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Howard Hughes - Die Geschichte eines Fliegers

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Howard Hughes - die Geschichte eines Fliegers

15.11.2013, 09:27 Uhr | Ulrich Feld, wanted.de

Howard Hughes - Die Geschichte eines Fliegers. Howard Hughes im Cockpit seiner "Spruce Goose". (Quelle: dpa)

Howard Hughes im Cockpit seiner "Spruce Goose". (Quelle: dpa)

Ein ungeheurer Menschenauflauf hat sich am 2. November 1947, einem Sonntag, am Hafen von Long Beach in Kalifornien versammelt. Ganze Armeen von Reportern haben die Kameras gezückt.  Die Zutaten für das Spektakel, das sie erwarten, sind vom Feinsten. Es geht nicht nur um einen der berühmtesten und reichsten Männer Amerikas - Howard Hughes – sondern auch um das größte Flugzeug der Welt.

Foto-Serie mit 9 Bildern

Jubelnde Menschenmengen sind für Hughes nichts Neues: Der Multimillionär ist zu dieser Zeit in Amerika längst ein Nationalheld. Etwas mehr als neun Jahre zuvor, im Juli 1938, hatte Hughes mit dem bis dahin schnellsten Flug um die Welt in 91 Stunden einen spektakulären Rekord aufgestellt.

Triumphzug über den Broadway

Die Stadt New York bereitete Hughes einen rauschenden Empfang, er wurde im offenen Straßenkreuzer in einem Triumphzug über den Broadway gefahren. In den von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise heftig gebeutelten USA der späten dreißiger Jahre gab sein Rekord den Menschen wieder ein lange vermisstes Gefühl von Freude und Stolz zurück. Seitdem identifizierte sich Amerika mit ihm. Während des Zweiten Weltkrieges hatte Hughes dann die Vision, ein gigantisches Flugboot zum Transport von Waffen und Truppen nach Europa zu bauen.

Es sollte 750 Soldaten mitsamt voller Ausrüstung transportieren können. Das als Hughes H-4 Hercules bezeichnete Flugzeug ging als größtes derartiges Flugboot und zudem als Flugzeug mit der größten Flügelspannweite in die Geschichte ein: Sie betrug 97,51 Meter. Das Leergewicht lag bei 122 Tonnen. Zum Vergleich: Ein Boeing Jumbojet wiegt leer 180 Tonnen.

Doch der aufgrund seiner Holzbauweise (Metall ist kriegswichtig), Spruce Goose (Fichtengans) genannte Flieger, bringt Hughes nach dem Krieg in Bedrängnis. Er hatte 18 Millionen Dollar an Regierungsgeldern für dieses Projekt bekommen.

Anhörung vor dem Kongress

Die Maschine ist aber viel zu schwer und kommt niemals zum Einsatz, obwohl Hughes eigenen Angaben zufolge weitere 7,2 Millionen Dollar in das Projekt investiert hatte. Ihre Flugfähigkeit wird bezweifelt, Hughes muss sich vor dem Kongress rechtfertigen. Auch andere Rüstungsprojekte von Hughes, die von der US-Regierung

mit Millionenaufwand unterstützt worden sind, wurden niemals fertig. Noch dazu war Hughes mit dem von ihm konzipierten Aufklärungsflugzeug XF-11 während eines Probeflugs am 7. Juli 1946 mitten in einer Wohnsiedlung in Beverly Hills abgestürzt. Er zerstörte dabei drei Häuser, Bewohner wurden wie durch ein Wunder nicht verletzt. Er selbst kommt jedoch nicht so gut davon und erleidet schwere Knochenbrücke und Verbrennungen. Von diesem Unfall sollte er sich nie ganz erholen.

Hughes geht es um die Ehre

An diesem 2. November 1947 merkt man ihm aber wohl nur seine Nervosität an. Für Hughes geht es um seine Ehre. Er möchte beweisen, dass seine Spruce Goose flugfähig ist. Zunächst dreht er mit einigen Reportern an Bord zwei Runden durch den Hafen. Doch dann, um genau 13:30 Uhr, gibt er mit den acht Motoren vom Typ Pratt & Whitney R-4360 Vollgas und hebt ohne Vorwarnung ab. Lange dauert der Flug nicht: Nach rund einer Meile oder 1,6 Kilometern setzt die Spruce Goose wieder auf dem Wasser auf. Sie fliegt bis zu 217 km/h schnell. Die Maschine bleibt dabei im Bereich des so genannten Bodeneffekts (Auftrieb durch anströmende Luft), weswegen ihre echte Flugfähigkeit bis heute angezweifelt wird. Doch Hughes ist der moralische Sieger des Tages. Seine Spannung entlädt sich in Jubel, er jauchzt wie ein kleines Kind. Die Zeitungen haben ihre Schlagzeile: "Sie fliegt" heißt es überall in den USA.

Nach dem Flug lässt Hughes das Megaflugzeug in einem riesigen Hangar einmotten. Nicht weniger als 300 Mann sind damit beschäftigt, den gigantischen Vogel ständig in Bestzustand zu halten – eine Marotte, die Hughes rund eine Million Dollar jährlich kostet. Aber das stört höchstens die Buchhalter, die für Hughes arbeiten. Die Zuschauer am 2. November 1947 sind über das Gebotene begeistert.

Produzent und Regisseur in Hollywood

Flugzeuge und Geschwindigkeitsrekorde sind für Howard Hughes eine lebenslange Passion, ja Besessenheit. 1935 fliegt er mit 566 km/h einen Temporekord für Landflugzeuge. Im Januar 1936 stellt er mit einer Flugzeit von knapp neuneinhalb Stunden für die rund 4400 Kilometer von Burbank in Kalifornien nach Newark in New Jersey einen Rekord für den schnellsten Transamerika-Flug auf. Im Jahr darauf verbessert er seinen eigenen Rekord um fast zwei Stunden. Die Voraussetzungen für diese Leistungen sind Hughes in die Wiege gelegt: 1905 als Sohn eines erfolgreichen Erfinders und Geschäftsmannes geboren, absolviert er ein Studium der Mathematik und Ingenieurswissenschaften. Nach dem Tod seines Vaters erbt er ein Vermögen und geht als Produzent und Regisseur nach Hollywood.

Der Streifen, mit dem er 1930 erstmals Geschichte macht, ist ein Fliegerfilm: "Höllenflieger" ("Hell’s Angels") kostet mit vier Millionen Dollar so viel wie der Stummfilm "Ben Hur" von 1925, spielt seine enormen Kosten aber doppelt wieder ein. Bei den Dreharbeiten passieren schwere Unfälle, die drei Piloten und einem Mechaniker das Leben kosten. Hughes steigt für die Flugszenen des Films sogar selbst ins Flugzeug und riskiert dabei buchstäblich Kopf und Kragen: Bei einem weiteren Unfall erleidet er einen Schädelbasisbruch. Doch auch das kann seine Flugleidenschaft nicht bremsen: 1932 gründet er die Hughes Aircraft Company für die Entwicklung von Flugzeugen und später auch Raumfahrzeugen. Und Hughes ist als Geschäftsmann alles andere als ein reich geborener Dilettant: Ein halbes Jahrhundert später sollte diese Firma 80.000 Menschen beschäftigen. Als General Motors die Firma im Jahr 1985 kauft, ist sie 5,2 Milliarden Dollar wert.

Exzentrisches Verhalten nimmt zu

Ihr Gründer sollte diesen Erfolg nicht mehr erleben. Gegen Ende der vierziger Jahre nimmt sein zuvor exzentrisches Verhalten massiv zu. Es heißt, Hughes würde sich nur von Brathuhn und Schokolade, Milch und Eiscreme ernähren, alle Gegenstände aus Furcht vor Bakterien nur noch mit Tüchern anfassen und dabei wochenlang weder baden noch seine Haare oder Nägel schneiden. Ist Hughes nach dem Unfall mit der XF-11 abhängig von Schmerzmitteln geworden? Über seinen Geisteszustand wird bis heute spekuliert. Als Geschäftsmann bleibt Hughes aber noch lange aktiv und erfolgreich. 1948 übernimmt er die Kontrolle über das Hollywood-Studio RKO. Dort produziert er unter anderem den Film, der bis an sein Lebensende sein Lieblingsfilm bleiben sollte - "Jet Pilot" ("Düsenjäger") mit seinem engen Freund John Wayne in der männlichen Hauptrolle. Seine Manie, immer spektakulärere Flugszenen in die Filmhandlung einzubauen, sorgt für eine Produktionszeit von acht Jahren. Der Dreh beginnt Ende 1949, aber erst 1957 kommt der Film in die Kinos. Zu dieser Zeit hat sich Hughes schon weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In den dreißiger Jahren hatte er Affären mit Hollywood-Stars wie Katherine Hephurn oder Ava Gardner, aber eine Schauspielerin bringt es wohl am besten auf den Punkt: "Ich glaube nicht, dass Howard etwas lieben kann, was keinen Motor in sich trägt". Seine letzten beiden Jahrzehnte verbringt Hughes vor allem in Hotelzimmern und lässt sich dabei von einer Leibgarde aus Mormonen betreuen. Von dem einst so glamourösen und sportlichen Milliardär ist am Ende nichts mehr übrig. Hughes stirbt am 5. April 1976 bis zum Skelett abgemagert in einem Flugzeug über Texas auf dem Weg von Acapulco nach Houston an Nierenversagen.

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