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Volvo 850 T-5R im Fahrbericht: Abschied vom Fünfzylinder

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Abschied vom Fünfzylinder  

Volvo 850 T-5R im Fahrbericht

05.10.2015, 11:12 Uhr | Heinrich Lingner | auto motor und sport

Volvo 850 T-5R im Fahrbericht: Abschied vom Fünfzylinder. Volvo: Abschied vom Fünfzylinder. (Quelle: Dino Eisele | auto motor und sport)

Volvo: Abschied vom Fünfzylinder. (Quelle: Dino Eisele | auto motor und sport)

Hej då fem-cylinder! Das ist Schwedisch und heißt so viel wie "Tschüss, Fünfzylinder" - eine Abschiedstour durch Småland im Volvo 850 T-5R.

Vielleicht ist es die erste Lektion, die man in Schweden lernt: Nichts ist so, wie es scheint, Växjö heißt offenbar Wägfe, Lönneberga ist tatsächlich in Katthult, Michel scheint eigentlich Emil zu sein und Bullerbü in Sevedstorp. Doch der Reihe nach, bevor Sie jetzt völlig verwirrt sind.

Der Fünfender bei Volvo steht vor dem Aus

Am Anfang einer Reise steht im Idealfall eine Idee, in diesem Fall jene, den Abschied vom Volvo-Fünfzylinder mit einer Sommerfahrt durch Bilderbuch-Bullerbü-Südschweden zu feiern. Schweden liegt ja seit dem Bau der Öresundbrücke viel näher, als man glaubt, der passende Volvo ist schwieriger zu finden.

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Volvo 850 T-5R wurde nur 5500 mal gebaut

Womit wir schon beim historischen Teil dieser Geschichte sind. Ein T-5R mit Stufenheck sollte es sein für die Reise, und die stehen ja nun wirklich nicht an jeder Ecke herum, auch in Schweden nicht. Das Sondermodell mit dem 240 PS starken 2,5-Liter-Fünfzylinder wurde insgesamt nur 5500 Mal gebaut.

Ursprünglich sollten es nur 2500 sein, doch letztlich entstanden wegen der großen Nachfrage 1975 gelbe Exemplare, 3025 schwarze und zum Abschluss der Sonderserie 500 dunkelgrüne. Unserer ist gelb und eine Stufenhecklimousine, er steht in Växjö, also rund 200 Kilometer südöstlich von Göteborg, eben genau da, wo wir hinwollen: in Småland, was in diesem Fall nicht das Kinderparadies von Ikea, sondern ein Landstrich in Schweden ist.

Der Wagen gehört Ulf, und Ulf hat nicht nur früher Scania-Holzlaster durch die Wälder chauffiert, er sieht zudem so aus, als habe er die Stämme eigenhändig auf den Dreiachsanhänger gewuchtet. Inzwischen ist er Manager eines Handwerkerladens, sesshaft geworden und hat eine Frau, drei Kinder sowie eine Sammelgarage voller Volvo. Der gelbe 850 T-5R ist einer davon, einer jedoch, auf den Ulf besonders stolz ist.

Ältester Volvo 850 T-5R im Test

Er hat Zeitschriften und Prospekte dabei, die eines zeigen: Ulfs gelbe Limousine ist vermutlich der älteste T-5R, das Auto mit dem Kennzeichen PDY 444 wurde bereits ganz früh für Werbe- und Pressebilder abgelichtet. In Schweden behalten die Fahrzeuge nämlich das bei der Erstzulassung verliehene Kennzeichen für den Rest ihres Lebens. Für den Fall, dass Sie zudem noch an schwedischer Kennzeichenkunde für Fortgeschrittene interessiert sein sollten: Auf den Nummernschildern sind zusätzlich zwei sehr klein gedruckte Zahlenkolonnen zu sehen, die Fahrgestellnummer und das Datum der Erstzulassung.

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Ende einer 25-jährigen Tradition

Doch wir schweifen ab: Volvo-Fünfzylinder. Die wird es bald nicht mehr geben, weil Volvo bei den künftigen Modellen, die auf der neuen Plattform basieren, sowohl bei Diesel- als auch bei Benzinmotoren ausschließlich auf Zweiliter-Vierzylinder setzt. Damit beendet Volvo eine 25-jährige Tradition. Das kann man durchaus schade finden, denn die charakterstarken Fünfzylinder gehörten stets zu den sehr angenehmen Seiten der diversen Volvo-Modelle. Das war bereits beim ersten 850 von 1991 so. Schließlich verweist die Ziffer 5 in der Modellbezeichnung auf die ungerade Zylinderzahl.

Beim 850 kamen wegen des nun quer eingebauten Frontmotors die alten Reihensechszylinder nicht infrage. Also wurde kurzerhand beim Benzintriebwerk ein Zylinder gekappt. Bei der Motorenentwicklung half die Firma Porsche, die ja bereits an der Entwicklung der Sechszylinder-Triebwerke beteiligt war, Fünfzylinder liegen da sozusagen in der Familie.

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Fünfzylinder-Geschichte begann bei Mercedes

Womit es Zeit wird zu einem kleinen Exkurs in die Geschichte des Fünfzylinder-Reihenmotors: Das Motorenkonzept wurde Mitte der 70er von Ferdinand Piëch belebt. Der war da frisch von Porsche weg und entwickelte als freischaffender Konstrukteur für Mercedes den OM617. Wenig später versah er, inzwischen bei Audi angekommen, den 100 mit Fünfzylindern. 1991 erscheint die 850er-Baureihe bei Volvo - ein größerer Schritt für die Marke, als es aus heutiger Sicht scheint. In Heft 13/1991 schrieb auto motor und sport gar, etwas Vergleichbares habe es bei Volvo seit der Vorstellung des PV 444 im Jahr 1944 nicht gegeben: ein komplett neues Modell, mit neuem Antriebskonzept, neuen Motoren. "Ein neues Auto, jungfräulich von vorn bis hinten."

Volvo 850 setzt auf klare Kante statt auf sanfte Rundung

Nur das Design wirkte nicht mehr ganz frisch, der stilbildende Chefstylist Jan Wilsgaard hatte wie bei den Vorgängerbaureihen der klaren Kante den Vorzug vor der sanften Rundung gegeben. Vorteil dieser sehr konservativen Ausrichtung: Ein 25 Jahre alter 850 steht heute sehr jung und zeitgemäß auf der Straße, kein wenig antiquiert, vielmehr zeitlos, solide und vertraut, einfach ein schönes Auto. Das gilt natürlich auch für Ulfs 850 T-5R in Merkurgelb mit dem kleinen Heckflügel, den grauen 17-Fünfstern-Rädern und der ausladenden Frontschürze. Alles Serie, sagt Ulf, nur die Farbe, die sei neu. Und klärt auf, indem er mehrere schwedische Automagazine aufblättert: Der Wagen wurde erst in Gelb abgelichtet, dann rot lackiert, obwohl er in Rot gar nicht zu haben war. Später, als der Wagen in Privatbesitz kam, war er kupfermetallic. Bei Ulf erhielt er wieder die Originalfarbe. "Wo wollt ihr denn nun hinfahren?", fragt er. Nach Lönneberga, sagen wir, und wenn die Zeit noch reicht, nach Bullerbü und dann ans Meer.

Volvo 850: Früher groß, heute Mittelmaß

Kein Problem, sagt er, alles nicht so weit weg, der Tank sei voll, und der Schlüssel steckt. Wir kuscheln uns in den Volvo, und das ist hier wirklich wörtlich gemeint, denn so groß, wie er damals schien, ist der 850 heute nicht mehr. Was weniger daran liegt, dass der Volvo geschrumpft wäre, er ist immer noch 4.660 Millimeter lang, aber die Welt um ihn herum ist größer geworden, ein ausgewachsenes Mittelklasseauto ist rund fünf Meter lang. Inzwischen ist es Abend geworden, aber weil gerade Ende Juni ist, steht die Sonne noch recht hoch über den Bäumen. Unser erstes Ziel ist sehr nah, der Fotograf fragt einfach nach dem nächsten See, um die ersten Bilder im Abendlicht zu schießen.

Das ist in diesem Teil Schwedens so, als fragte man etwa im Schwabenland nach dem nächsten Baumarkt: Der See ist gleich um die Ecke, er heißt Helgasjön, ist mit nur 48 Quadratkilometern Oberfläche eines der unbedeutenderen Gewässer Smålands und hat das Dampfboot "Thor" sowie eine kleine Insel mit der Schlossruine Kronoberg vorzuweisen. Das ist interessanter, als es zunächst scheint, weil Kronoberg viel über die Geschichte Smålands erzählt, wenn man zuhören will. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte die Region nur sehr lose zum schwedischen Königreich, sie bestand aus mehreren kleinen Ländern mit eigenen Landesherren und Gerichtsbarkeiten, daher der Name (Småland bedeutet übersetzt kleines Land).

Besuch bei Michel aus Lönneberga

Lönneberga liegt ebenfalls in Småland, doch Michels Fernsehserienhaus steht in Katthult, und überhaupt heißt Michel nicht Michel, sondern Emil. In Deutschland erhielt er einen neuen Namen, weil der Verlag eine Verwechslung mit Erich Kästners Emil befürchtete. Das Filmhaus ist leicht zu finden, wenn man einmal weiß, dass es nicht in Lönneberga steht. Es reicht, den Straßenschildern Richtung Katthult zu folgen und dann dort abzubiegen, wo die meisten Wohnmobile und Urlauber-Kombis mit deutschen, niederländischen oder skandinavischen Nummernschildern reinfahren.

Das Haus befindet sich im Privatbesitz, es sieht wirklich aus wie im Film, und die Zufahrt ist natürlich verboten. Wir fragen den Besitzer und dürfen mit dem 850 vorfahren. Keiner der vielen Besucher stört sich daran. Nur ein deutscher Urlauber fühlt sich zu dem Hinweis genötigt, dass das Auto so gar nicht in die Idylle passe. Finden wir schon, sagen wir, bevor wir wieder in den Volvo steigen. Unser nächstes Ziel ist Vimmerby, in Astrid Lindgrens Geburtsstadt gibt es einen kleinen Freizeitpark inklusive Villa Kunterbunt. Den Besuch sparen wir uns, wir fahren lieber weiter Richtung Osten, bummeln später die Ostseeküste entlang, lauschen dem Klang des Fünfzylinders, der auch in Schweden 1-2-4-5-3 sagt, und das bei Nenndrehzahl 2800 Mal in der Minute.

Auf nach Schweden

Köttbullar gibt es übrigens nur bei Ikea, wir probieren es. Die Schlange an der Essensausgabe ist so lang wie am Samstag bei Ikea in Köln-Ossendorf, und auch die Fleischklößchen sehen nicht anders aus. Na gut, dann nicht. Wir nehmen lieber ein paar Hamburgare med Frites an einer Tankstelle zwischen Kalmar und Växjö. Als wüssten wir nicht längst schon, dass hier in Småland wirklich wenig so ist, wie es scheint.

Schweden ist groß, größer, als es auf der Karte wirkt. Und obwohl auf den Überlandstraßen wenig Verkehr ist, kommt man wegen der rigiden Tempolimits (90 und 120 km/h) nur eher langsam voran. Die Rundtour über Katthult, Vimmerby und Kalmar nach Växjö ist an einem Tag kaum zu schaffen - jedenfalls nicht, wenn man unterwegs etwas besichtigen will. Der schnellste Weg nach Schweden führt über die fast acht Kilometer lange Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö, die Überfahrt kostet 47 Euro, einfache Fahrt. Von da sind es noch 200 km nach Växjö.

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