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Bugatti: Blick in die edle Autoschmiede

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Autokunst und Grenzerfahrungen bei Bugatti

11.12.2012, 10:47 Uhr | Christian Sauer, wanted.de

Bugatti: Blick in die edle Autoschmiede . Nahe des Straßburger Flughafens, am Rande des Ortes Molsheim, baute der Namensgeber Ettore Bugatti schon seit Anfang des vorherigen Jahrhunderts seine legendären und inzwischen nahezu unbezahlbaren Automobile. (Quelle: Hersteller)

Nahe des Straßburger Flughafens, am Rande des Ortes Molsheim, baute der Namensgeber Ettore Bugatti schon seit Anfang des vorherigen Jahrhunderts seine legendären und inzwischen nahezu unbezahlbaren Automobile. (Quelle: Hersteller)

wanted.de Autor Christian Sauer besuchte exklusiv den Stammsitz von Bugatti im elsässischen Molsheim und erlebte eine surreale Grenzerfahrung mit 1200 PS. Einblicke von unserem Besuch bei Bugatti bekommen Sie in unserer Foto-Show.

Auf dem diesjährigen Autosalon in Genf feierte der offene Bugatti "Veyron" mit der Zusatzbezeichnung "Grand Sport Vitesse" seine Weltpremiere und war eines der meistbewunderten Exponate. Genauer gesagt, waren es gleich zwei. Ein Exemplar mit teils matter Lackierung in "Jet Grey" für 1,75 Millionen Euro und eine weitere "Vitesse" für 1,91 Millionen Euro mit dunkelblauem Sichtkarbon.

Schnellster Roadster der Welt

Die zweifarbige Lackierung lehnt sich an den bereits ausverkauften "Veyron Super Sport" an, der mit offiziell bestätigten 431 km/h den Titel des schnellsten Fahrzeuges mit Straßenzulassung trägt. Zusätzlich zum schwarzen Sichtkarbon strahlt der "Veyron" mit einer orangefarbenen Lackierung. Von ihm übernimmt der offene "Vitesse" den leistungsgesteigerten Motor mit 1200 PS und wird damit zum schnellsten Roadster der Welt. Optisch fallen die Modifikationen zum "normalen" Grand Sport mit 1001 PS erst auf den zweiten Blick oder im direkten Vergleich auf, der sich uns exklusiv im französischen Molsheim bietet.

Hier, nahe des Straßburger Flughafens, am Rande des Ortes baute der Namensgeber Ettore Bugatti schon seit Anfang des vorherigen Jahrhunderts seine legendären und inzwischen nahezu unbezahlbaren Automobile. Gleich neben den Fabrikgebäuden residierte er mit seiner Familie im Château Saint Jean.

Heutzutage präsentiert es sich ebenso aufwendig rekonstruiert wie die ehemaligen Stallungen und die anderen historischen Gebäude auf dem privaten Parkgelände. Nach dem glücklosen Versuch, Anfang der 1990er Jahre mit dem 560 PS starken "EB 110" die Geschichte von Bugatti fortzuschreiben, nahm sich der VW-Konzern der Namensrechte an.

Der geniale wie technik-begeisterte Konzernlenker Ferdinand Piëch erkannte das Potential der einstigen Traditionsmarke. Das Firmengelände neben dem Schloss wurde um mehrere Hektar vergrößert und nach nur einem Jahr Bauzeit um das "Atelier" im modernen halbrunden Design erweitert. >>

Geradezu surreal wirkt die Szenerie, denn nur wenige Meter von friedlich und ungestört im Park grasenden Rehen entfernt, öffnet sich für uns das Tor zum Allerheiligsten. Im Inneren des Ateliers herrscht ebenfalls Ruhe und Gelassenheit. Von weniger als 100 Mitarbeitern wird hier in Handarbeit der "Veyron" gefertigt.

Erst 300 "Veyrons" gebaut

Seit 2005 verließen insgesamt erst knapp 300 Exemplare dieses Gebäude und wurden in Molsheim an die Eigentümer übergeben, die oft per Helikopter anreisen. Selbst der lange Weg über den Atlantik oder aus Fernost ist einigen von ihnen für einen kurzen Besuch nicht zu weit, um bei der Hochzeit von Motor und Chassis dabei zu sein oder an der Seite von Pierre-Henri Raphanel bei der finalen Testfahrt dabei zu sein. Er, der den "Veyron" besser als jeder andere Mensch kennt und den Weltrekord aufgestellt hatte, ist inzwischen selbst berühmt geworden und fungiert zudem als Markenbotschafter für Bugatti.

Ob das der Grund ist, warum er so vom Veyron schwärmt? Sicher nicht, denn die Begeisterung überträgt sich schnell auf uns. Die Sorgfalt und der Aufwand, der betrieben wird, sind einmalig in der Automobil-Welt. In einer nahezu klinisch reinen Umgebung findet im Atelier die Montage der einzelnen Komponenten statt, die wie das mächtige Triebwerk teils vor- oder fertigmontiert angeliefert werden. Sämtliche Bauteile unterliegen den höchsten Qualitätsansprüchen. Selbst bei den Schrauben hört der Perfektionismus nicht auf: Aus Titan gefertigt, sind sie nicht nur extrem leicht und stabil, sondern auch teuer – über 50 Euro ist eine davon wert.

Sicherheitsmaßnahmen wie bei Luft- oder Raumfahrt

Unabhängig vom Zustand werden sie nur einmalig verwendet und nach dem Entfernen aussortiert. Derartige Sicherheitsmaßnahmen finden sich ansonsten nur in der Luft- und Raumfahrt wieder. Sie sind auch ein Grund, warum das Zusammenfügen aller Bauteile eines "Veyron" bis zu fünf Wochen in Anspruch nehmen kann.

Selbst wenn nur ein winziges Detail nicht zu 100 Prozent die Vorgaben erfüllt, nehmen sich die Experten zusätzlich Zeit dafür und zwar so viel, wie nötig ist.

So tauschten sie beispielsweise an dem "Grand Sport" vom Genfer Salon die komplette Fahrzeugtür für einen fünfstelligen Betrag aus, da einige Messebesucher dem Wagen zu nah gekommen waren und winzig kleine Kratzer hinterlassen hatten. Raphanel und seine Kollegen sind zu Recht stolz auf die einzigartigen Details wie dem wohl exklusivsten Dach der Welt, das überwiegend aus Karbon gefertigt, als Regenschutz für den "Grand Sport" bei unvorhergesehenen Schauern dient.

Mit seiner enormen Leistung und einem sehr luxuriösen und komfortablen Ambiente im Inneren überzeugt der Supersportler. Das nimmt uns ein wenig die Ehrfurcht, als der lang ersehnte Moment der Testfahrt gekommen ist. Wie sich der acht Liter große 16-Zylinder-Motor samt vier Turboladern und 1200 PS auf der Straße anfühlt, sowie welche Überraschungen auf uns im "Veyron" warten, lesen Sie hier im zweiten Teil unserer exklusiven Reportage.

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