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McLaren 650 S Spider im Test

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Gut gefedertes Geschoss

04.04.2014, 09:57 Uhr | press-inform/Marcel Sommer, wanted.de

McLaren 650 S Spider im Test. Der neue McLaren 650 S Spider macht selbst Ferrari & Co. Konkurrenz. (Quelle: Hersteller)

Der neue McLaren 650 S Spider macht selbst Ferrari & Co. Konkurrenz. (Quelle: Hersteller)

Der McLaren 650S Spider zeigt, dass ein Supersportwagen nicht zwangsläufig einen gesunden Rücken voraussetzt. Trotz alltagstauglichem Federungskomfort ist er auf der Rennstrecke zu Hause.

Ingenieure eines Supersportwagens stehen oft vor einem Problem: Ist er zu sportlich, sprich zu hart gefedert, kaufen ihn nur ambitionierte Rennfahrer. Ist er zu sanft gefedert, fallen genau diese Kunden aus dem Raster. Was tun? Die Lösung in Form der automobilen eierlegenden Wollmilchsau in puncto Komfort haben nun die Ingenieure aus dem Hause McLaren mit dem 650S und der Cabrioversion, dem 650S Spider aus dem Köcher gezaubert.

Perfekt verarbeiteter Bolide

Die Türen gleiten im Lamborghini-Stil nach vorn-oben weg und geben den Blick ins edle und gut verarbeitete Innere preis. Der Modell-Name 650S lässt indes erahnen, dass er in irgendeiner Weise etwas mit der Leistung des Briten gemein hat – und dem ist natürlich auch so: Stolze 650 PS holt der ab 255.000 Euro teure McLaren aus seinem 3,8 Liter großen V8-Doppelturbo-Mittelmotor heraus.

Beim Blick auf das mit Karbonteilen verzierte Alcantara-Lenkrad lachen einen die beiden Schaltpedale an. Wilde 678 Newtonmeter werden mit ihnen oder per Automatik innerhalb des Sieben-Gang-Getriebes ausschließlich an die mit 30,5 Zentimeter breiten und 20 Zoll großen Walzen von Hinterrädern geleitet. Eine Kombination, die normalerweise nach einem sensiblen Gasfuß schreien müsste.

Elektronischer Schutzengel

Doch wird mit dem in der Mittelkonsole installierten Drehknopf nicht nur die Federung, sondern zeitgleich der Wirkungsgrad der Traktionskontrolle in drei Stufen geregelt. Und die erfüllt ihren Job mit Bravour. Ganz zu deaktivieren ist sie jedoch nicht, so dass sie auch im Rennstreckentrimm vom Fahrer nahezu unbemerkt das eine oder andere Mal als Schutzengel fungiert. Einen letzten Rettungsanker hat der McLaren 650S Spider aber noch zur Hand, den Heckspoiler, beziehungsweise die Airbrake. Sie stellt sich beim starken Abbremsen auf und sorgt somit für eine noch bessere Verzögerung.

Waschechte F1-Technik

Dass die Ingenieursbüros der Automobil- und der Formel1-Abteilung bei McLaren mit knapp zehn Metern nicht nur räumlich, sondern auch technisch sehr nah zusammenarbeiten, zeigt sich an einer weiteren Funktion des Heckspoilers. Beim starken Beschleunigen fährt er, ähnlich dem DRS aus der Formel 1, von selbst wieder ein, um den Luftwiderstand zu vermindern. Ein weiteres Detail aus der Königsklasse des Motorsports, das dort noch vor seiner Einführung wieder verboten wurde, ist das Brake Steer, bei dem das kurveninnere Hinterrad bei hohen Kurvengeschwindigkeiten abgebremst wird, um das Untersteuern des Fahrzeugs zu verhindern. Zusammen mit der sehr präzisen Lenkung, dem perfekt arbeitenden Getriebe und der brachialen Leistung, die deutlich wahrnehmbar aus dem Heck posaunt wird, steht einem Ausflug mit der Garantie zum Dauergrinsen nichts mehr im Wege.

Wer sich noch 15 Sekunden Zeit nimmt kann per Knopfdruck und bis Tempo 30 das Hardtopdach einfahren. Damit auch bei schlechtem Wetter und bei geschlossenem Dach der brutale Motorenklang ungefiltert ins Innere eindringen kann, lässt sich ebenfalls durch Knopfdruck das gläserne Windschott herunterfahren.

Der Interieur-Orkan

Ab einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde, die innerhalb von 3,0 Sekunden auf dem digitalen Tacho erscheint, bricht im offenen Innenraum ein Orkan los. Das schlichte Hochfahren der Seitenscheiben hilft – jedoch wird es ab Tempo 200, das nach weiteren 5,6 Sekunden anliegt auch dann etwas windiger ums Haupthaar. Nach insgesamt 26,5 Sekunden, wenn im Display die magische 300 aufleuchtet, ist auch die perfekteste Frisur hinüber. Die Höchstgeschwindigkeit von 329 Kilometern pro Stunde ist daher nur Freunden von Kurzhaarfrisuren zu empfehlen – oder Fahrern, die auf fluchende Frauen auf dem Beifahrersitz stehen. Ein Gutes hat der Interieur-Orkan: Zu hören ist nur der Wind.

Hoher Komfort trotz Mega-Power Ganz anders sieht es da bei der gemütlichen Fahrt über Landstraßen aus, die ihre besseren Tage bereits lange hinter sich haben. Unebenheiten bügelt der McLaren 650S Spider überraschend gut weg, so dass beim Cruisen der schlafende PS-Teufel im Heck schnell in Vergessenheit gerät. Wie schnell dieser sich in die Wahrnehmung zurückholen lässt, wird beim manuellen Gangwechsel vor einem Überholmanöver klar. Allein das Herunterschalten vom siebten in den zweiten Gang warnt den Vorausfahrenden ausreichend vor. Dann heißt es Blinker setzen und Vollgas. Einen Wimpernschlag später zeigt der Tacho 150 Sachen an und der Trecker ist im Rückspiegel verschwunden. An der Tankstelle braucht der 4,51 Meter lange, 2,09 Meter breite und 1,20 Meter flache McLaren 650S Spider, dann allerdings selbst nach defensiv gefahrenen 100 Kilometern stolze 11,7 Liter Super. Aha-Moment macht selbst Ferrari & Co. Konkurrenz

Ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten ist die Launch-Control: Was für den Fahrer ein einfacher Knopfdruck und die Koordinierung seiner beiden Füße ist, kommt für die Umherstehenden einem unvergesslichen Glücksmoment gleich. Die Bremsleuchten glühen auf, es brodelt aus dem kantigen McLaren-Heck und alles im 1370 Kilogramm schweren Briten scheint sich anzuspannen. Mit dem Erlöschen der Bremslichter macht er einen Satz vorwärts. Doch bei diesem einen Aha-Moment bleibt es im Verlauf einer langen Beschleunigungsfahrt nicht. hat sogar eigenen Namen: Inertia Push. Bei jedem Schaltvorgang wird aufgebaute kinetische Energie für einen Drehmomentimpuls genutzt, der wiederum zu diesem imaginären Satz führt. Wer sich im neuen McLaren 650S Spider einmal unter Volllast durch die ganze Klaviatur des Getriebes gewagt hat, weiß, dass Ferrari und Co. nichts mehr zu lachen haben.

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