23.02.2013, 11:17 Uhr | Timo Bürger, t-online.de
1994 begründete Toyota das Segment der kleinen Geländewagen. Die Bezeichnung SUV gab es noch nicht, also nannte man den damals nur 3,69 Meter langen Allradler RAV. Fast zwei Jahrzehnte später ist aus dem Geländewagen ein SUV geworden, das fast einen Meter länger ist als der Urahn. Wir haben uns den neuen Toyota RAV4 genauer angeschaut - und mussten feststellen, dass die Bezeichnung RAV immer noch gut passt.
Der etwas sperrige Name RAV4 steht für "4-Wheel Recreational Active Vehicle" - also etwa "Aktives Erholungsfahrzeug mit Allradantrieb". Und in der Tat: Der RAV4 ist wirklich eher ein Vertreter der gemütlichen Art als ein Sportler.
Besonders deutlich wird das bei der ersten Testfahrt mit dem 150-PS-Benziner mit Allradantrieb. Das Aggregat müht sich mit der Kraft von 195 Newtonmetern, den knapp 1600 Kilo schweren Wagen auf Touren zu bringen. Besonders sparsam ist der nicht. Mit knapp zehn Litern Verbrauch müssen RAV4-Fans rechnen. Strömungsungünstiges SUV und Benzinmotor passen nur selten zusammen.
Bessere aerodynamische Eigenschaften und ein geringerer Kraftstoffverbrauch zeichnen den Japaner aus. zum Video
Die deutlich bessere Wahl ist der neue Zweiliter-Turbo-Diesel (leider aber noch nicht Euro-6-tauglich). 124 PS und 310 Newtonmeter Drehmoment sind eine angemessene Motorisierung. Erfreulich: Mit genügsamen 5,5 Litern haben wird im RAV4 viele Steigungen bezwungen. Bei alledem geht der Diesel auch nicht allzu akustisch aufdringlich zu Werke.
Ein Lob verdient die Sechsgang-Schaltung. Die Gänge flutschen exakt in die Gassen, die Schaltwege sind kurz. So kommt das SUV doch noch auf Trab. Der Wagen lässt sich leicht und direkt steuern, auch in Kurven lässt er sich dank des neuen Fahrdynamik-Managements präzise dirigieren. Überraschend ist der für einen Wagen dieses Ausmaßes recht geringe Wendekreis: Mit 10,6 Metern lässt sich der Japaner selbst auf engen Straßen verhältnismäßig leicht wenden.
2012 haben die Japaner 9,75 Millionen Autos verkauft. Es folgen General Motors und Volkswagen. zum Video
Motor | 2,0 Valvematic 4WD | 2,0 D | 2,0 D-4D |
Leistung | 151 PS | 124 PS | 150 PS |
Drehmoment | 195 Nm | 310 Nm | 340 Nm |
Beschleunigung | 9,9 s | 10,5 s | 9,6 s |
Höchstgeschwindigkeit | 185 km/h | 180 km/h | 190 km/h |
Verbrauch | 7,2 l | 4,9 l | 5,7 l |
Testverbrauch | 9,7 l | 5,5 l | - |
CO2 | 167 g/km | 127 g/km | 147 g/km |
Preis | ab 27.750 € | ab 26.650 € | ab 31.850 € |
Im Innenraum hat sich Toyota richtig Mühe gegeben: Die Materialien sind ohne Tadel, fassen sich angenehm an, wirken optisch erfrischend - hier gibt es nichts zu nörgeln. Allerdings bedarf es etwas Eingewöhnungszeit, die diversen Tasten zu finden: Sitzheizung/USB-Slot/Sport-Modus befinden sich schlecht erreichbar in der Mittelkonsole. Ebenso schlecht erreichbar und erkennbar ist der Totwinkelwarner links unterhalb des Lenkrades. Wiederum rechts unterhalb des Lenkrades ist die Bergabfahrkontrolle. Erst nach einem Blick in die Bedienungsanleitung konnten wir den piepsenden Spurhalteassistenten (der auf engen Bergkehren im Dauereinsatz ist) deaktivieren.
In Sachen Platzverhältnisse macht der RAV4 seine Sache wieder gut: Hinten wie vorne sitzen selbst groß gewachsene Personen bequem - auch dank eines langen Radstandes von 2,66 Metern. Da stört keine Säule, nicht der Sitz des Vordermannes. Die Rücksitze lassen sich dank Easy-Flat-System leicht und eben umlegen - so entsteht ein Volumen von über 1800 Litern.
Apropos Platz - von einem weiteren Merkmal des RAV4 müssen sich Toyota-Freunde verabschieden: Die Heckklappe ist nun nicht mehr seitlich angeschlagen, sondern öffnet nach oben. Das ist aber nicht unpraktischer. Der Deckel klappt hoch genug und auf Wunsch elektrisch (der Winkel lässt sich per Memory-Funktion einstellen), die Ladekante ist niedrig - prima so.
Nein, ein kernig-kurzer Geländewagen wie vor 20 Jahren ist der RAV4 nicht mehr. Stattdessen bietet Toyota nun ein SUV an, das mit großzügigem Platzangebot, Handlichkeit und guten Fahreigenschaften überzeugt. Wer sich für den Wagen entscheidet, wird wohl eher mit den Dieselantrieben glücklich werden.
P.S.: Die Taste für den Spurhalteassistenten befindet sich - da wären wir nie drauf gekommen - im schlitzartigen Display oberhalb des Touchscreen-Moduls ganz rechts.
Quelle: Timo Bürger, t-online.de
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