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Autotest Tata Nano: Indiens fahrende Verzichtserklärung

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Tata Nano  

Indiens fahrende Verzichtserklärung

03.04.2009, 17:41 Uhr | Aus Pune berichtet Volker Müller

Die indische Version des Tata Nano (Foto: Tata)Die indische Version des Tata Nano (Foto: Tata) Er soll Indiens Massen mobilisieren: Der Tata Nano kostet in der Basisversion umgerechnet gerade mal 1500 Euro. Der Kleinwagen kann allerdings auch nicht viel mehr, als seinen Fahrer von A nach B bringen - aber diese Aufgabe erledigt er meisterhaft. "Spiegel Online" fuhr den Wagen zur Probe.#


Foto-Show Tata Nano
Foto-Show Tata Nano Europa

Kein Schnörkel

Der Nano ist die automobile Entsprechung eines Rohbaus: Kein Plastik verdeckt die Blechholme, kein Schalter ziert das Armaturenbrett, kein Schnörkel schmeichelt dem Auge des Betrachters. Der Tata Nano in seiner Basisvariante ist eine fahrende Verzichtserklärung, ein auf das allernötigste reduziertes Gefährt, dessen Konsequenz dem Betrachter dennoch Respekt abnötigt. Rohbau eben, aber auch eine technische Meisterleistung.

Von A nach B - mehr nicht

Die Tata-Ingenieure standen vor einer echten Herausforderung: Sie sollten ein Auto konstruieren, das vier Personen zuverlässig durch Hitze, Staub und Monsun von A nach B bringt, höchstens vier Liter verbraucht, alle Sicherheitsstandards erfüllt, umweltfreundlicher ist als ein indisches Motorrad - und nicht einmal die Hälfte des bislang billigsten Autos kostet. Quasi ein Dacia Logan für Indien.

Ein wenig Van-Gefühl

Ein wenig hochgeschossen und schmalbrüstig erscheint der Nano mit seinen 3,10 Metern Länge und 1,65 Metern Höhe, weit entfernt von jeder sportlichen Attitüde. Die Form hilft bei Einsteigen in den Kleinstwagen: Kein Hineinplumsen auf Kniehöhe, keine Verrenkungen, eher ein Van-Gefühl.

Eng ist anders

Den Eindruck vermittelt der Nano auch innen. Eng ist anders: Vorne sitzen auch 2-Meter-Riesen bequem auf den straffen Polstern, hinten erdulden 1,80 Meter große Passagiere mehrstündige Fahrten ohne Klagen - selbst bei maximal zurückgeschobenen Sitzen. Daran scheitern andere Hersteller reihenweise.

Ordentlich montiert

Von außen ist dem Nano sein konsequentes Sparprogramm kaum anzusehen. Die Spaltmaße sind klein und gleichmäßig, alles ist ordentlich montiert und sitzt gerade. In Indien ist das nicht selbstverständlich.

Nüchternes Innere

Innen ist das Spardiktat umso augenfälliger. Es gibt kein Handschuhfach, sondern große Ablagen. Die vorderen Kopfstützen sind in die Sitze integriert, hinten fehlen sie ganz. Die Stanzgrate der Armaturen sind offensichtlich, das helle Hartplastik des Cockpits wirkt wenig schmeichelhaft. Radio und Lautsprecher sind selbst in der Top-Variante LX Sonderausstattung. Nur ein Wischer mit einer Waschdüse hält die Windschutzscheibe sauber, die Anzeigen beschränken sich auf Tacho und Kilometerzähler. Einen Dreipunktgurte gibt es lediglich auf den Vordersitzen, die Fondpassagiere müssen sich mit Beckengurten begnügen.

Kühlung nur mit Fahrtwind in Basisversion

Eine besondere Herausforderung für die Passagiere hält Tata in der Basisvariante bereit: Dem Wägelchen fehlen sowohl Lüftung als auch Klimaanlage. Bei Außentemperaturen von bis zu 50 Grad im indischen Sommer dürfte selbst der Fahrwind durch die großen Seitenfenster keine angemessene Linderung verschaffen. Geradezu luxuriös dagegen die Top-Variante LX: Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber, Kaffeehalter, Dreispeichenlenkrad, Metalliclackierung. Kleiner Trost für Käufer mit kleiner Kasse: Auch in der Einstiegsversion ist alles anständig verarbeitet.

Kaum Werbung

14 Millionen Haushalte ist die Zielgruppe für den Nano allein in Indien groß, haben Marktforscher ermittelt. Auf fulminante Werbekampagnen verzichtet der Hersteller Tata Motors jedoch. Ihm reichen die Nano-Webseite und der seit Monaten währende Medienhype im Lande. Zusätzlich hat Tata inzwischen Sondervereinbarungen für günstige Finanzierungen mit 15 Banken geschlossen. Immerhin kostet der Wagen etwa das vierfache durchschnittliche Jahreseinkommen eines Inders. Die Käufer, so der Eindruck der meisten Motorjournalisten, bekommen dafür aber ein Auto, das jede Rupie wert ist.

35 PS reichen tatsächlich

Der Nano ist selbst mit nur einem Fahrer an Bord kein Temperamentsbolzen, mit 35 PS aber angemessen motorisiert. Er schwimmt gut mit im indischen Stadtverkehr, einem ständigen Stop-and-Go. Selten erreicht die Tachonadel die Marke von 50 km/h - mehr verhindern die Verkehrsdichte und die unzähligen Schlaglöcher. Flott zieht er um die Kurven, die Beschleunigung auf Tempo 80 gelingt durchweg ordentlich. Darüber wird es zäh. Bis der Nano seine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h erreicht, braucht es eine Portion Geduld - und möglichst wenig Gegenwind.

Halb so schwer wie ein Polo

Servounterstützung für Lenkung und Bremsen sind nicht im Angebot, bei 600 Kilogramm Leergewicht aber auch nicht unbedingt notwendig. Der Wagen wiegt damit kaum die Hälfte des aktuellen Volkswagen Polo, der seit Dienstag nur wenige Kilometer entfernt in Pune gebaut wird. Tatsächlich zeigt sich die Lenkung in annähernder Mittellage leichtgängig und direkt, nur bei starken Einschlag werden die Kräfte unangenehm.

Deutsche Hersteller eingebunden

Zahlreiche deutsche Zulieferer haben Tata bei der Konstruktion des Nano assistiert - unter ihnen Bosch, ZF Friedrichshafen, BASF, Conti, Behr, Mahle und Freudenberg. Sie haben zahlreiche intelligente Lösungen gefunden, um einen Preis von 100.000 Rupien, etwa 1500 Euro, zu ermöglichen. Etwa konsequenten, sich gegenseitig verstärkenden Leichtbau: Je leichter der Wagen, desto geringer die notwendigen Materialstärken - und desto geringer das wiederum daraus resultierende Gewicht. Auch wenn das Auto einschließlich örtlicher Steuern und Überführung am Ende dann doch 120.000 Rupien kostet.

Motor über Hinterachse

Wie beim Smart von Daimler sitzt der aus Aluminium gegossene Motor direkt über der Hinterachse. Unter der kurzen Schnauze findet sich lediglich das 12 Zoll große Ersatzrad - und der Einfüllstutzen für den Tank. Einen direkten Zugang zum Motor gibt es nicht, er lässt sich nur durch Abschrauben eines Schutzblechs über die Rücksitzbank erreichen. Das ist auch der Weg zum Kofferraum: Eine Klappe, die sich von außen öffnen ließe, ist nicht vorhanden. Das Heck ist fest mit der Karosse verschraubt.

Es muss viel hineinpassen

Findige Bastler werden für diesen Funktionsmangel sicherlich eine Lösung entwickeln. Denn die Transportkapazität ist in Indien eines der wichtigsten Kaufkriterien. Davon zeugen regelmäßig die hoffnungslos überladenen Gefährte auf den Straßen des Landes. Schon haben Zulieferer erste Dachgepäckträger für den Nano angekündigt, die von Tata offiziell nicht zu bekommen sind.

Kaum Lärm zu hören

Der Nano erfüllt alle geforderten Sicherheitsstandards, obwohl er ohne ABS, Stabilitätsprogramm oder Airbags antritt. Auch den Überschlagtest hat er erfolgreich bestanden. Ihn allerdings in Grenzsituationen zu manövrieren, erfordert Übung. Selbst ruckartige Ausweichmanöver bei höherem Tempo meistert der Testwagen anständig. Nur leidet der Fahrkomfort ein wenig unter der härteren Fahrwerkstabstimmung. Dafür bleibt die Geräuschkulisse selbst auf rauem, holprigen Untergrund erfreulich gering.

Verkauf diese Woche in Indien gestartet

Seit Mittwoch dieser Woche stehen die ersten Nanos in den Schaufenstern der Händler der indischen Metropolen. Probefahrten sind noch nicht möglich, Bestellungen werden aber gerne entgegen genommen, gegen 300 Rupien Gebühr.

Nur die ersten 100.000 profitieren

Es gleicht einem Glücksspiel, am Ende tatsächlich einen Wagen zu bekommen: Angesichts geringer Fertigungskapazitäten werden die ersten 100.000 Nano-Käufer per Los ermittelt. Erst Ende 2010 wird das neue Nano-Werk im westindischen Sanand die Produktion beginnen. Bis dahin dürfte auch der Preis des Wagens gestiegen sein: Firmenpatriach Ratan Tata hat die 100.000 Rupien lediglich für die ersten 100.000 Nanos zugesichert.

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