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McLaren MP4-12C im Fahrtest

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McLaren MP4-12C – Formel 1 für die Strasse

07.05.2012, 08:41 Uhr | Christian Sauer

McLaren MP4-12C im Fahrtest. Der zivile Dienstwagen von Jenson Button und Lewis Hamilton soll den etablierten Sportwagen-Herstellern das Fürchten lehren – optisch hat er auf jeden Fall das Zeug zum Supersportwagen. (Quelle: McLaren)

Der zivile Dienstwagen von Jenson Button und Lewis Hamilton soll den etablierten Sportwagen-Herstellern das Fürchten lehren – optisch hat er auf jeden Fall das Zeug zum Supersportwagen. (Quelle: McLaren)

wanted.de Autor Christian Sauer fuhr eines der ersten Serienexemplare des neuen Supersportwagens und war nicht nur von seinem Design mit spektakulären Flügeltüren begeistert. Einen Eindruck vom McLaren MP4-12C bekommen Sie in unserer Foto-Show.

Was haben Jenson Button und Lewis Hamilton gemeinsam? Beide sind schon Formel 1 Weltmeister gewesen, stammen aus England und haben seit letztem Jahr auch abseits der Rennstrecke den gleichen Dienstwagen, den McLaren MP4-12C, an dessen Entwicklung sie sogar aktiv beteiligt waren. Mag der Name zuerst vielleicht etwas sperrig klingen, steht er ganz in der Tradition der erfolgreichen Monoposti aus dem Hause McLaren. Dort in Woking, rund 50 km südwestlich von London, entstehen in futuristischem und klinisch-sauberem Umfeld nicht nur die Renn-Boliden, sondern auch der neue Zweisitzer, der die etablierten Sportwagen-Hersteller das Fürchten lehren soll.

Optisch hat er auf jeden Fall das Zeug dazu. Schnörkellos und modern gezeichnet, verzichtet das Design komplett auf Retro-Elemente. Passend dazu hüllt sich unser Testwagen nicht in traditionellem McLaren-Orange, sondern glänzt in der Sonderlackierung Volcano Red und mit diversen Elementen aus Carbon. >>

Das „schwarze Gold“ spielt aber nicht nur im Exterieur die Hauptrolle: Wer per unsichtbarer Sensortaste die seitlich nach oben schwingende Tür geöffnet hat und sich möglichst elegant in das minimalistisch gestaltete Cockpit gleiten lassen will, wird erst einmal Bekanntschaft mit der hohen Flanke des MonoCell machen. Wie in der Formel 1 bildet die aufwendige Monocoque-Konstruktion aus Carbon das hochfeste und lediglich 75 kg leichte Rückgrat des MP4-12C, der leer insgesamt nur knapp 1.300 kg wiegt.

Leichtbau war auch bei den Sportsitzen angesagt, die guten Seitenhalt bieten und dennoch bequem ausfallen. Liebevoll gestaltete Details, wie der filigrane Blinkerhebel, schmeicheln den Sinnen und sind exklusiv dem MP4-12C vorbehalten. Die penibel genaue Verarbeitung und die erstklassige Materialqualität überzeugen. Das Cockpit wirkt trotz der anfangs ungewohnten Bedienelemente der Klimaanlage in den Türen übersichtlich und alltagstauglich. >>

Ohne Digitalanzeigen kommen die Instrumente mit dem mittigen Drehzahlmesser nicht aus, McLaren verzichtet allerdings bewusst auf Effekthascherei. Dafür hat der Pilot alle wichtigen Informationen im direkten Blickfeld und kann höchstens noch von IRIS abgelenkt werden. Das High-End-Multimediasystem mit Touchscreen im Hochformat bietet eine Vielzahl an Funktionen, wie die drahtlose Synchronisation mit dem eigenen Computer. Wir verzichten aber bei der ersten Ausfahrt gern auf das Meridian Surround-Soundsystem, denn unsere Musik spielt direkt hinter uns, unter der gläsernen Motorhaube.

Mit dem roten Startknopf gebe ich dem V8-Orchester den Einsatz, dessen erste Takte bereits im Stand einen Vorgeschmack auf die folgende Symphonie geben. Langsam nimmt der MP4-12C Fahrt auf und der Automatikmodus des 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes leitet den zweiten Akt ein. Geschmeidig gleitet der 600 PS starke McLaren mit hydraulischem Feder- und Dämpfungssystem über Unebenheiten und dank der guten Rundumsicht fühlen wir uns selbst in der Stadt nicht unwohl – doch etwas zu langsam für unseren Geschmack. Also raus aufs Land, wo freie Straßen und schnelle Kurven warten.

In drei Sekunden von 0 auf 100

Während sich die Lenkung, das Fahrwerk und das Geräuschniveau bis eben noch sehr komfortabel gaben, ändert sich dies merklich, sobald wir uns den beiden formschönen Drehschaltern in der schmalen Mittelkonsole widmen. „H“ und „P“ stehen in diesem Fall nicht für Horsepower, sondern für Handling und Powertrain, deren Charakteristika sich damit unabhängig voneinander schärfen lassen. Wir wählen jeweils den Sportmodus und die Launch-Control. Mit optionalen Corsa-Reifen von Pirelli sprintet der MP4-12C mit Heckantrieb ohne spürbare Traktionsverluste in sensationellen drei Sekunden auf 100. Die Beschleunigungsorgie nimmt uns die Luft und scheint nicht enden zu wollen.  Die 200-km/h-Marke fällt in unter neun Sekunden und Schluss ist erst bei Tempo 330. Möglich macht es das V8-Triebwerk mit nur 3,8 Litern Hubraum, das von zwei Turboladern befeuert wird. Die sorgen auch dafür, dass bereits ab 3.000 Touren das maximale Drehmoment von 600 Nm parat steht. Die 600 PS versammeln sich dann bei 7.000 und kündigen den roten Bereich bei 8.500 an.

So schnell der Drehzahlgipfel erreicht ist, so schnell lassen sich mit Ziehen oder sogar per Drücken der Schaltwippe hinter dem kleinen Leder-Carbon-Lenkrad die Gänge wechseln. Die Übergänge sind nahtlos und selbst unter Volllast kaum spürbar. Das ist aber nur ein Unterscheidungsmerkmal, das den McLaren von anderen Hochleistungssportwagen abgrenzt. Ja, im Track-Modus mit seinem messerscharfen Handling, sowie der enormen Leistung scheint der McLaren wie geschaffen für die Rundstrecke und bildet die Basis für die GT3-Rennversion, mit der dieses Jahr mehrere Kundenteams weltweit an den Start gehen. Sein ganzes Potential kann der MP4-12C mit Straßenzulassung auch nur dort ausspielen, aber dennoch ist er kein kompromissloser Racer.

Verdammt schnell durcheilt er selbst die schwierigsten Kehren, bleibt dabei aber überraschend einfach zu beherrschen und ausgesprochen gutmütig. Die direkte Lenkung gefällt dank guter Rückmeldung. Nie haben wir das Gefühl an die eigenen Grenzen oder den Grenzbereich des Wagens zu kommen. Der McLaren ist perfekt ausbalanciert und stabil beim Anbremsen, wie auch auf der Geraden. Serienmäßig schon mit bärenstarken Bremsen bestückt, gibt es auf Wunsch Keramik-Stopper, die bei extremen Belastungen noch ausdauernder sind. Sie treiben den Preis unseres Testwagens allerdings auf fast 300.000 Euro. Damit liegt der Brite ungefähr auf dem Niveau der Konkurrenz.

Im Vergleich mit ihnen fehlt dem Newcomer von der Insel allerdings (noch) der Wiedererkennungswert. Das wird sich aber bald ändern, wenn die offene Version des MP4-12C das Portfolio von McLaren ausbauen wird. Darüber hinaus planen die Engländer um Patriarch Ron Dennis mindestens eine weitere Baureihe, die selbstverständlich auch die Gene der Formel 1 in sich tragen soll. Das würde nicht nur die beneidenswerten Jenson und Lewis, sondern auch uns freuen – Fortsetzung folgt!

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