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Extremist auf dem Strip

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Lamborghini Gallardo LP 560-4  

Extremist auf dem Strip

16.05.2008, 13:02 Uhr | Tom Grünweg

Lamborghini Gallardo LP 560-4 (Foto: Lamborghini)Lamborghini Gallardo LP 560-4 (Foto: Lamborghini) Auf dem Highway ist mal wieder die Hölle los. Was da die Interstate 215 rund um Las Vegas entlang röhrt, ist eine Armada brandneuer Lamborghini Gallardos. In der US-Spielermetropole präsentiert die italienische Marke gerade die überarbeitete Fassung ihres Bestsellers, die in Deutschland im Juni an den Start gehen wird.#

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Applaus statt Neid

Den Ort der Premiere wählte die Audi-Tochter mit Bedacht: Während den Piloten solcher Tiefflieger-Autos hierzulande bisweilen Neid und Missgunst entgegenschlägt, wurde der Gallardo auf dem Las Vegas Boulevard, der Hauptschlagader der Stadt freundlich begrüßt. Zuschauer reckten den Daumen, beim Kavalierstart an der Ampel brandete spontaner Szenenapplaus auf.

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Donnerkeil, noch schärfer

Dabei muss es schon ein Auto wie der Gallardo sein, damit man in der Luxuswelt von Las Vegas überhaupt auffällt. Deshalb haben die Italiener auch noch einmal am Design gefeilt und den Donnerkeil noch schärfer gemacht: Wie immer folge die Form der Funktion, doziert Entwicklungschef Mauricio Reggiani und schwärmt von optimierten Lufteinlässen, einem aerodynamisch geglätteten Unterboden und einem neu gezeichneten Heck, das vom Fahrtwind nun noch vehementer auf die Straße gepresst wird.

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Böses Antlitz

Alles richtig. Aber vor allem lassen die Änderungen den Gallardo noch böser aussehen, wenn er mit LED-Technik in den Tag blinzelt, die flirrend heiße Luft über dem Asphalt einsaugt und die Leuchtdioden in den Rücklichtern schimmern wie rot glühende Wurfsterne.

Mehr Leistung, weniger Verbrauch

Viel wichtiger allerdings ist der neue Motor, der dem Wagen das Kürzel LP 560-4 beschert. Die erste Zahl steht für die um 40 PS gestiegene Leistung von 560 PS des auf 5,2 Liter vergrößerten Zehnzylindermotors, der jetzt mit Direkteinspritzung arbeitet. So soll den Kritikern wenigstens etwas Wind aus den Segeln genommen werden. Denn zusammen mit einem deutlich abgespeckten Gewicht, besserer Aerodynamik und speziellen Leichtlaufreifen sinkt der Verbrauch um satte 20 Prozent auf beinahe bescheidene 13,7 Liter - zumindest in der Theorie. In der Praxis ist der Wagen so verführerisch, dass man die Maschine gerne ausdreht und doch wieder über 20 Liter kommt.

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Serienmäßiger Allradantrieb

Die zweite Ziffer im Typenkürzel verweist auf den serienmäßigen Allradantrieb, mit dem sich der Gallardo draußen auf dem Las Vegas Motorsport Speedway förmlich in den Asphalt krallt: Wenn der Zehnzylinder brüllt und die Flunder vom Hochgeschwindigkeits-Oval auf den Handlingparcours wechselt, reicht beinahe der kleine Finger, um den Wagen mit der Präzision eines Chirurgen durch die Kurven zu dirigieren.

Optimale Beschleunigung garantiert

Daneben haben die Italiener am elektronisch gesteuerten Getriebe gearbeitet. Auf der Rennstrecke wechselt es die Gänge nun noch schneller und bietet zudem einen so genannten Thrust-Mode, der den Kavalierstart perfektioniert und aus dem Stand optimal bis zur Höchstgeschwindigkeit beschleunigt.

Nie wieder grüne Welle

Auf dem Boulevard hingegen schaltet der Automatikmodus nun so sanft, dass der Verkehr gar nicht langsam genug fließen kann. Wo rote Ampeln sonst nur Spaßbremsen sind, dienen sie dem Lamborghini-Fahrer hier als Lustgewinn: Denn ausfahren kann man den Boliden im Mutterland des Tempolimits natürlich nirgends, und die um zehn auf 325 km/h gesteigerte Höchstgeschwindigkeit schafft man auch auf keiner Rennstrecke. Doch wird bei Grün nur einmal fest aufs Gas getreten, schnellt der Drehzahlmesser nach oben und der Zehnzylinder katapultiert den Wagen in 3,7 Sekunden auf Tempo 100. In solchen Momenten wünscht man sich nie wieder eine grüne Welle.

"Das ist auch ein Lebensstil"

Insbesondere in Las Vegas spürt man deutlich: Lamborghini steht längst nicht mehr nur für Autos. "Das ist auch ein Lebensstil", behauptet Markenchef Stefan Winkelmann und lässt deshalb nicht nur die Sportwagen röhren, sondern buchstäblich auch die Puppen tanzen. Eigens für die Präsentation ließ Lamborghini eine Show entwickeln, eine kleine Zeltstadt aufbauen und ein Dinner-Theater mit dem üblichen Mix aus Sport, Sex und Sangeskunst inszenieren.

Merchandising gewinnt an Bedeutung

So soll gleich auch die deutlich erweiterte Merchandising-Kollektion beworben werden, die für Winkelmann zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zwar sind gute zehn Millionen Euro Umsatz noch bescheiden. "Doch die Marge ist mit der von den Autos nicht zu vergleichen", frohlockt der Chef, der grundsätzlich auch selbst in den durchgestylten Lambo-Klamotten auftritt und dem Thema große Priorität einräumt. Demnächst soll der ersten reine Merchandising-Store der Marke eröffnet werden. Wo? In Las Vegas natürlich.

Neuer Auslieferungsrekord

Die Karriere des Gallardo steht für den Aufschwung Lamborghinis von der ebenso exotischen wie windigen Klitsche zu einem ernsthaften Sportwagenhersteller. Das Unternehmen dürfte auch der Markenmutter Audi allmählich Spaß machen: Nachdem Lamborghini in den ersten 40 Jahren im Durchschnitt weniger als 300 Autos pro Jahr verkaufte, hat die Firma im vergangenen Jahr mit 2407 Auslieferungen einen Rekord aufgestellt. Knapp 50 Millionen Euro überwiesen die Italiener nach Ingolstadt.

"Kompromisslos, extrem und italienisch"

Möglich macht das die jüngste und breiteste Modellplatte, die Lamborghini je hatte. Winkelmann beschreibt sie so: "kompromisslos, extrem und italienisch." Fragt man den Chef, wann Lamborghini denn den Erzrivalen Ferrari schlagen wolle, erklärt er nur halb im Spaß, das sei "längst erledigt". "Bei der Höchstgeschwindigkeit sind wir doch schon vorn." Bei den Stückzahlen allerdings sieht es noch anders aus.

Keine dritte Baureihe

Natürlich weckt der Erfolg die Hoffnung auf eine dritten Baureihe, über die schon seit Jahren spekuliert wird. Doch Winkelmann muss die Fans enttäuschen. "Noch eine Modellreihe können wir uns nicht leisten, dafür sind wir zu klein." Dass es deshalb aber außer dem zum Jahresende erwarteten Gallardo LP 560-4 Spyder nichts Neues geben wird, sei ein Irrtum, sagt Winkelmann.

"Wir sind immer für eine Überraschung gut"

Dann spricht er von den Sondermodellen Superleggera und Reventón. "Solche Autos zeigen: Wir sind immer für eine Überraschung gut." Vom Veranstaltungshotel in Las Vegas sieht man eine Eiffelturm-Kopie. Vielleicht gibt es ja unter dem echten Eiffelturm in Paris, wo im Herbst die nächste große Automesse stattfindet, wieder eine Überraschung von Lamborghini.

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