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Das Cabrio, das aus der Tiefe kam

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Rinspeed sQuba  

Das Cabrio, das aus der Tiefe kam

17.07.2008, 12:38 Uhr | Von Anne Seith

Kann tauchen - der Rinspeed sQuba (Foto: Rinspeed)Kann tauchen - der Rinspeed sQuba (Foto: Rinspeed) Bei James Bond sieht das eindeutig lässiger aus. Als 007 in "Der Spion, der mich liebte" bei einer Verfolgungsjagd mit seinem Lotus Esprit auf Tauchtour gehen will, saust er einfach über einen Steg ins Meer. "Can you swim?", fragt er das schmucke Bond-Girl auf dem Beifahrersitz - aus rein dramaturgischen Zwecken. Als der Wagen in die Unterwasserwelt eintaucht, sitzen die beiden trocken und entspannt in der Fahrerkabine.

Auto-Video Rinspeed sQuba
Foto-Show Rinspeed sQuba

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Rinspeed sQuba kann fahren und tauchen

Dafür war die Spritztour im Bond-Streifen von 1977 nur Hollywood-Bluff. Der sQuba kann tatsächlich beides: fahren und tauchen, bis in zehn Meter Tiefe. Grob, der mit an dem Prototyp gebaut hat, wirft die Turbinen am Heck an. Bequem wie im Gummiboot tuckern wir auf den Zürichsee hinaus. Dann aber wird es turbulent. Grob öffnet die Fahrertür: Sofort sprudelt Wasser in den Innenraum. Das Auto sinkt, das Blei an meinem Anzug zieht mich mit nach unten. Plötzlich ist um mich herum nur noch das milchige Grün des Sees.

Auf und ab

Die Tauchtour kommt mir ziemlich rasant vor, dabei bewegen wir uns nur mit Schrittgeschwindigkeit. Doch es geht auf und ab und ich kämpfe ständig mit dem zu- und abnehmenden Druck auf den Ohren. Einmal neigen wir uns unheimlich zu einer Seite, bis Grob die Schalter in der Mitte wieder in die richtige Position gebracht hat - sie steuern die Jet-Antriebe unter den Rückspiegeln und damit auch das Fahrzeug. Kurz darauf will ich das Funksystem in der Maske benutzen, doch das fiept nach dem Druck auf den Knopf erst einmal ohrenbetäubend. Dann: starkes Rauschen und Knistern. "Hörst Du mich?"- "Ich höre Dich." - "Wie schnell fahren wir?" - "Ich höre Dich." Danach bleiben meine Fragen unbeantwortet.

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Kinderkrankheiten im System

Solche Kinderkrankheiten im System beunruhigen Frank Rinderknecht nicht. Der sQuba sei ein Prototyp - klar, dass da immer mal wieder etwas nicht funktioniert, findet der braungebrannte Schweizer Unternehmer mit dem gewellten Silberschopf. Insgesamt aber hält er seine Mission für erfüllt. Er hat "einen Traum Realität werden lassen" - wieder einmal.

Bekannt für irrwitzige Studien

Eigentlich verdient Rinderknecht, Chef der Sieben-Mann-Firma Rinspeed, sein Geld mit Autotuning und der Herstellung von Prototypen für andere Autobauer. Doch bekannt ist der 52-jährige Schweizer für die irrwitzigen Studien, die er seit 16 Jahren entwickelt. Stammgäste des Genfer Autosalons erwarten alljährlich sehnsüchtig sein Erscheinen. Und sie werden selten enttäuscht.

Ein Auto wie ein gläsernes Rieseninsekt

2004 etwa kam Rinderknecht mit dem Amphibienfahrzeug Splash mit eingebautem Tragflügelsystem. Der Wagen kann 60 Zentimeter über Wasser schweben - und dass die Technik funktioniert, bewies Rinderknecht zwei Jahre später, indem er persönlich in dem seltsamen Gefährt den Ärmelkanal überquerte. Vergangenes Jahr fuhr er dann mit dem eXasis in Genf vor. Ein Wagen mit komplett transparenter Karosserie, der an ein gläsernes Rieseninsekt erinnert - oder an eine futuristische Seifenkiste.

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Der sQuba kommt in die Garage

Verkaufen will Rinderknecht die Wagen nicht. Dazu hätten sie zu viele Macken, sagt er schlicht. Nach ein paar Promotionfahrten wird auch der sQuba einen Platz neben den anderen bunten Einzelstücken in der Rinspeed-Tiefgarage bekommen. Eigentlich ein trauriges Schicksal für ein Auto, dessen Entwicklung eine Million Euro gekostet hat - und das unendlich viel Stress für alle Beteiligten bedeutet.

"Ich verfluche mich regelmäßig"

"Es gibt so einen point of no return bei einem Fahrzeug", sagt Rinderknecht: "Da fängt es auch an, Geld zu kosten." Wenn dann etwas schiefgehe, "verfluche ich mich regelmäßig, dass ich das mache". Für den Splash etwa wurde ein Werbefilm in Florida gedreht. Alles war bereit - da donnerte ein Staplerfahrer in den Prototyp. Übrig blieb erstmal ein Haufen Schrott. "Das war eine Megakrisensituation."

"Reklame auf Rädern"

Warum baut er trotzdem jedes Jahr ein neues schräges Auto? Das sei "Reklame auf Rädern" für seine Firma, antwortet Rinderknecht auf diese Frage gern. Schließlich mache er zwei Drittel des Umsatzes mit Industrieaufträgen. Allerdings gibt er auch zu: "Wenn meine Maxime Geldverdienen wäre, müsste ich sofort aufhören damit."

Dächer importiert

Er scheint einer von denen zu sein, die manchmal einfach machen, ohne zu viel zu grübeln. Auch sein Unternehmen hat sich eher entwickelt, als dass es geplant gewesen wäre. Schon als Schüler hat Rinderknecht sein Motorrad aufgemöbelt, "so im Easy-Rider-Stil mit hohem Lenker und orange lackiert". Als Student baute er dann ein Sonnendach aus den USA an sein Auto. In Europa waren die wegschiebbaren Verdecke noch nicht verbreitet - schnell fragten Bekannte nach. Aus dem Import der Dächer und dem Einbau wurde der Tuning-Betrieb.

"Wir entwickeln Technologien neu oder weiter"

Sein Image als Paradiesvogel der Branche stört Rinderknecht nicht. "Ich nehme es als Kompliment. 'Verrückt' kommt schließlich von 'verrücken'." Trotzdem will er seine Autos nicht nur als teure Spielzeuge verstanden wissen. "Wir entwickeln Technologien neu oder weiter", sagt er. Das Lenkrad mit Tasten für Radio und CD-Player etwa sei eine Rinspeed-Erfindung.

Die Umwelt kommt nicht zu kurz

Früher ging es bei seinen Studien vor allem um Kraft und Luxus - heute bergen die Motorhauben reichlich umweltschonende Technologien. Den sQuba etwa preist Rinderknecht nicht nur als Bond-Auto, sondern auch als "Zero-Emission-Car" an. Im Wasser wie auf der Straße wird er mit Elektromotoren bewegt. Zu Lande bringt er es damit immerhin auf 120 Kilometer pro Stunde. Die Stromversorgung stellen Lithium-Ionen-Akkus sicher.

Sportwagen mit Biogas

Das Interesse für nachhaltige Technologien entsprang dabei zunächst nicht unbedingt der Überzeugung, wie Rinderknecht unumwunden zugibt. Es drohte ihm nur jemand die Show zu stehlen. Um die Jahrtausendwende entwickelte Bugatti den Veyron: Einen Wagen mit 1001 PS. "Das ist Wahnsinn", sagt Rinderknecht, der privat einen Mini fährt. Bei solchen Zahlen wollte er nicht mehr mitbieten. Also entwickelte er einen Sportwagen, der mit Biogas fuhr. 2001, als öko noch vielfach "mit Birkenstock und Selbstgestricktem gleichgesetzt wurde", wie er sichtlich zufrieden betont.

Rinspeed sQuba war ein Lotus Elise

Nach Selbstgestricktem sieht der sQuba, der früher einmal ein Lotus Elise war, nicht unbedingt aus. Kaum steht das schnittige weiße Cabrio mit den zwei orangenen Propellern am Heck am Zürichsee, kommen die Passanten wie ferngesteuert heran, den Blick auf die Karosserie geheftet. Dass der Wagen noch gewaltig zickt, tut der Bewunderung keinen Abbruch. Manchmal etwa leuchten die kreisrunden Lichter am Heck ohne jedes Zutun auf. Als wäre der sQuba zum Leben erwacht wie KITT aus Knightrider und wollte sich jetzt mal zu Wort melden.

Kein alltagstaugliches Auto

Alltagstauglich freilich ist das Bond-Auto nicht. Die rasante Fahrt über die Landstraßen direkt ins Wasser wäre in der Schweiz schlicht illegal, weil der Wagen zu viel Dreck von der Straße in den See schleppen würde. Rinderknecht karrt sein Tauchauto deshalb immer mit dem Transporter an den Zürichsee.

Schwieriges Lenkmanöver

Das Lenken des Gefährts ist obendrein zumindest im dunklen Zürichsee schwierig. Chauffeur Grob muss sich blind auf Anweisungen seiner Kollegen verlassen, die unsere Unterwassertour von einem Motorboot aus verfolgen und über Funk die Richtung vorgeben. Manchmal, wenn wir nah genug an der Oberfläche sind, steht Grob auch einfach auf und steckt den Kopf zur Orientierung aus dem Wasser.

"Alle erwarten jetzt, dass ich ein Auto fliegen lasse"

Trotzdem: "Träume muss man umsetzen, auch wenn sie dann nicht mehr so süß sind", findet Rinderknecht. Deshalb hat er auch schon den nächsten Wagen in Arbeit. "Alle erwarten jetzt, dass ich als nächstes ein Auto fliegen lasse", sagt er. Schon deshalb stehe das nicht an. "Sonst heißt es: Der Rinderknecht kann nur schräg."

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