Sie sind hier: Home > Auto > Fahrberichte >

Boom der Oldtimer-Branche: Die Jagd nach dem Garagengold

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Oldtimer: Die Jagd nach dem Garagengold

26.03.2012, 09:54 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Boom der Oldtimer-Branche: Die Jagd nach dem Garagengold. Der Oldtimer-Markt boomt wie nie zuvor. (Quelle: Hersteller)

Der Oldtimer-Markt boomt wie nie zuvor. (Quelle: Hersteller)

Einst war Oldtimer-Liebhaberei ein öliges Hobby, heute ist sie ein riesiges Geschäft. Bei den großen Altauto-Messen Techno Classica und Retro Classics mischen deshalb auch die Autokonzerne mit: Für sie wirkt das Altmetall wie ein Jungbrunnen. Schauen Sie sich einige Oldtimer-Highlights in unserer Foto-Show an.

In der Oldtimer-Branche herrscht Goldgräberstimmung. Ein gut erhaltener VW Käfer, der vor zehn Jahren noch für schlappe 2500 Euro zu haben war, kostet inzwischen 15.000 Euro. Und wer für diesen Wagen einen Gleichstrom-Generatorregler benötigt, muss sich nicht mehr mühsam durch den Kleinanzeigenteil von Club-Postillen kämpfen, sondern kann das Teil ganz einfach bestellen. Neu. Bei Bosch. 2005 gründete der Autozulieferer eine Klassiksparte. Die hält inzwischen mehr als 50.000 Ersatzteile für alte Fahrzeuge bereit. Das Beispiel zeigt: Mit fahrendem Altmetall lassen sich glänzende Geschäfte machen - und entsprechend groß ist der Markt.

Milliardenschwere Branche

Der Oldtimer-Weltverband FIVA (Fédération International des Véhicules Anciens) spricht von einem Jahresumsatz der Branche von 16 Milliarden Euro weltweit, auf Deutschland entfallen davon

etwa 6 Milliarden Euro.
"In dieser schnelllebigen Zeit ist es wichtig für die Menschen, nach alten, vertrauten Dingen zu greifen. Es geht um den 'Weißt-Du-noch?'-Faktor", erklärt FIVA-Sprecher Johannes Hübner die Faszination für die ollen Kamellen.

Der Witz ist: Längst profitieren nicht mehr nur Teilehändler und Restaurationsbetriebe vom Altmetall-Boom. Wer an diesem Wochenende eine der beiden Oldtimer-Großveranstaltungen besucht, kann sich davon ein Bild machen.

Viele kleine Aussteller

Bei der Techno Classica in Essen und bei den Retro Classics in Stuttgart (jeweils 22. bis 25. März) bestimmen nämlich neben den 1200 eher kleineren Ausstellern vor allem die Klassik-Abteilungen der großen Autohersteller das Erscheinungsbild.

Der VW-Konzern beispielsweise hat in Essen gleich die komplette Halle 7 gemietet, wo die einzelnen Marken des Konzerns auf mehr als 7300 Quadratmetern Dutzende Kostbarkeiten aus ihren Werksmuseen zeigen. VW etwa stellt mehrere Rallye-Rennwagen aus alten Tagen aus, um zu beweisen, dass die Marke schon immer eine große Nummer im Vollgaszirkus war. So erhält der nagelneue VW Polo WRC, mit dem die Wolfsburger ab dem kommenden Jahr in der Rallyeweltmeisterschaft mitmischen wollen und der auch in Essen steht, seine historische Legitimation. Darüber hinaus wird das bodenständig-biedere VW-Image auf Rasanz getrimmt.

"Bei diesen Auftritten geht es darum, unsere Geschichte und Kontinuität als Autohersteller glaubhaft rüberzubringen. Gerade auch mit Blick auf die Wettbewerber aus Asien", sagt Eberhard Kittler, Sprecher der VW-Klassiksparte. Was er sagen will, ist: Angesichts der Tatsache, dass der Vorsprung der europäischen Hersteller in Sachen Verarbeitungsqualität gegenüber asiatischen Firmen dahinschmilzt und auch das Design der meisten Serienfahrzeuge immer austauschbarer geworden ist, braucht man irgendwas, um die Marke emotional aufzuladen, irgendeinen Grund, warum der Kunde zum eigenen Produkt greifen soll - und sei es nur die selige Erinnerung.

Fachkenntnisse sind nicht mehr nötig - es geht auch mit Geld

Interessant ist für die Autohersteller das Inszenieren der eigenen Firmengeschichte gerade deshalb, weil die Oldtimer-Szene längst die oft etwas muffig anmutenden Liebhaberzirkel verlassen hat. Es ist cool, eine alte Karre zu fahren. Und vor allem ist es problemlos geworden. Wer selber Hand anlegen will, findet durch das Internet spielend Zugang zu Fachwissen, das früher von den Clubs beschützt wurde wie ein Staatsgeheimnis. Und wer sich dafür zu schade ist und über das nötige Kleingeld verfügt, lässt eben schrauben. Jeder Service, den es für Neuwagen gibt, wird inzwischen auch für Oldtimer angeboten. Das hat Folgen: "Auf der Techno Classica tummeln sich immer mehr jüngere Leute und vor allem auch Frauen, die erkennbar Wert auf Ästhetik und Eleganz legen", sagt Kittler.

Dazu kommt eine immer größere Zahl von Menschen, die ein altes Auto nicht nur aus nostalgischen oder optischen Gründen kaufen, sondern als Geldanlage. "Die Leute flüchten zuhauf ins Garagengold", sagt Matthias Gerst, Oldtimer-Experte beim TÜV-Süd. Er kenne viele Kunden, die neuerdings ihr Erspartes in ein klassisches Auto stecken. Nach dem Motto: Da habe ich dann auch noch was Schönes für den Sonntagsausflug. "Weil die Preise für alte Fahrzeuge in England, in den USA und auch in Japan für deutsche Kunden derzeit vergleichsweise günstig sind, nimmt der Zufluss an klassischen Modellen aus diesen Regionen zu."

Selbst wer lieber einen Neuwagen fährt, kann vom Andrang auf die rollenden Raritäten profitieren. Seit einigen Jahren gibt es sogenannte Oldtimer-Fonds. Der "Classic Cars Fonds Nr. 1" etwa verspricht nach elf Jahren Laufzeit eine Ausschüttung von 209 Prozent. Generell erzielten Oldtimer in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt fünf bis sechs Prozent Rendite pro Jahr, doch natürlich hängt der Wertzuwachs entscheidend von der Marke und dem Modell ab.

Sicheres Investment

"Ich sage das ungern, aber klassische Ferrari, Mercedes-Cabriolets oder Jaguar sind inzwischen zu Spekulationsobjekten verkommen. Mit Liebhaberei hat der Erwerb solcher Autos meist nichts mehr zu tun", sagt TÜV-Mann Gerst. Der Oldtimer-Sammler empfiehlt Einsteigern mit Blick auf ein ebenso lustvolles wie sicheres Investment vor allem sportliche Modelle: "Ford Capri, Opel Manta oder Audi Sport Quattro sind Autos, deren Wert in den kommenden Jahren vermutlich steigen wird."

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige
AnzeigeGebrauchtwagensuche
Welcher ist Ihr nächster?

Finden Sie hier Ihren neuen Gebrauchten:

 

Shopping
Shopping
Trendige Sofas und Couches für jeden Geschmack
reduzierte Angebote entdecken bei ROLLER.de
Shopping
Vom Fleck weg gekauft: Hoover Haushaltsgeräte
OTTO.de

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017