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Rolls Royce: Silver Seraph trifft Ghost

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Rolls Royce: Silver Seraph trifft Ghost

05.05.2014, 15:51 Uhr | Patrick Broich/SP-X, wanted.de

Rolls Royce: Silver Seraph trifft Ghost. Der Rolls-Royce Ghost ist der legitime Nachfolger des Silver Seraph. (Quelle: Hersteller)

Der Rolls-Royce Ghost ist der legitime Nachfolger des Silver Seraph. (Quelle: Hersteller)

Der Rolls-Royce Silver Seraph war erst das zweite Modell der Marke mit V12-Motor und sogar die erste mit einem Zwölfzylinder ausgestattete "kleine" Baureihe. 15 Jahre nach seinem Debüt wird es Zeit für eine Begegnung mit dem aktuellen Ghost, dem legitimen Seraph-Nachfolger – ebenfalls mit zwölf Zylindern.

Das Jahr 1998 darf wohl als das Jahr der größten Einschnitte für Rolls-Royce angesehen werden. Erstens tobte um die Traditionsfirma ein erbitterter Bieterstreit zwischen BMW und VW, aus dem Volkswagen zunächst als Gewinner hervorging, und zweitens kam nach langen 18 Jahren mit einem Paukenschlag wieder ein brandneues Modell auf den Markt: der Silver Seraph.

Seraph-Motor kam von BMW

Der Zwölfzylindermotor ist der 5,4 Liter große Zweiventiler aus dem Siebener-BMW der Baureihe E38, den die Ingenieure damals unverändert mit gleicher Leistung von 326 PS samt ZF-Fünfgangautomatik in die 2,3 Tonnen schwere Karosse pflanzten. Spätestens jetzt hätte der Traditionalist aufschreien müssen, angesichts des zwischenzeitlichen Endes seines geliebten 6 3/4-V8. Und dann wurde er auch noch durch ein profanes BMW-Triebwerk ersetzt, das nicht einmal für den Einsatz im damals 444.000 Mark teuren Silver Seraph angepasst wurde.

Zeitsprung: 15 Jahre später präsentiert sich Rolls-Royce fit und kraftstrotzend wie selten zuvor. Ghost heißt nun der aktuelle Einsteiger und trägt ebenfalls einen V12 unter der wuchtigen Motorhaube. Inzwischen sind es 6,6 Liter Hubraum, und dank zweier Turbolader pumpt das seidig laufende Triebwerk 570 PS in den Antriebsstrang.

Fast ein Schnäppchen

Wieder einmal ist der Siebener der Aggregatespender. Auch die Automatik kommt von ZF, diesmal aber mit acht Gängen. Doch ganz so einfach wie früher ist die Kundschaft der britischen Luxusliner heute nicht mehr zufriedenzustellen: mehr Punch und Volumen müssen schon sein bei der ausladenden Limousine, die zwar fast doppelt so stark, aber mit rund 265.000 Euro nominell nur wenig teurer geworden ist. Sammler klassischer Autos dagegen finden dagegen einen Silver Seraph für um die 55.000 Euro, etwa bei Auto Wulfing in Lohne. Höchste Zeit also, für eine Begegnung der beiden Superstars in der Komfort-Klasse.

Bevor man in den Seraph steigt, sollte man sich die damalige Situation von Rolls-Royce vor Augen führen. Für Hightech-Einlagen fehlte schlicht das Geld im Entwicklungsbudget, die Käufer mussten den Mehrwert dieser Fahrzeuge in erster Linie in ihrer Exklusivität suchen. BMW, bereits seit Ende der Achtziger kooperativ verbandelt mit der Rolls-Royce-Triebwerksparte, leistete maßgebliche Entwicklungshilfe, um den Seraph auf die Räder zu stellen. Nicht nur Motor und Getriebe entstammten der bayerischen Ingenieur-Schmiede, auch große Teile des technischen Innenlebens, weitere Komponenten und viel Abstimmungsarbeit gehen auf das Konto der Münchener.

Kein Drehzahlmesser im Seraph

So mancher Schönheitsfehler ziert den indessen wunderschön gezeichneten Briten, der im Gegensatz zum Ghost noch in Crewe vom Band lief. So ist die Karosserie nicht sonderlich verwindungssteif, und die Polster hinterlassen deutlich vernehmbare Knarzgeräusche. Augen zu, wenn der Zwölfender des reifenden Gleiters die Arbeit aufnimmt: Akustisch könnte es auch ein 750i aus der gleichen Zeit sein. Doch es gibt in guter Tradition keinen Drehzahlmesser (undenkbar bei BMW), und die Leistungsangabe würde vermutlich noch heute unterschlagen, hätte nicht auch das Marketing ein ernstes Wörtchen mitzureden.

Apropos Tradition: früher Crewe, seit 2002 Goodwood. Als Volkswagen und nicht BMW 1998 den Zuschlag für Rolls-Royce erhielt, fehlte dem Wolfsburger Konzern eine Kleinigkeit, nämlich das Markenrecht. Das hatte sich BMW bereits gesichert; die beiden Autokonzerne einigten sich auf eine Trennung von Bentley und Rolls-Royce (die beiden Labels gehörten seit 1931 zusammen) – Bentley baute in Crewe weiter, BMW errichtete ein komplett neues Werk in Goodwood. Dort entsteht heute auch der bis auf einen einzigen Zentimeter ebenso lange Ghost als Nachfolger des Silver Seraph. >>

Der heutige Ghost ist eine Art Multifunktionswaffe – bombastisch in der Beschleunigung und dabei äußerst komfortabel. Auf der schnellen Piste nimmt er es ohne Probleme mit einem 911 Carrera auf, aber ab 250 Sachen wird unerbittlich eingebremst. Mehr muss auch nicht. Beim Fahrwerk stehen die Zeichen ganz auf Samtpfote. Wenige Autos rollen so sämig über die härtesten Bodenwellen.

Dafür muss man im Parkhaus schon vorsichtig agieren, die Abmessungen erfordern Konzentration. Und wo ein Siebener einen Hauch von Dynamik vermittelt, sendet der Ghost die Botschaft "schwerer Wagen". Ein Chauffeur-Auto ist er aber trotzdem nicht, dazu macht die aktive Fortbewegung mit dem Briten zu viel Spaß. Wenn das Powermeter maximal ausschlägt, landen die Passagiere tief in den weichen, ledernen Sesseln und genießen, wenn sich die versenkbare Spirit of Ecstasy gen Horizont streckt.

Charaktertypen

Tradition trifft dabei Moderne – es gibt die legendären Lammwoll-Teppiche auch im neuesten Rolls-Royce, es gibt aber auch aktuelle Assistenzsysteme wie Spurhalte-Warner oder Head-up-Display, doch das nur nebenbei. Wer bisher mit seiner Kaufentscheidung zugunsten des Ghost noch zögern sollte - nur Mut. Die stattliche Limousine ist in der Praxis weniger auffällig, als mancher vermutet. So extrovertiert wie andere Kaliber dieser Preisklasse à la Ferrari oder Lamborghini ist der Engländer schon wegen der fehlenden Akustik nicht. Ghost im Alltag ist also auch für scheue Menschen kein Problem. Reich sollte man allerdings schon sein. Nur wenn Seraph und Ghost im Doppelpack auftreten, ist der Showeffekt garantiert. In Sachen Hingucker-Faktor kann es der 15 Jahre ältere Markengenosse übrigens locker mit dem aktuellen Jahrgang aufnehmen. So säuseln die beiden Riesenlimousinen dahin, und wenn die Drehzahl auch steigt – die Stimme bleibt stets zurückhaltend. Ein bisschen Knarzen beim Seraph - okay, das Auto hatte schließlich eine bewegte und bewegende Zeit. Mit über 35 Sekunden auf 200 km/h laut zeitgenössischer Messungen einschlägiger Fachmedien ist der Seraph übrigens ähnlich dynamisch wie heutige Mittelklasse-Limousinen mit etwa 170 PS. Doch damit dürfte man die Fans klassischer Rolls-Royce kaum schockieren, der Silver Seraph ist auch mit gemächlicher Beschleunigung und wenig traditionsreichem BMW-Zwölfzylinder ein echter Charaktertyp – vielleicht sogar gerade deshalb. Wie es dem Ghost ergehen wird, erfahren wir dann in 15 Jahren.

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