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Mercedes G 500 im Autotest: Schrankwand mit Schnickschnack

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Mercedes G 500  

Schrankwand mit Schnickschnack

14.04.2009, 10:23 Uhr | Roman Büttner, Spiegel Online

30 Jahre jung: Die G-Klasse (Foto: Mercedes-Benz)30 Jahre jung: Die G-Klasse (Foto: Mercedes-Benz) Er sieht aus wie eine Schrankwand auf Rädern: Anders als die meisten Lifestyle-SUVs ist die G-Klasse von Mercedes ein echter Geländewagen. Seit 30 Jahren rackert sich das Arbeitsgerät auf Schotter und Schlammwegen ab. In der Stadt wirkt der imposante Wagen allerdings ziemlich deplaziert.
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Drastischer Spritverbrauch im Stadtverkehr

Beim Blick auf den Bordcomputer wird einem schwindelig. Das Display zeigt im Hamburger Berufsverkehr einen Durchschnittsverbrauch von 30,1 Litern an. Zwar sinkt der Wert bis zur Zielankunft nach insgesamt rund sechs Kilometern auf knapp unter 25 Liter - doch auch das ist immer noch zum Abgewöhnen. Man muss es dem fast 2,4 Tonnen schweren G 500 vielleicht verzeihen.

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Kantiges Auto für das Gelände

Der kantige Kollege wurde nicht allein für den Verkehr auf befestigten Straßen konzipiert. Daimler Benz und die Steyr-Daimler-Puch AG im österreichischen Graz hatten 1973 die Idee, einen leichten Geländewagen für die Industrie, Kommunen und das Militär zu entwickeln. Darüber hinaus sollte das Fahrzeug auch nach Dienstschluss eingesetzt werden können. Es sollte also uneingeschränkt geländegängig und gleichzeitig ein komfortables und sicheres Straßenfahrzeug sein.

Großauftrag vom Schah von Persien

Nicht ganz irrelevant für die Entscheidung, das Auto auch tatsächlich zu bauen, dürfte der Schah von Persien gewesen sein. Mohammad Reza Pahlavi war damals Daimler-Großaktionär und bestellte 1975 gleich mal 20.000 G-Klasse-Modelle. Zwar wurde der Auftrag später storniert, trotzdem rollt die Mercedes G-Klasse seit 1979 über Straßen, Stock und Stein.

Auto hat sich kaum verändert

Seitdem hat sich das Auto kaum verändert - zumindest optisch. Noch immer wirkt das Gerät wegen der vielen geraden Kanten wie eine fahrende Schrankwand. Außerdem sitzen die Blinker nach wie vor oben auf den vorderen Kotflügeln, und eine im Fahrzeugdesign sonst so gut wie ausgestorbene Regenrinne krönt das Fahrzeugdach.

Mercedes G 500 bietet 388 PS

Das Leistungsspektrum jedoch ist deutlich breiter geworden. Reichte es beim Debüt noch von 72 bis 150 PS, wird die kleinste G-Klasse heute von einem 3-Liter-Turbodiesel befeuert, der 224 PS leistet. Offenbar ist das einigen Leuten immer noch zu wenig, denn Mercedes bietet auch den G 500 mit einer 5,5-Liter-Maschine und 388 PS sowie den G 55 AMG mit beängstigenden 507 PS an.

Koloss stürmt fauchend nach vorn

Zwar ist der Klang des V8-Aggregats im G 500 beeindruckend, und wenn das Gaspedal komplett durchgetreten wird, stürmt der Koloss fauchend nach vorn. Doch gerade deshalb wirkt das Vehikel völlig übermotorisiert, und man hat den Eindruck, als reiße das Auto jeden Moment auseinander. Und laut ist es ab 120 km/h obendrein. Aber das ist für ein echten Geländewagen wohl normal.

Im Gelände topp, auf der Straße mau

Erst auf unbefestigten Wegen zeigt der Wagen seine wahren Stärken. Lederausstattung, adaptives Kurvenlicht und schicke Leichtmetallräder sind hier zwar nicht wirklich hilfreich, trotzdem wuchtet sich das große, schwere Auto enorme Steigungen hinauf, und eine Schräglage von bis zu 54 Prozent ist je nach Aufbauten möglich. Und sollte ein Gewässer den Weg versperren, ist auch das bis zu einer Tiefe von einem halben Meter kein Problem.

G-Klasse ist komfortabler geworden

Im Laufe der vergangenen 30 Jahre hat das Modell seine Geländefähigkeiten nicht verloren. Doch im Vergleich zur ersten Generation ist die Fahrt in dem Auto komfortabler geworden. Die beheizbaren und belüfteten Ledersitze sind kommod, der Scheibenwischer mit einem Regensensor ist praktisch. Allerdings sitzt der Feuchtigkeitsfühler am Rückspiegel und versperrt so je nach Größe und Sitzposition des Fahrers oft die Sicht auf die Ampel an der rechten Straßenseite.

Deplazierte Sehhilfe

Noch viel unsinniger ist die Rückfahrkamera, für die 450 Euro zusätzlich berappt werden müssen. Das Gerät sitzt oben am Heck des Fahrzeugs. Darunter befindet sich die Kiste mit dem Reserverad. Das hat zur Folge, dass die Front des hinter der G-Klasse stehenden Autos auf dem Bildschirm in der Mittelkonsole ziemlich schnell unter der Ersatzradabdeckung verschwindet. In Wahrheit hat man dann aber noch einen guten Meter Platz. Praktischer ist da die Ultraschall-Rückfahrhilfe für 550 Euro extra. Dieser Betrag ist bei einer Fahrzeuglänge von bis zu 4,6 Metern durchaus sinnvoll investiert.

G-Klasse kommt mit viel Schnickschnack

Die kompromisslose Geländegängigkeit des Autos in Ehren, aber in Kombination mit der umfangreichen Serienausstattung (Interieur aus Wurzelholz, Navigationsgerät mit integriertem DVD-Player und Sprachsteuerung) macht sie etwas ratlos. Denn der G 500 ist wahrlich kein allradbetriebener Lifestyle-SUV. Allerdings kann er es auch nicht mit der puristischen Offroad-Ikone Land Rover Defender aufnehmen - dafür hat der Mercedes einfach zu viel Schnickschnack.

Grundpreis des G 500 liegt bei 94.000 Euro

Und welches mobile Arbeitsgerät man sich als Hüttenwirt in den Alpen, als Forstarbeiter oder Vermessungsingenieur kauft, hängt häufig auch vom Preis ab. Während der Defender 110 bereits ab 31.500 Euro zu haben ist, schießt der G 500 in der Langversion den Vogel vollends ab: Er kostet mit einem Grundpreis von rund 94.000 Euro fast das Dreifache. Immerhin bekommt man dafür ein leistungsstärkeres und exklusives Auto. In 30 Jahren hat Mercedes von der G-Klasse weltweit nur rund 200.000 Fahrzeuge verkauft.

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