07.01.2013, 10:08 Uhr | mid
Der VW Eco up! mit Erdgasantrieb hat es auf Platz eins der Auto-Umwelt-Liste beim Verkehrs Club Deutschland (VCD) gebracht, und zwar vor den Hybriden aus Japan. Seit kurzem hat VW ihn im Angebot und hat nun in der Praxis zu zeigen, ob er hält, was sein Listen-Rang verspricht.
Schade, dass die ersten mit Erdgas betriebenen Pkw-Motoren so lahm waren. Das hatte seinen Grund: Das in den Ansaugstrom geblasene Erdgas verdrängt die gleiche Menge Luft, so dass nicht genug Sauerstoff im Brennraum ankommt. Das begrenzt die Motorleistung. Ausgleichen kann man das durch Aufladung. So lassen Erdgas-Turbomotoren solche Schwächen vergessen. Ein Ausgleich lässt sich auch durch hohe Verdichtung schaffen. Sie ist möglich, weil Erdgas klopffester ist als Benzin. Diesen Weg geht VW am 0,9-l-Dreizylinder Saugmotor des Eco up!
Nur der Schriftzug auf der Heckklappe unterscheidet die Benzin-Brüdern äußerlich. Die Anzeige an der Instrumententafel macht allerdings die zwei Kraftstoffsorten deutlich: Neben 11 Kilogramm Erdgas in zwei Unterflurflaschen (unter Druck von 200 bar) sind es zehn Liter Benzin, auf die der Fronttriebler umschaltet, wenn das Erdgas zur Neige geht. Bis zehn Grad Minus springt der Motor mit Erdgas an, darunter startet er mit Benzin.
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Beim Tritt aufs Gaspedal legt sich der Kleine ins Zeug, der Motor läuft rund und ruhig. Beim Halt an der ersten Ampel stellt ihn das Start-Stopp-System kurzzeitig ab. Er springt problemlos wieder an und beschleunigt willig. Beim Hochdrehen klingt er etwas härter als ein reiner Benziner, was an der von 10,5:1 auf 11,5:1 erhöhten Verdichtung liegt. Der Unterschied bleibt jedoch in Grenzen und auf der Autobahn geht es dann bis Tempo 164. Nur in der Beschleunigung fällt er etwas ab. Das liegt weniger an der Zugkraft als am hohen Gewicht, denn mit seinen Gasflaschen ist der Wagen genau 131 Kilogramm schwerer als ein Benziner. Doch der Unterschied ist minimal und die Zugkraft reicht für sicheres Überholen.
Erdgas ist generell umweltfreundlich, weil es weniger Kohlenstoff als Benzin oder Diesel enthält und schon deshalb nicht so viel CO2 freisetzt. Außerdem kostet Erdgas nach wie vor nur die Hälfte von Benzin, weil der niedrige Steuersatz für Gas bis 2018 festgeschrieben ist. Dazu kommt, dass sich normale Benzinmotoren mit überschaubarem Aufwand für den Betrieb mit Erdgas umrüsten lassen. Man kann sie sogar mit dem chemisch ähnlichem Biogas auf Methan-Basis betreiben. Das setzt nur so viel CO2 frei, wie es die Pflanzen beim Wachstum aufgenommen haben. Das an den deutschen Tankstellen angebotene Erdgas enthält bereits 13 Prozent an Biogas, gewonnen aus Gülle, Mist und anderen Abfällen.
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Nach der Testfahrt auf einem Rundkurs mit 10 Prozent Stadt-, 40 Prozent Landstraßen- und 50 Prozent Autobahnbetrieb beträgt der Verbrauch genau 4,3 kg Erdgas pro 100 Kilometer. Das liegt zwar über dem Normwert von 2,9 kg. Dennoch unterbietet der kleine VW die Sprit-Kosten erheblich. Bei Erdgas betragen sie 4,12 Euro pro 100 Kilometer, beim Benziner mit einem Verbrauch von 6,2 Liter Super würden sie auf 9,90 Euro steigen. So hat der Besitzer eines VW Eco up! den höheren Anschaffungspreis zum Benziner mit 60 PS von etwa 1525 Euro nach 27.000 Kilometern wieder hereingefahren und dabei die Umwelt um 435 Kilogramm CO2 entlastet.
VW engagiert sich mit gutem Grund für Erdgas. Dank des geringeren CO2-Ausstoßes um 16 Gramm pro Kilometer sinkt mit jedem verkauften Eco up! der Verbrauch der gesamten Flotte. Und ehe die Elektroautos so richtig in Schwung kommen, könnten ihnen das Erdgas den Rang ablaufen.
Plus: Sehr niedrige Kraftstoffkosten, geringere Umweltbelastung, gute Endgeschwindigkeit, ausreichend Platz für vier Personen.
Minus: Hohes Gewicht, kleiner Kofferraum, Reichweite mit Erdgas nur knapp 300 Kilometer, mäßige Beschleunigung.
Quelle: mid
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