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Unterwegs im Opel Rekord von Sepp Herberger

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Unterwegs im Opel Rekord von Sepp Herberger

04.07.2014, 11:18 Uhr | SP-X, wanted.de

Unterwegs im Opel Rekord von Sepp Herberger. !966 erwarb Herberger den Opel Rekord B "L"  (Quelle: Hersteller)

!966 erwarb Herberger den Opel Rekord B "L" (Quelle: Hersteller)

Am 4. Juli jährt sich das "Wunder von Bern" zum 60. Mal. Der WM-Triumph von 1954 machte die Spieler und Trainer Sepp Herberger unsterblich. Vor allem mit ihren Tugenden wie Verlässlichkeit und Bescheidenheit gewannen die WM-Helden die Massen. Diese Werte spiegeln sich auch im letzten Dienstwagen von Sepp Herberger wieder. Der Opel Rekord von 1966 rollt immer noch.

Auf dem Rasen gegen Algerien wollte, und auf der Straße will es bei Deutschlands aktuellem Bundestrainer Jogi Löw gerade nicht so recht laufen. Denn quasi als Opfer seines übermotorisierten Dienstwagens war der aktuelle Trainer so oft zu schnell, dass er jetzt erst einmal den Führerschein abgeben und sich drei Monate lang fahren lassen muss.

Verlockende Angebote

Das ist Sepp Herberger trotz aller Erfolge nicht passiert. Er fuhr zeitlebens Autos, die nicht gerade zum Rasen verführt haben. Selbst als sich der Trainer der Weltmeister-Mannschaft 1954 nach dem triumphalen Sieg im "Wunder von Bern" vor 60 Jahren im Wankdorfstadion so ziemlich jeden Wagen hätte leisten können, war er mit einem recht bescheidenen Opel Rekord zufrieden.

Und siehe da: Das Wunder von Weinheim fährt noch immer. "Zwar hat es ihm nach dem Sieg über die Ungarn am 4. Juli 1954 an verlockenden Angeboten zur kostenlosen und dauerhaften Probefahrt in den Luxusmodellen aller möglichen Hersteller nicht gemangelt", kann man in den Opel-Archiven nachlesen. Doch hat der Fußballtrainer, der in seiner Laufbahn als aktiver Spieler einmal wegen der Annahme eines "Handgeldes" gesperrt wurde, bis zum Schluss jeden Rabatt ausgeschlagen. Da blieb sich "der Chef" treu.

Kein Rabatt für Herberger

Und so steht auch in dem Vertrag, den Herberger zwei Jahre nach seinem Rücktriff als Cheftrainer der Nationalmannschaft am 8. Februar 1966 signierte. Bezahlt wurde die volle Rechnungssumme von 9564 Mark und 50 Pfennig. Unterschrieben im Autohaus Sporer in Weinheim-Lützelsachsen vor den Toren Mannheims. Der Diplomsportlehrer bezahlte also für den Opel Rekord B "L" bis auf den letzten Pfennig.

Zwar wurde die zweite Auflage der 4,55 Meter langen Limousine in den Jahren 1965 und 1966 nur elf Monate lang gebaut. Doch war ein Rekord zu dieser Zeit schon längst nichts Besonderes mehr. Schließlich hatte Opel davon allein in dieser kurzen Zeit fast 300.000 Exemplare auf die Räder gestellt.

Wer mit dem Rekord heute allerdings auf Tour geht, dem sind garantiert mehr Blicke sicher als in jeder teuren, modernen Luxuslimousine der Fußballfunktionäre. Das ist auch kein Wunder. Schließlich macht der tundragrün lackierte Viertürer noch immer eine ausgesprochen gute Figur. Der über die volle Breite verchromte Kühler glänzt in der spärlichen Sonne des Frühsommers und der Lack wirkt satt wie ein gut gewachsener Fußballrasen. Nur die Weißwandreifen, die dazwischen leuchten könnten wie die Spielfeldmarkierung im Strafraum, sind dem Zahn der Zeit mittlerweile zum Opfer gefallen.

Spindeldürres Lenkrad

Innen sieht Herbergers letzter Dienstwagen beinahe aus wie am ersten Tag. Das spindeldürre Lenkrad mit dem filigranen Kranz für die Hupe zeigt auch nach dem ersten Umlauf des kleinen Kilometerzählers keine Gebrauchsspuren, aus dem Becker-Radio vom Typ "Mexico" singt Lale Andersen als wäre es erst gestern gewesen. Und die Auslegeware in den Türen oder im Fußraum versprüht den Charme der guten alten Zeit. Nur die breiten Sitze mit dem karierten Stoff und dem hellbraunen Kunstleder sind ein wenig durchgesessen. Doch viel mehr Seitenhalt haben diese Sessel noch nie geboten. Dafür waren und sind sie so bequem, dass man mit dem Rekord noch heute ohne Mühe wieder ans Wankdorf-Stadion fahren könnte, wenn das nicht einem Neubau hätte weichen müssen. Am Motor sollte es dabei nicht liegen. Denn schon beim ersten Versuch lässt sich der 1,9 Liter große Reihenvierzylinder zum Leben erwecken. Schnell nimmt der der bunte Streifen im Balkentacho eine neue Farbe an und signalisiert auf diese Weise sehr auffällig, dass man nun den "grünen Bereich" verlässt und jetzt in der Stadt – Vorsicht, Herr Löw! - auf Starenkästen achten muss. Wer danach den Fuß weiter beherzt auf dem kleinen Pedal lässt und zügig hoch in den vierten Gang schaltet, den beschleunigen die 90 PS klaglos auf 160 km/h, mit denen der Wagen auch heute noch munter im Verkehr mitschwimmt und es für den Führerschein noch immer gefährlich werden kann. Und mit einem Durchschnittsverbrauch von 9,6 Litern ist der Rekord ebenfalls fast noch zeitgemäß. Doch der geringe Verbrauch kommt nicht von ungefähr. Schließlich wiegt die ausgewachsene Mittelklasselimousine gerade mal 1000 Kilo und ist damit leichter als manch aktueller Kleinwagen. Aber das ist angesichts der mageren Ausstattung auch kein Wunder: Kopfstützen, Sicherheitsgurte, Klimaanlage? Fehlanzeige. Soweit war die Technik damals noch nicht.

Dennoch ist der Rekord kein spartanisches Auto. Die Platzverhältnisse sind üppig, und ein bisschen Luxus durfte es für den bescheidenen Diplomsportlehrer bei aller Zurückhaltung doch sein: So weist der Kaufvertrag neben den 395 Mark Aufpreis für den 90 PS-Motor auch 95 Mark für das Viergang-Getriebe, 85 Mark für den Rückwandfenster-Trockner, den Vorläufer der Heckscheibenheizung, und 395 Mark für das Stahlschiebedach aus.

Geparkt in Weinheim

Mit dem Rekord war Herberger mehr als zehn Jahre in der ganzen Republik unterwegs. Nach seinem Tod 1977 stand der Wagen lange Zeit in der Garage des Hauses in Weinheim-Hohensachsen, das bereits ein Jahr nach dem "Wunder von Bern" die Adresse "Sepp-Herberger-Straße 9" bekam. Als dort 1994 der Nachlass der inzwischen ebenfalls verstorbenen Witwe Eva Herberger versteigert wurde, holte Opel den Rekord zurück ins Werk. Danach wurde der Wagen in der Werkstatt für historische Fahrzeuge renoviert. Opel verkaufte von 1963 bis1986 zehn Millionen Autos vom Modell Rekord. Der Wagen schaffte die Transformation vom seriösen Mittelklassewagen der 60er hin zum Kultmobil der 80er. Heute sind Rekord Coupé, sowie Rekord C und D bei Klassiker-Freunden und jungen Opel-Fans besonders beliebt. Die Herberger-Variante wurde in Rüsselsheim allerdings nur von 1965 bis 1966 gebaut. Zwar wurden in der kurzen Produktionszeit erstaunlich viele Rekord B´s verkauft, ein gut erhaltenes Exemplar, mit dem damals fast riesigen 90-PS-Motor, ist heute aber selten. Der Rekord B ist nicht unbedingt eine Oldtimer-Wertanlage im großen Stil, aber für Fußballromantiker und Freunde von Robustheit und Zuverlässigkeit, kommt der Kult-Opel trotzdem in Frage. Mit seinem Bekenntnis zum Rekord hat der Weltmeister-Macher eine Bescheidenheit bewiesen, die Fußballern heute meist fremd ist. Hofiert von Sponsoren und überschüttet mit Millionen fahren sie deshalb schon in jungen Jahren fast alles, was die Sportwagenhersteller und Werkstuner so hergeben. Das war auch lange nach Herbergers Zeiten noch anders: Als die Nationalmannschaft 1974 den Titel holte, gab es als Siegprämie ein bescheidenes VW Käfer Cabrio. Falls Jogis Elf diesmal das Endspiel gewinnt, gibt es für jeden Spieler 300. 000 Euro – die sollten dann auch für ein etwas rühmlicheres Auto reichen.

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