bis Mercedes, von BMW bis Saab, von Ford bis VW.

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