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Lightspeed Classic Porsche : Zurück in die Zukunft

10.10.2014, 13:09 Uhr | press-inform/wanted.de

Lightspeed Classic Porsche . Der Lightspeed Classic – das deutsche Pendant zum US-Modell Singer. (Quelle: press-inform)

Der Lightspeed Classic – das deutsche Pendant zum US-Modell Singer. (Quelle: press-inform)

Bei Lightspeed Classic treffen zwei wunderbare Welten aufeinander: Zeitlos schöne Porsche-Karosserien des vorigen Jahrhunderts und die aktuelle Technik der Zuffenhausener Herrenbeschleuniger. Das Ergebnis lässt bei Porsche-Puristen das Herz höher schlagen. Die Idee stammt von Singer aus den USA - aber auch das deutsche Pendant ist famos.

Taufkirchen im Speckgürtel Münchens. Das Industriegebiet wirkt alles andere als einladend. Nachts könnte es auch für die Kulisse eines amerikanischen Endzeit-Films herhalten. Hier ein Möbelhaus, daneben eine Entsorgungsfirma, ein paar Meter weiter ein Elektro-Unternehmen. Alpenromantik sieht anders aus. Doch zwischen diesen grau verputzen Mauern blitzt die bekannte Silhouette eines Porsche 911 hervor; ein Modell der 964er-Baureihe. Willkommen im Reich von Ralf Skatulla, Herr über spektakuläre Preziosen der Zuffenhausener Firmengeschichte.

Traum für Porsche-Schrauber

Die Werkstatt des drahtigen Mittvierzigers mit den wachen, freundlichen Augen strahlt Schrauber-Mentalität aus. Teile lehnen an der Wand. Hier ein Kotflügel, dort ein Radlauf. Oben, knapp unter der Decke strahlen goldene Kränze und bezeugen die Rennerfolge des Inhabers.

Doch hinter der vermeintlichen Unordnung steckt System. Jedes Teil ist griffbereit für den jeweiligen Arbeitsschritt. Gerade steht wieder ein Porsche auf der Hebebühne. Die Idee hinter Lightspeed Classic scheint simpel, ist aber anspruchsvoll im Detail: altes Kleid, neue Technik! Auf eine eigene bayerische Art und Weise.

Die Idee zu diesen Retro-Rennern entstand aus einer Laune heraus. Oder, wie man in Bayern sagt, aus einer "Spinnerei". Ralf Skatulla saß mit einem Kunden zusammen beim Pizza-Essen. Das Thema? Autos. Porsches natürlich. Der Fan der Zuffenhausener Sportwagen war begeistert von den amerikanischen Singer-Retro-Porsches mit moderner Technik und fragte, ob man so etwas nicht auch bauen könne. Der Auto-Narr Skatulla ließ sich nicht zweimal bitten. Schließlich ist für den Hobby-Rennfahrer Porsche ebenfalls Leidenschaft.

Das Projekt nahm schnell Gestalt an. Zunächst lief beileibe nicht alles glatt. Die Zusammenarbeit mit dem Porsche-Veredler Singer klappte nicht, wie gewünscht. Irgendwann schlief sie komplett ein. >>

"Vielleicht wollten die keinen Konkurrenten", sinniert Skatulla. Der Porsche-Fan ließ sich nicht entmutigen, suchte eine passende Karosserie und wurde bei einem nicht fertiggestellten 911er-SC-Restaurationsprojekt Baujahr 1983 fündig. Das spielte den Taufkirchener Spezialisten in die Karten. Ein SC ist per se leichter, als ein ähnlich aufgebautes Auto, das auf einem Porsche 964 basiert. Deswegen wiegt der "Lightspeed-Classic 001" inklusive zehn Liter Benzin lediglich 1035 Kilogramm.

Retro-Optik in Perfektion

Die Modifikationen kosteten Skatulla und seinen Partner Peter Vazal viel Zeit, Nerven und schlaflose Nächte. Das Duo zahlte dabei viel Lehrgeld, lernte aber auch viel. Freunde halfen, beim Rest improvisierte man und fand mit viel Tüftelei, Lösungen, die Bestand hatten. Das ging schon bei den Felgen los: Um die gewünschten 275-17-Zoll-Walzen benutzen zu können, brauchte man die passenden Felgen. Die sollten aber auch zu dem klassischen Zuffenhausener passen. Also ersann Skatulla und sein Team die Kombination aus 17-Zoll-Schüsseln und den Sternen der Porsche-Fuchs-Felgen. Damit die Retro-Optik auch beim Rest der Karosserie bestehen bleibt, sind die Scheiben aus modernen Sicherheitsglas, die Rahmen und Zierleisten aber aus eigens behandelten Aluminium.

Damit die breiten Pneus in die Radkästen passten, mussten Carbon-Teile hergestellt werden. Das übernahm ein Spezialist für Flugzeugteile. Herausgekommen ist ein Prachthintern, der es locker mit dem eines Porsche 930 Turbo aufnehmen kann. Beim Innenraum stand der Porsche 964 Carrera Pate, die elektrischen Fensterheber stammten vom Porsche 993. Damit es auch richtig vorangeht, "bohrte" Skatulla ein 3,6-Liter-Triebwerk aus der 964er-Baureihe auf. Die Kurbelwelle einschließlich der Titanpleuel kommen aus dem GT3 der 993-Baureihe. Neue Laufbuchsen und neue Kolben erhöhten den Hubraum auf 3,8 Liter.

Die Techniker modifizierten auch die Motorsteuerung, so dass die Bayern-Power jetzt 340 PS und ein maximales Drehmoment von 379 Newtonmetern hat. "Die Werte sind auf dem Prüfstand nachgewiesen", strahlt Skatulla. Damit die Kraft auch dauerhaft auf den Boden kommt, ersetzte Skatulla das Getriebe >>

durch eines aus dem 996 Turbo und installierte ein auf das Auto abgestimmtes Schraubenfedern-Fahrwerk aus dem 996 GT3 RSR. "Mir kommen keine magnetischen Dämpfer ins Auto", sagt Skatulla. Schließlich schraubt er auch an seinen eigenen Renn-Porsches und hat dabei einiges an Erfahrung gesammelt. Bei aller Retro-Freude muss doch ein bisschen Kraftprotz-Optik sein. Zwei mächtige Auspuff-Endrohre, die nicht durch eine Stoßstange verdeckt sind, komplettieren das rollende Kunstwerk. Nach etwa zwei Jahren war der erste Lightspeed-Classic-Porsche fertig, er erstrahlt seitdem in einem knalligen Orange, das dem klassischen Porsche-Farbton "Blutorange" ziemlich nahe kommt. Möglich waren die ganzen Umbauten durch das Baukasten-System von Porsche, welches seit mehreren Jahrzehnten verfolgt wird. "Die Motor-Getriebeanbindung ist von 1969 bis zum Modell 997 GT3 Cup identisch. Da passt ein neues Getriebe an einen alten Motor und umgekehrt", erklärt Skatulla an einem Beispiel die Vorzüge dieses Prinzips. Auch der 3,6-Liter-Motorblock ist im Prinzip seit dem 964 bis zum 997 GT3 Cup unverändert. Ähnliches gilt auch für Bremsscheiben und deren Felgenanbindung.

Für Puristen ohne ABS und Servolenkung

Wer sich einen Lightspeed-Classic-Porsche kauft, bekommt einen alltagstauglichen Klassiker mit modernen Fahrleistungen. Der Kunde hat immer das letzte Wort. Als Basis-Fahrzeuge stehen ein 911 SC 3,2 Liter oder ein 964er zur Wahl. Ersterer ist der puristische Klassiker ohne Servo-Lenkung und ABS. Beide Assistenzsysteme gibt es beim 964er und dazu noch eine Klimaanlage. Die war für den amerikanischen Markt bestimmt und bläst kalte Luft in den Innenraum. Als Basis dient immer ein Motor aus dem Porsche 964. Vier Varianten stehen zur Wahl: entweder mit 3,6 Liter Hubraum und 280 PS oder optimiert auf besagte 340 PS. Die Spitze der bayerischen Leistungspyramide bilden 410 PS aus vier Litern Hubraum. Diese Triebwerke lassen sich mit verschiedenen Karosserievarianten. Zur Wahl stehen der Lightspeed-Classic S, RS oder RS-T. Je länger das Buchstaben-Kürzel, umso mehr nimmt der Komfort ab und die Renntauglichkeit zu. Die Fahrzeuge aus Taufkirchen sind immer auch Rennmaschinen mit Straßenzulassung. "Mir macht es einfach Spaß, meine Autos auf der Rennstrecke zu sehen und zu verfolgen, wie sie andere schlagen. Da wir das Reglement besser ausgenutzt haben", erklärt Renn-Ingenieur Adrian Newey aus Taufkirchen. Der Preis für die Porsche-Zeitreise: Rund 160.000 Euro. Impressionen vom Lightspeed Classic Porsche sehen Sie in unserer Fotoshow.

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