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Mercedes SLS AMG: Schön offen

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Mercedes SLS AMG: Schön offen

09.01.2012, 15:03 Uhr | Peter Maahn/Raufeld, Raufeld

Mercedes SLS AMG: Schön offen. Auch in ferrarieskem Rot ist der SLS AMG zu haben. (Quelle: Hersteller)

Auch in ferrarieskem Rot ist der SLS AMG zu haben. (Quelle: Hersteller)

Der Mercedes SLS AMG befreit sich als Roadster vom Blechdach und den Flügeltüren – flügellahm wird er dadurch nicht. Wir haben das neue Schmuckstück aus der hauseigenen Edelschmiede AMG getestet. Bilder vom neuen Mercedes SLS AMG finden Sie in unserer Foto-Show.

Am Ende der Dienstfahrt parkt er zwischen seinesgleichen, direkt um die Ecke des Luxushotels an der Cote d’Azur. Wie ein Vollblut-Hengst auf dem Abreiteplatz nach einem erfolgreichen Turnier. Stolz, gar nicht erschöpft, sondern schon wieder sprungbereit. Der letzte Blick des "Reiters" von einer Parkbank aus gleitet über die lange Haube, die schwarze Stoffmütze über der weit nach hinten versetzten Kabine.

Gebaut von Edelschmiede AMG

Was kann man an diesem Auto kritisieren? Wo ist der schwache Punkt? Dieser Mercedes SLS ist einfach perfekt, fast schon beängstigend vollkommen. Und als offener Zweisitzer erst recht. Nach dem Flügeltüren-Coupé jetzt also der Roadster des derzeit wohl aufregendsten Mercedes, gebaut von der hauseigenen Edelschmiede AMG. Erinnerungen: Das Vorbild, der legendäre 300 SL erschien 1954 zunächst auch in der geschlossenen Version.

Nach drei Jahren wurde er vom Roadster abgelöst. Im Gegensatz zu damals bleibt das Coupé jetzt aber im Programm.

Flügeltüren hin, Le-Mans-Feeling her: Der offene SLS sieht einfach noch besser aus. Die Proportionen samt der hohen Gürtellinie stimmen, das dreilagige Stoffdach (öffnet bis Tempo 50 in rund zehn Sekunden) verschwindet völlig hinter den beiden Sitzen. Gleicht die Frontpartie mit dem beherrschenden Stern dem Schwestermodel bis ins Detail, wirkt das Heck des Roadsters weitaus knuffiger. Schließlich ist das die Perspektive, die die meisten Normalos vom neuen SLS erleben werden.

571 PS überzeugen

Natürlich bedient sich auch das Cabrio des bekannten Kraftwerks: Acht Zylinder, verteilt auf 6.200 Kubikzentimeter, unterm Strich stehen 571 PS zur Verfügung.

Obwohl ein paar Kilo schwerer, ist der flügellose SLS alles andere als flügellahm. Die in der Praxis wohl eher theoretische Spitze von 317 km/h ist bei diesen Daten eher ein Nebeneffekt. Zu erfahren dagegen der Raketenstart in 3,8 Sekunden auf 100 km/h oder die bullige Durchzugskraft schon bei niedriger Drehzahl. Der riesige Hubraum lässt ständig grüßen.

SLS wird zum Hotspot

Angesichts der Papierform lassen sich Vorfreude und eine gehörige Portion Respekt selbst bei doch eher vernunftgesteuerten Vielfahrern kaum unterdrücken. Dabei wird nach wenigen Kilometern klar, dass sich der SLS so einfach wie ein Golf fahren lässt. Wenn man einmal von der eingeschränkten Sicht nach hinten und nach schräg vorne (wegen des dicken Dachholms) absieht. In der "sanften" Stellung des Drehschalters zwischen den Sitzen schaltet die Siebengang-Automatik früh hoch, dämpft die dumpfen Blubbergeräusche aus dem Motorraum und lässt den SLS souverän gleiten. Das bringt für den Beifahrer die Zeit, auch mal den schnellsten mobilen Internetzugang zu erkunden. Der SLS wird zum Hotspot.

Ein leichter Dreh nach rechts an jenem Schalter weckt die derart gerufenen Geister. Aus dem Blubbern beim Gaswegnehmen wird röhrendes Fauchen, das bevorzugt von Tunnelwänden zurück zum Trommelfell befördert wird. Das jetzt spätere Schalten lässt die Herde unter der Haube galoppieren, nur die wachsamen Laseraugen allgegenwärtiger Gendarmen hemmen den Vorwärtsdrang. In diesem Fahrprogramm bedient sich der SLS naturgemäß recht hemmungslos aus dem Tank. Der Normverbrauch von 13,8 Litern wird zur Illusion.

Kaufpreis liegt bei 195.160 Euro

Doch Menschen, die 195.160 Euro für ein Auto ausgeben können, werden durch ausgiebige Zapfsäulen-Besuche sicher nicht insolvent. Als Trost mag der Hinweis dienen, dass die gleich starken italienischen Konkurrenten des offenen SLS noch verschwenderischer mit dem Rohstoff umgehen.

Auch wenn man es kaum glauben mag: Im Vergleich zu Ferrari und Co. ist der SLS selbst in der Anschaffung fast ein Schnäppchen.

Dabei wird wohl kaum einer der Roadster zum Basispreis den Besitzer wechseln. Die Aufpreisliste ist zwar nicht so lang wie bei manchen Großserienmodellen aus Stuttgart, hat es aber in sich: Wer zum Beispiel Carbon-Zierteile bevorzugt, ist mit 8.449 Euro dabei, warme Luft aus den Nackenstützen muss mit 595 Euro bezahlt werden. Serienmäßig sind aber immerhin ein Hochleistungs-Navi, Heizsitze oder Parksensoren als Vorbeugung gegen Parkkratzer.

Ein echter Traumwagen also, der auf der Straße hält, was seine bildschöne Optik verspricht. Nicht wirklich alltagstauglich (der Kofferraum ist gerade mal 173 Liter klein), aber ein technisch perfektes Spielzeug für eine Handvoll Menschen, die alles andere schon haben. Und denen, wenn sie aus ihren Villengaragen in Richtung Golfplatz unterwegs sind, sicher auch mal Wilhelm Buschs Weisheit über den Neid in den Kopf kommt: "Kaum hat mal einer ein bissel was, gleich gibt es welche, die ärgert das." Impressionen des neuen

Mercedes SLS AMG

finden Sie in unserer Foto-Show.

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