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Bentley Mulsanne: Die Entschleunigung

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Mulsanne: Entschleunigung à la Bentley

07.08.2012, 09:49 Uhr | Christian Sauer, wanted.de

Bentley Mulsanne: Die Entschleunigung. Im Innenraum begeistert der Bentley Mulsanne durch neuste Technik. (Quelle: Bentley)

Im Innenraum begeistert der Bentley Mulsanne durch neuste Technik. (Quelle: Bentley)

Schon der Name weckt Erwartungen: Benannt nach der Mulsanne-Geraden in Le Mans, wo Bentley in den 1920er-Jahren fünf Mal das 24-Stunden-Rennen gewann, soll das gleichnamige Bentley-Topmodell ultimativen Luxus und Komfort mit Sportlichkeit verbinden. Bereits dem Rolls-Royce Phantom Coupé verliehen wir das Prädikat "Fliegender Teppich". Kann der Bentley Mulsanne das noch toppen?

Unser Autor Christian Sauer beantwortet dies, ebenso wie die Frage: Selbst fahren oder lieber fahren lassen?

Kühlerfigur für 3000 Euro extra

Erst einmal geht es direkt hinter das Steuer des 5,57 Meter langen, 1,92 Meter breiten und 1,52 Meter hohen Schiffs, das über vier Fahrdynamik-Einstellungen verfügt. Luftfederung und Lenkung lassen sich auch separat konfigurieren, aber wir entscheiden uns zum Start gleich für die Einstellung "Sport". Passend dazu hält die 8-Stufen-Automatik ein gesondertes Fahrprogramm und sogar Schaltpaddel parat. Wie eine Motorjacht braucht auch der Mulsanne beim Beschleunigen aus dem Stand zwar einen kurzen Moment um die Trägheit zu überwinden, bevor sich sein Rumpf samt Flying-B-Kühlerfigur für fast 3000 Euro Aufpreis, dann noch ein Stück höher gen Himmel streckt.

Ohne spürbare Traktionsverluste an der Hinterachse katapultiert der Achtzylinder mit zwei Turboladern die mehr als 2,5 Tonnen Leergewicht druckvoll in knapp fünf Sekunden auf 100 km/h. Entscheidend dafür ist weniger die Leistung von 512 PS bei 4200 Touren, sondern das enorme Drehmoment von 1020 Nm bereits ab 1750 Touren. Das ist rekordverdächtig und kommt nicht irgendwoher, sondern aus dem bei Bentley traditionell 6,75 Liter großen Hubraum.

V8 mit kernigem Sound

Zwar versteckt sich der Motor des Boliden optisch unter der langen Motorhaube, aber nicht akustisch. Anders als bei Rolls-Royce, wo es nicht zum Konzept des "magic carpet ride" passt, darf und soll sich der V8 bei sportlicher Gangart bemerkbar machen. Uns gefällt sein kerniger Sound unter Volllast, ebenso wie das Fahrverhalten.

Einen leichtfüßigen Kurvenkünstler, der dynamisch neue Maßstäbe setzt, hatten wir ohnehin nicht erwartet. Doch es ist fast schon als Wunder anzuerkennen, wie direkt sich die riesige Luxuslimousine steuern lässt. Mit dem hohen Gewicht zu kämpfen haben allerdings die optionalen 21-Zoll-Räder unseres Testwagens. Vor allem in engen Kurven und auch beim Bremsen machen sie sich bemerkbar. Die mächtigen Stopper sind dem aber ebenso gewachsen, wie der Höchstgeschwindigkeit von fast 300 km/h. Wir beschränken unseren Vortrieb auf knapp 260, wovon weder der Mann hinter dem Volant, noch die Gäste im Fond viel spüren.

Es gibt kaum ein anderes Auto auf dieser Welt und in unserer Zeit, in dem es sich so entspannt dahin gleiten lässt wie im Mulsanne. Die sanft schaltende Automatik trägt ihren Teil dazu bei, ebenso wie die souveräne Straßenlage. Seine weiche Seite zeigt der Brite, dessen bullige Front mit dem riesigen Grill entsprechend Überholprestige sichert, im Komfortmodus. Dann gleitet er regelrecht majestätisch über alle Unwegsamkeiten hinweg, wie Queen Elisabeth II in ihrer Bentley Sonderanfertigung. Im Mulsanne müssten die Damen auf dem Weg zum Pferderennen nach Ascot zwar ihre meist ausladenden Hutkreationen abnehmen, aber das Platzangebot ist dennoch herrschaftlich und über jeden Zweifel erhaben.

Innenraum mit besten Materialien ausgestattet

Die riesigen und sehr schweren Türen, die sich anders als bei Rolls-Royce nicht gegenläufig öffnen, schließen wie von Geisterhand per Zuziehautomatik und bilden die natürliche Grenze eines luxuriösen Mikrokosmos. Nahezu sämtliche Geräusche der schnöden Außenwelt werden vom feinen Innenraum fern gehalten. Die erhabene Sitzposition bietet eine relativ gute Rundumsicht, wenn man bei den Abmaßen überhaupt davon sprechen kann. Die vier Ledersessel lassen sich mit Hilfe der nahezu unendlich langen Aufpreisliste entsprechend des eigenen Geschmacks in verschiedensten Farben und Varianten individualisieren. Fast alle Wünsche sind realisierbar und werden per traditioneller Handarbeit im Werk in Crewe erfüllt. Als Ergebnis der vielen Arbeitsstunden begeistert höchste Material- und Verarbeitungsqualität die Sinne. Billigen Kunststoff sucht man fast vergeblich:

Alles was metallisch glänzt, ist auch aus Metall, wie die klassischen Schalter und Lufteinlässe. Die fühlen sich nicht nur sehr edel an und rasten präzise ein, sondern sind sogar massiv. Gleiches gilt für das Holz-Furnier, das großflächig im Cockpit eingesetzt wird und ein echtes "Armaturenbrett" bildet. Dahinter verbirgt sich moderne Technik von Audi inklusive dem MMI-Bediensystem, dessen Monitor diskret hinter einer Holzblende hervorgleitet. Per Knopfdruck verschwindet es ebenso, wie die Anzeigen des farbigen Infodisplays zwischen den großen Rundinstrumenten. Ergänzt werden sie durch eine ansehnliche "Uhrensammlung" in der Mittelkonsole, die ein echtes Luxusproblem sichtbar macht.

Die Kunden können sich problemlos die teuersten Elektroniksysteme im Wagen leisten und fragen diese zum Teil auch immer mehr nach. Auf moderne Fahrassistenzsysteme will beziehungsweise kann Bentley ebenfalls nicht verzichten und dennoch übt man sich im bewussten Verzicht auf technische Spielereien. Vielleicht ist das ein weiterer Grund für die Tiefenentspannung an Bord, weil man nicht verleitet wird, ständig etwas auszuprobieren oder rumzuspielen. Zumindest auf Wunsch werden inzwischen aber Kameras zum leichteren Manövrieren und ein adaptiver Abstandstempomat für den Fahrer angeboten.

Für die zwei – ohne feste Mittelkonsole auch drei – Passagiere in der zweiten Reihe geht Bentley sogar noch weiter: Zusätzlich zu den von vorne bekannten Annehmlichkeiten wie elektrischer Sitzverstellung, -heizung, -lüftung und –massage, dem grandiosen Soundsystem von Naim und Monitore zum DVD- oder TV-Schauen gibt es auf Wunsch einen Champagnerflaschen-Kühler und die immer wieder schönen Picknick-Tischchen aus Holz neuerdings mit integrierten iPads. So lädt das Fond schon sehr zum Verweilen ein.

Selten ist uns die Entscheidung, wo am besten zu sitzen ist, so schwer gefallen, wie hier im Mulsanne. Alte Klischees, dass ein Rolls-Royce nur mit Chauffeur und ein Bentley hingegen selbst gefahren wird, sind längst überholt. Sogar im Mulsanne, der anders als die kleine und günstigere Continental-Modellfamilie, eher das konservative Klientel anspricht, macht beides Spaß. Er ist quasi ein Allrounder, der allerdings auch seinen Preis hat. Knapp unter 300.000 Euro sind es ohne Extras, auf die aber eigentlich kein Kunde verzichtet. Nach oben gibt es kaum Grenzen, was ebenso für den Verbrauch gilt, der offiziell mit 16,9 Litern angeben ist. Doch das ist für die meisten Interessenten oder Eigentümer ein zu vernachlässigender Aspekt bei einem Fahrzeug wie diesem. Selbst wenn Kritiker von einem spritfressenden Dinosaurier sprechen mögen, hoffen wir, dass der große Bentley nicht aussterben, sondern noch lange weiterleben wird – vielleicht auch als Hybrid- oder Elektroversion. Schauen Sie sich den Bentley Mulsanne in unserer Foto-Show an.

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