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Denzel: Vom Autowrack zum Rennwagen

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Vom Kübelwagen zum Rennauto

18.07.2012, 14:27 Uhr | Heiko Dilk/Raufeld, Raufeld

Denzel: Vom Autowrack zum Rennwagen. Denzel baute nach dem Krieg Sportwagen aus Autowracks.  (Quelle: imago)

Denzel baute nach dem Krieg Sportwagen aus Autowracks. (Quelle: imago)

Schuld ist der einarmige Rennfahrer Otto Mathé. Nun ja, eigentlich war er nicht einarmig, doch sein rechter Arm war nach einem Motorradunfall im Jahr 1934 gelähmt. Trotzdem fuhr der Österreicher nach dem Krieg Autorennen und war dabei sogar sehr erfolgreich. Einer seiner Rivalen war Wolfgang Denzel. Sehen Sie den Denzel-Sportwagen in unserer Foto-Show.

Foto-Serie mit 4 Bildern

Mathé fuhr den von Ferdinand Porsche gebauten Berlin-Rom-Wagen, ein Auto mit Stromlinienkarosserie auf Basis des KdF-Wagens, der als "Mathé-Porsche" zu einiger Bekanntheit gelangte. Denzel fuhr: Denzel.

Und hätte es also Otto Mathé nicht gegeben - schon zu Lebzeiten eine Legende in Österreich -, gäbe es im Hamburger Automuseum "Prototyp" wohl nicht zwei der wenigen verbliebenen Denzel-Sportwagen. "Wir haben den Denzel auf alten Fotos von Mathé gesehen und gedacht: Was ist das denn für ein tolles Auto?", erzählt Oliver Schmidt, einer der beiden Gründer des Museums. Denzel ist eben, anders als der "Mathé-Porsche", selbst unter Enthusiasten nicht allgemein bekannt. Dabei begegneten sich die Autos in den späten 40er und frühen 50er Jahren auf Augenhöhe. >>

Bei der österreichischen Alpenfahrt 1949 zum Beispiel siegte Wolfgang Denzel in der 1.100-cm3-Klasse, während Mathé auf dem Berlin-Rom-Wagen ausfiel. 1950 war es umgekehrt.
Heute indes läuft so ein Denzel den meisten Porsches den Rang ab. Jedenfalls in der Aufmerksamkeitswertung. Das wird schnell klar auf einer Fahrt von Hamburg nach Rügen. Mit dabei sind ein Porsche 356 Speedster und ein viersitziger Denzel von 1949. Wir fahren über die Dörfer, durch Wiesen und gelb leuchtende Rapsfelder.

Im Heck des silbernen Denzel knattert ein kleiner Boxermotor, im Speedster brabbelt ein etwas größerer. Und wo immer wir anhalten, ist es der Denzel, der Aufmerksamkeit erregt. "Was ist das denn für einer?" Es ist im Grunde ein VW, wie auch der Fahrzeugschein sagt. Oder genauer: ein VW-WD Stahl4-Sport.

Wolfgang Denzel fing in den späten 40er Jahren an, mit dem zu arbeiten, was da war. Und das waren vor allem Kübelwagen-Wracks, beschädigt im Zweiten Weltkrieg. >>

Die einfache Konstruktion machte es möglich, mit wenig Aufwand eigene Karosserien dafür zu schneidern.
Denzel ging damit einen ähnlichen Weg wie Ferdinand Porsche. Beide nutzten Volkswagenteile und beide stellten ihre Modelle im Jahr 1948 fast zeitgleich fertig. Porsche sein erstes Serienmodell, den 356, und Denzel eben seinen ersten Denzel.

Die ersten Wagen hatten noch Kunststoffkarosserien (zunächst sogar ohne Türen), die sich aber auf Dauer als nicht haltbar erwiesen, weshalb heute auch kein solcher Denzel mehr existiert. Noch 1949 stieg Denzel dann auf Stahl um und begann, mehr Neuteile von Volkswagen einzusetzen anstatt Kübelwagen-Wracks auszuschlachten. Es ist eines dieser Modelle, mit dem wir unterwegs sind. Genau wie von den Kunststoff-Varianten sollen sechs Exemplare entstanden sein, nur dieser eine ist erhalten geblieben. Schmidt und sein Partner Thomas König kauften ihn 2011 von Peter Denzel, Wolfgangs Sohn. Schmidt mag vor allem die Einzigartigkeit des Denzel. "Stangenware", so sagt er, "ist doch langweilig." Und auch die einfache Technik, die den Denzel noch heute zu einem unproblematischen Auto macht, hat es ihm angetan. Die Strecke von Hamburg nach Rügen und wieder zurück meisterte der Denzel denn auch klaglos - allerdings nicht ohne Blessuren. Bei Kröpelin machte er auf regennasser Straße Bekanntschaft mit einem Opel Vectra C. Eine hässliche Beule am linken Kotflügel war glücklicherweise die einzige Folge.

Denzel sammelte rund 300 Siege als Rennfahrer

Wolfgang Denzel hätte das wahrscheinlich nur milde beunruhigt. Schließlich war er Rennfahrer, rund 300 Siege sammelte er über die Jahre, auf Autos und auf Motorrädern. In den 1950er Jahren baute er auch Sportwagen, die zwar den Urtypen sehr ähnlich sahen, aber komplette Eigenentwicklungen waren. Bis 1959 entstehen rund 300 Coupés und Roadster in Serie, von denen noch 50 weltweit erhalten sind. Und auch der VW-WD Stahl4 wird natürlich repariert. Er ging zwei Tage nach der Fahrt direkt in die Werkstatt und befindet sich schon wieder auf dem Weg der Besserung.

Denzel und BMW

Seine Erfahrung im Autobau sorgte in den 1950er Jahren dafür, dass Wolfgang Denzel quasi zum Retter für BMW wurde. Aufgrund einer verfehlten Modellpolitik, der komplett der Mittelbau fehlte, ging es den Münchnern wirtschaftlich miserabel, sie standen kurz vor der Übernahme durch Daimler-Benz.

Der BMW 700 brachte die Marke wieder auf den richtigen Weg. Mit 181.000 zwischen 1959 und 1965 verkauften Exemplaren wurde das kleine sportliche Auto zum Bestseller. Wolfgang Denzel, der 1952 BMW-Generalimporteur für Österreich wurde (heute ist die Wolfgang Denzel Auto AG einer der größten Autohändler in Österreich), war maßgeblich an seiner Entwicklung beteiligt.

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