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Caterham Seven 165: Rasender Einbaum

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Caterham Seven 165: Rasender Einbaum

07.05.2014, 15:40 Uhr | Benjamin Bessinger/SP-X, wanted.de

Caterham Seven 165: Rasender Einbaum. Der Caterham Seven 165 ist ganz auf Leichtbau getrimmt. (Quelle: Hersteller)

Der Caterham Seven 165 ist ganz auf Leichtbau getrimmt. (Quelle: Hersteller)

Vier Räder, zwei Sitze, ein Motor und ein paar Alu-Bleche – mehr Auto braucht kein Mensch. Zumindest nicht, wenn er damit sportlich und schnell um die Kurven fliegen will. Im neuen Caterham Seven 165 kommen automobile Puristen voll auf ihre Kosten.

Foto-Serie mit 6 Bildern

Der Caterham Seven 165 sieht aus wie ein Oldtimer und erinnert nicht zufällig an den legendären Lotus Seven aus den 50er Jahren. Er orientiert sich an den Prinzipien, die Colin Chapman, der legendäre Gründer der Sportwagenschiede Lotus, bei seinen Autos anlegte. Der stellte im Jahr 1957 mit dem Super Seven einen puristischen Sportwagen auf die Straße – eine ganz auf Leichtbau getrimmte rasende Zigarre für Straße und Rennstrecke.

Mit Vollgas in den Himmel

Zwar hatte Chapman schon bald die Lust am Siebener verloren, und bei Lotus wurde die Produktion in den Siebzigern eingestellt. Doch Firmen wie Caterham sei Dank, lebt die Legende weiter: Obwohl das Auto aussieht wie von gestern und sich bis auf ständig modernisierte Motoren an der Grundkonstruktion nur wenig geändert hat, fährt man im Seven auch heute noch mit Vollgas in den siebten Himmel.

Dafür braucht es in dem offenen Zweisitzer gar nicht viel: Obwohl das neue Einstiegsmodell Seven 165 gerade einmal 23.795 Euro kostet und lächerliche 80 PS leistet, stiehlt man damit jedem Porsche die Schau. Nicht nur, weil einem alle Blicke sicher sind. Sondern auch, weil sich kaum ein anderes Auto so direkt, so unmittelbar, so sportlich anfühlt wie der eilige Einsteiger aus England. Kein Wunder, bei einem rekordverdächtigen Leergewicht von 490 Kilo.

Wenn Verzicht Spaß macht

Das erreichen die Briten übrigens nicht durch Karbon oder andere Hightech-Materialien, sondern durch eine Karosserie aus Aluminium und Kunststoff über einem Rahmen aus Gitterrohren und vor allem durch eine ganz einfache Tugend: Verzicht. Denn jedweden Luxus hat sich Caterham einfach gespart. Das beginnt bei Nebensächlichkeiten wie dem Radio oder den Airbags und reicht bis weit unter die Motorhaube.

Schließlich fährt der nach seinem Leistungsgewicht in "PS pro Tonne" benannte Seven 165 mit einem vergleichsweise mickrigen Dreizylinder, der samt Hinterachse und Fünfganggetriebe von Suzuki kommt. Doch in einem Auto wie diesem fühlt sich selbst ein Bonsai-Motor mit 660 Kubikzentimetern, 80 PS und 107 Newtonmetern Drehmoment an wie eine Rennmaschine.

Wer in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt, fühlt sich wie am Steuer eines Supersportwagens und die 161 km/h Spitze kommen einem vor, als müsse man gleich durch die Schallmauer knallen.

Keine Auto für Tempo-Freaks

Aber so schnell will man ohnehin nicht fahren. Nicht, weil der Verbrauch in die Höhe schnellen würde. Der liegt auf dem Prüfstand bei 4,9 Litern und lässt sich in der Praxis selbst bei mutwilliger Raserei nicht in zweistellige Bereiche treiben. Sondern weil alles über 100 Sachen mangels jeglicher Elektronik und einer Knautschzone von der gefühlten Widerstandskraft eines Eierkartons einer unnötigen Mutprobe gleicht. Außerdem geht es bei diesem Auto nicht um die Höchstgeschwindigkeit, sagen die Briten, sondern um das Gefühl für die Fahrbahn, den Spaß in den Kurven und die Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug, die enger kaum sein könnte – kein Wunder, bei diesem Format. Es braucht deshalb schon ein bisschen Mut und noch mehr Geschick für den Umgang mit dem Seven. Das beginnt schon beim Einsteigen: Über die niedrigen Seitenschweller läuft man einfach drüber, aber in die Sitze hilft einem bei diesem Einbaum auf Rädern nur die Schwerkraft. Der Weg zu den Pedalen erinnert an den Versuch, mit beiden Füßen gleichzeitig durch ein Hosenbein zu steigen. Und hat man einmal seinen Platz gefunden, ist man dem Wind und den Blicken der anderen Verkehrsteilnehmer fast schutzlos ausgeliefert.

Natürlich ist es im Stadtverkehr ein ungewohntes Gefühl, wenn man wie in einer rasenden Badewanne ohne Wasser auf dem Präsentierteller sitzt, sich nackt und schutzlos wähnt und selbst zu Porschefahrern andächtig aufblicken muss. Doch sobald die Verkehrsdichte nachlässt und man sich an die vielen Blicke gewöhnt hat, kann der Genuss beginnen: Festgeschnallt in die engen Lederschalen rutscht der Schwerpunkt des Wagens in die eigene Gesäßtasche.

Der Caterham klebt in der Kurve

Dann lässt der Seven Mensch und Maschine eins werden und macht jede Landstraße zur Lustmeile. Als hätten seine Reifen magnetische Kräfte, klebt der Caterham in der Kurve und erlaubt Geschwindigkeiten, von denen man diesseits des Motorrades nur träumen kann. Aber selbst wenn der Fahrtwind die Mundwinkel noch soweit nach hinten zerrt und die Endorphine auf der Hirnschale bei Vollgas Rumba tanzen, sollte man sich zumindest das breite Grinsen schnell verkneifen. Erstens sieht es einfach dämlich aus. Und zweitens hat man sonst hinter der kleinen Frontscheibe immer so viele Fliegen zwischen den Zähnen.

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