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Porsche 911 Carrera 4S

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Cool: Porsche Ice Force

07.03.2013, 15:49 Uhr | Christian Sauer , wanted.de

Porsche 911 Carrera 4S. Der neue Porsche 911 Carrera 4S mit Allradantrieb war auch mit von der Partie bei der "Porsche Ice Force" in Lappland. (Quelle: Hersteller)

Der neue Porsche 911 Carrera 4S mit Allradantrieb war auch mit von der Partie bei der "Porsche Ice Force" in Lappland. (Quelle: Hersteller)

Unser Autor und Testfahrer Christian Sauer musste sich warm anziehen, als er im hohen Norden Lapplands mit verschiedenen Modellen aus der Porsche-Flotte quer über einen zugefrorenen See driftete. In Finnland auch dabei – der neue 911 Carrera 4S mit Allradantrieb und 400 PS starkem Boxermotor.

Foto-Serie mit 31 Bildern

Ivalo, wo ist das denn? Der Blick auf die (digitale) Landkarte zeigt eine kleine Ortschaft nördlich des Polarkreises in Lappland. Von hier aus ist es weiter in die finnische Hauptstadt als zum Nordkap oder nach Russland. Es wäre eine sehr lange Anreise, die über 2500 Kilometer von Deutschland per Auto zu bestreiten. Doch auch mit dem Flieger brauchen wir mit zwei Zwischenstopps mehr als fünf Stunden. Auf dem verschlafenen Flughafen in Ivalo angekommen, scheinen die Uhren still zu stehen. Viel Betrieb ist hier nicht, allein die Verbindung von und nach Helsinki, sowie der sporadische Besuch von Privatmaschinen sorgen für etwas Abwechslung. Wer hier oben lebt, muss vor allem im Winter mit den wenigen Stunden Tageslicht und frostigen Temperaturen hart im Nehmen sein.

Die Teilnehmer der Porsche Driving Experience sollten auch keinen Erholungsurlaub erwarten, denn der nächste Morgen beginnt früh. Man sollte sich gut stärken, denn der Tag verspricht lang und anstrengend zu werden. Wenn schon nicht ausgeschlafen, >>

dann wenigstens halbwegs wach gilt es der Theoriestunde beim obligatorischen Fahrerbriefing um acht Uhr beizuwohnen. Neben den Erklärungen zur Sicherheit und zum Ablauf wird vor allem auf die Unterschiede zwischen Unter- und Übersteuern eingegangen. Gefühlvoller Einsatz von Gas und Bremse, Anpendeln und provozierte Lastwechsel, das sind die Geheimnisse für kontrollierte Drifts. Diese Kunst zu erlernen oder zu verfeinern ist der Grund, warum Interessenten aus aller Welt, die teils noch deutlich weiteren Wege aus Asien oder Amerika hierher in eine der entlegensten Regionen Europas auf sich nehmen. Porsche bietet an insgesamt zwei Locations in Finnland verschiedene Wintertrainings an, deren Level aufeinander aufbauen und mit "Ice-Force" ihren Höhepunkt feiern.

Neben einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm samt Schneemobiltour gilt es unter Anleitung erfahrener Instruktoren vor allem mit vier Rädern auf einem zugefrorenen See möglichst quer zu treiben. Spezielle Winterreifen mit bis zu 400 der teils fünf Millimeter langen Spikes sorgen dabei für Traktion und Vortrieb. >>

Aufgezogen sind die in Deutschland nicht zugelassenen Gummis auf insgesamt über 50 Fahrzeugen, die morgens blitzeblank geputzt in einer Halle nahe des Sees auf ihren Einsatz warten.

Dieser Anblick lässt Enthusiasten selbst bei noch so eisigen Temperaturen warm ums Herz werden. Fein aufgereiht hätten wir da zum einen den heckgetriebenen 911 Carrera sowie den Boxster S, dem wir ja bereits vor einiger Zeit auf deutschem Asphalt ausgesprochenes Spaß-Potential attestierten. Dazu gesellen sich diverse Allrad-Modelle, wie der Panamera GTS, der nagelneue 911 Carrera 4S und der noch auf der 997-Generation basierende 911 Turbo. Die anwesenden Porsche Cayenne sind nicht zum Selbstfahren, sondern werden als exklusive Abschleppwagen eingesetzt. Dass es sich nicht um einen Scherz oder Marketing-Gag handelt, sollten wir bald merken, denn Abflüge in den Tiefschnee gehören einfach dazu. Dennoch bleibt die Aufforderung, doch bitte auf den Strecken zu bleiben. Diese wurden vom renommierten Rennstreckendesigner Hermann Tilke in Deutschland entwickelt und per GPS-Daten vor Ort ausgefräst. Was er und sein Team hier in die finnische Provinz gezaubert haben, ist ansehnlich, wenn auch nicht auf den ersten Blick erkennbar. Die unterschiedlichen Rundkurse zitieren zum Teil die Layouts und einzelne Streckenabschnitte berühmter Kurse. Sogar an eine "Boxengasse" wurde gedacht – doch wo sind die Boxenluder? Die sucht man(n) vergebens, aber dafür weisen uns charmante Hostessen den Weg beispielsweise zur Verpflegungsstation mit heißen Getränken mitten auf dem gefrorenen See.

Ob uns die Eisschicht hält und wie tief das Wasser darunter wohl ist? Die Skepsis und Gedanken daran verschwinden schnell, schließlich heißt es jetzt genau hinhören, was unser Instruktor über das Funkgerät erklärt. Übung eins: Slalom mit dem 911 Carrera 4S, dem neusten Spross der 911er-Familie. Wie in sämtlichen bei dieser Driving Experience eingesetzten Fahrzeugen ist für die Kraftübertragung der 400 PS auf alle vier Räder ein automatisiertes Getriebe zuständig. In diesem Fall ist es das PDK-Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen. Doch mehr als die unteren drei Gänge brauchen wir sowieso nicht, denn hier auf Schnee und Eis geht es nicht primär um Höchstgeschwindigkeit auf den Geraden, sondern um  Instrukto´0die perfekte Kurventechnik.
ESP – bei Porsche PSM genannt – aus und los geht es. Mit Hilfe der Spikes kommt der 911er mit Allrad gut weg. Die auf Asphalt brennbaren 4,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h schaffen wir bei diesen Bedingungen natürlich nicht. Gut ausbalanciert und neutral geht es in Richtung der ersten Kurve. Da ermahnt uns die freundliche aber bestimmte Stimme unseres Instruktors, per kurzem Bremseinsatz provozierten Lastwechsel den Wagen anzustellen. Das hatten wir ja auch in der Theorie gelernt. Bis das Heck quer kommt, dauert es einen kurzen Moment, aber die Geduld lohnt sich. Nun sollte nicht hektisch aber reaktionsschnell mit viel Gefühl gegengelenkt werden. Wer zu schnell ist, kommt vom gewollten Übersteuern ins ungewollte Untersteuern und schiebt gnadenlos geradeaus. >>

Da hilft dann nur noch das Reduzieren der Geschwindigkeit per Bremse und Öffnen der Lenkung. Auf Kurs zu bleiben ist ein diffiziler Balanceakt auf schmalem Grad. Die wichtigste Regel bleibt dabei: Stets dahin schauen, wohin es gehen soll. Immer wieder schallt es aus dem Funkgerät "Gas, Gas, mehr Gas!" Das klingt zuerst paradox und für Novizen gehört etwas Überwindung dazu, aber mit zunehmender Sicherheit und Übung gelingen sehenswerte und vor allem kontrollierte Drifts.
Allerdings dauert es auch nicht lange, bis wir trotz beherzten Gegenlenkens vom rechten Weg abkommen und im Tiefschnee landen. Als hätte eine Lawine den Wagen überrollt, nimmt uns der Schnee jegliche Sicht. Da hilft nur noch ein Blick aus der Tür und der zeigt, wir haben aufgesetzt! Selbst wenn ein oder zwei Räder noch Grip hätten, kämen wir so nicht mehr raus. Ein Cayenne muss her! Auf dessen Hilfe müssen wir nicht lange warten. Über Funk alarmiert, werden mit bereits vorbereitetem Abschleppseil und wenn nötig, sogar zu zweit die Gestrandeten wieder auf die präparierte Strecke zurückgezogen. Die wird übrigens permanent vom lokalen "Schneemeister" glatt gezogen, während der teils orkanstarke Wind ständig wieder Schnee über das Eis treibt.
Aussteigen möchte man bei dem Sturm draußen nicht unbedingt, denn in unseren wohl-temperierten Testwagen mit Sitzheizung ist es kuschelig warm. Während es sich die Teilnehmer in der Mittagspause mit leckerem Essen am Kamin in einer luxuriösen Hütte gut gehen lassen, werden auch die Testwagen versorgt. Für ihre Verpflegung steht eine eigene kleine Tankstelle bereit. Kleinere Wehwehchen werden direkt in der wohl nördlichsten Porsche-Werkstatt weltweit behandelt. Größere Schäden oder Unfälle blieben in der mehrjährigen Geschichte der Driving-Events zum Glück bisher aus. Dann wollen wir auch nicht die Ersten sein. Das sich mit einem Sonnenuntergang zur Mittagszeit verabschiedende Tageslicht macht die Orientierung nicht einfacher. Was soll’s – dann fahren wir eben im Scheinwerferlicht weiter und lernen zunehmend die spürbaren Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen mit ihren unterschiedlichen Motor- und Antriebskonzepten kennen.
Mehr mit dem Drehmoment, statt mit der Drehzahl zu spielen, heißt es im Turbo. Der Boxster S verlangt dank Mittelmotor und weniger Gewicht dann sehr schnelle Reaktion und der Panamera mit seinen über zwei Tonnen will mit Nachdruck in den Drift gezwungen werden. Doch so heterogen die große Porsche-Flotte ist, alle zeigen sich von ihrer besten Seite – dem Fahrer meistens aus dem Seitenfenster. Und dann noch die Klangkulisse, die in der ansonsten absoluten Stille noch mehr auffällt. Gefühlt ist es bei der Dunkelheit am Nachmittag bereits tiefste Nacht, als die letzte Runde mit dem Panamera anbricht. Während bei den Teilnehmern langsam die Konzentration nachlässt, leiden die Fahrzeuge unter zunehmender Atemnot. Es wird wohl Zeit, Feierabend zu machen. Wie gut, dass im Hotel bereits die eigne Sauna in den Zimmern vorgewärmt wurde. Die Reise nach Finnland lohnt sich auf jeden Fall und sei allen PS-Liebhabern mit Benzin im Blut – ob mit oder ohne eigenen Porsche in der heimischen Garage – wärmstens ans Herz gelegt. 

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