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Porsche 911 Turbo S: Fahrbericht

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Turbo-Tracktest: Porsche 911 Turbo S

09.09.2013, 12:31 Uhr | Christian Sauer, wanted.de

Porsche 911 Turbo S: Fahrbericht. Porsche 911 Turbo: Mit Walter Röhrl auf der Rennstrecke. (Quelle: Hersteller)

Porsche 911 Turbo: Mit Walter Röhrl auf der Rennstrecke. (Quelle: Hersteller)

Mit dem Porsche 911 auf die Rennstrecke – gern – am besten mit dem GT3. Doch wie sieht es mit dem neuen Turbo aus? Unser Autotester Christian Sauer wollte es wissen und schnappte sich als Verstärkung Rennfahrer-Legende Walter Röhrl!

Foto-Serie mit 14 Bildern

„Ich fahre heute das erste Mal mit einem modernen Wagen hier auf der fertigen Strecke.“ versucht Walter Röhrl, der bereits einige Wochen zuvor mit einem Oldtimer seine Premierenfahrt auf dem Bilster Berg absolvierte, die Erwartungen an schnelle Runden herunter zu schrauben. Dabei kennt kaum jemand die 4,2 km lange Test- und Präsentations-Strecke besser als er. Kein Wunder, schließlich war der zweifache Rallyeweltmeister und Porsche-Testfahrer als Berater in die Konzeption des „Drive Resorts“ eingebunden.

Für viele Fans und Experten ist er einer der besten Rennfahrer aller Zeiten und der inzwischen 66-Jährige scheint es nicht lassen zu können: „Derzeit stimme ich gerade den 918 auf der Nordschleife ab.“ Dem 911 Turbo hat er als Prototypen natürlich auch seinen Feinschliff verpasst. „Vom Auto bin ich begeistert. Ich hatte in den letzten zwei Jahren immer wieder die Gelegenheit, den Stand der Entwicklung zu verfolgen.“ Auf die Frage, was ihm mehr Spaß macht, automobile Klassiker oder moderne Hochleistungs-Sportwagen wie der 911 Turbo, grinst Walter verschmitzt: „Mehr und mehr die Alten. >>

Die modernen Wagen werden immer perfekter, da muss man richtig Gas geben, um Spaß zu haben.“ Und was er unter „Spaß“ versteht, sollte sich wenige Momente später zeigen.

Während der „Lange“ mit seinen 1,96 Meter im geräumigen Cockpit Platz nimmt und sich entspannt seinen „Arbeitsplatz“ mit den vielfach verstellbaren Sportsitzen einrichtet, werfen wir einen Blick auf das Datenblatt.

Tolle Features serienmäßig

Das Topmodell mit dem „S“ verfügt im Vergleich zum „normalen“ Turbo nicht nur über noch mehr Leistung (560 statt 520 PS und 750 statt 710 Nm maximales Drehmoment), sondern bereits serienmäßig über Features, die ansonsten extra bezahlt werden müssen. Dazu gehören beispielsweise die Voll-LED-Scheinwerfer, der aktive Wankausgleich, das Sport Chrono Paket sowie 20-Zöller mit Zentralverschluss und Keramikbremsen dahinter, die allein über 9000 Euro Aufpreis kosten.

Die Liste ließe sich weiter fortsetzen, doch all diese Entwicklungen dienen nur einem Zweck: Steigerung der Performance. Apropos „Performance“ – so nennt Porsche den Modus der adaptiven Aerodynamik, die dem neuen Turbo noch besser als schon bisher in Kurven kleben lässt.

Dafür fährt der charakteristische Heckspoiler noch ein Stück weiter aus als im Speed-Modus auf der Autobahn und stellt sich zudem steiler in den Fahrtwind. Doch die eigentliche Innovation wartet am Bug: Dank mehr Bodenfreiheit bietet der Supersportwagen eine noch bessere Alltagstauglichkeit. Wenn es darauf ankommt, fährt auf Knopfdruck oder automatisch ab Tempo 120 pneumatisch ein mehrteiliger Frontspoiler aus. Inzwischen hat Walter Röhrl den 3,8 Liter großen Boxermotor mit Bi-Turbo-Aufladung warm laufen lassen. Mit der Launch-Control des obligatorischen 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes wären jetzt lediglich 3,1 Sekunden für den Standardsprint auf 100 km/h möglich, aber der bayrische Routinier lässt es erst mal langsamer angehen. Doch Walter Röhrl wäre nicht Walter Röhrl, wenn er nicht versuchen würde, irgendwo noch das Quäntchen mehr Geschwindigkeit rauszuholen.

„Lieber langsam rein und schnell raus"

Einzige Ausnahme ist die inzwischen schon berühmt berüchtigte Mausefalle, die spektakuläre Kurve mit über 20 Prozent Gefälle und Steigung: „Lieber langsam rein und schnell raus – das ist das bessere Konzept“ empfiehlt der Altmeister. „Das Auto ist unwahrscheinlich gutmütig. Bei der vielen Kraft erfordert es normalerweise ein ganz feinfühliges Verhalten, aber durch den Vierrad ist das Auto hier so gutmütig, unglaublich. Der neue Turbo hat meine Erwartungen noch übertroffen!“ Gerade über die tückischen Kuppen spielt der neu entwickelte Allradantrieb in Verbindung mit der ebenfalls neuen Aktiven Hinterachslenkung seine Traktions-Vorteile aus. Von Untersteuern ist zumindest während den schnellen Runden mit Walter Röhrl keine Spur. Übermotivierten Amateuren rettet das bei Porsche PSM genannte ESP bei fahrlässigen Lastwechseln vorm Abflug mit dem 1,6-Tonnen-Geschoss.

Während Walter Röhrl den 911 Turbo S mit Fingerspitzen um die Kurven zirkelt und der Boxer im Heck kraftvoll röhrt, möchten wir die Unterschiede zum 911 GT3 samt 475-Sauger-PS erfahren: „Sicherlich würde man das geringere Gewicht (1.430 kg) merken. Der GT3 ist schwieriger zu fahren – da gibt es keine Diskussionen – aber letztlich in der Hand eines Könners wär´ er schneller.“ Noch schneller?

Unterschied zu anderen Supersportwagen

Am Ende der Geraden haben wir im Turbo rund 230 km/h drauf „Ich hätte auch noch später bremsen können, aber wollte das Auto etwas schonen.“ Das wäre doch gar nicht nötig gewesen, schließlich sind nicht nur die Carbon-Keramik-Bremsen auf höchste Beanspruchungen ausgelegt, ohne die erstaunliche Alltagstauglichkeit einzuschränken. Darin unterscheidet sich der Turbo seit Generationen von anderen Supersportwagen mit ähnlich beeindruckenden Fahrleistungen. Mit unter 200.000 Euro ist er dabei fast ein „Schnäppchen“ und so bleibt sicher auch noch etwas Kleingeld für die ein oder andere „Fahrstunde“ auf dem Bilster Berg übrig. Wir danken Walter Röhrl für dieses unvergessliche Erlebnis!

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