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Ford Mustang GT Fastback im Test

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Ford Mustang GT Fastback – Pony Car oder Muscle Car?

23.10.2015, 16:15 Uhr | Christian Sauer - wanted.de

Ford Mustang GT Fastback im Test. Ford Mustang (Quelle: Hersteller)

Ford Mustang (Quelle: Hersteller)

Mit unserem Testfahrer Christian Sauer gingen die Pferde durch, genauer gesagt 421. Hier sein Fahrbericht des US-Kultwagens Ford Mustang als V8-Coupé.

Foto-Serie mit 20 Bildern

Ich bin an der Reihe: Startknopf gedrückt, erster Gang rein und bis zur Startlinie vorgerollt. "Line Lock"-System aktiviert und Vollgas. Während die Vorderbremsen mein Wildpferd auf der Stelle halten, verwandeln sich die 275er Schlappen hinten zur Nebelmaschine und kommen schnell auf Temperatur – so sieht also der perfekte Burnout aus. Und nun? Launch Control aktiviert und wieder Gas gegeben: Der Drehzahlmesser pendelt sich zwischen 3000 und 4500 Touren ein und sobald ich die Kupplung kommen lasse, galoppiert mein Mustang los. "Geil – geil – geil!", nur so lässt sich der geniale V8-Sound in Worte fassen und kaum fertig gedacht, wird es auch schon Zeit für den zweiten Gang. Zack – mit kräftiger Hand geschaltet, geht es auch schon wieder Richtung 7000 Touren.

Brembo-Stopper an Bord

Nach 4,8 Sekunden zeigt der vorher aktivierte Beschleunigungsmesser im Display zwischen den analogen Rundinstrumenten die 100 km/h an. Knapp 13 Sekunden sind es für die 1/4 Meile, das Maß der Dinge für Dragracer. Einen Bremsfallschirm suche ich zwar vergebens, aber dafür beißen die Brembo-Stopper mit aller Vehemenz zu. Der Bremsweg liegt unter 35 Metern.

Und dann holt mich doch die Realität wieder ein – sollte das alles nur ein "amerikanischer Traum" gewesen sein? Nein, der Mustang ist zum ersten Mal in seiner 50-jährigen Historie offiziell in Deutschland über Ford-Händler zu haben. Doch hierzulande zählen bekanntlich nicht nur Ampel-Sprints und Viertel-Meilen-Rennen in der Freizeit.

Extras für EU-Mustangs

Deshalb bekommen alle EU-Mustangs im Werk in Michigan das ansonsten aufpreispflichtige Performance-Package serienmäßig implantiert. Dazu gehören neben den starken Bremsen hinter den 19-Zoll-Felgen mit Pirelli P Zero Reifen auch die Optimierung der Kühlung und des strafferen Fahrwerks mit moderner Einzelradaufhängung. In Europa und speziell in Deutschland stellen sportliche Fahrer eben höhere Anforderungen und anders als seine Vorgänger fühlt sich die sechste Generation hierzulande auf kurvigen Landstraßen ebenso wohl wie auf Autobahnen ohne Tempolimits, wo er bis zu 250 km/h laufen kann.

Trotz seiner stattlichen Größe und rund 1,7 Tonnen Leergewicht fährt sich Ford‘s Imageträger als traditionell "Fastback" genanntes Coupé dynamischer als gedacht. Dabei helfen auch die steifere Karosserie mit Alu-Leichtbauteilen, die in drei Modi von komfortabel-leichtgängig bis sportlich-fest einstellbare elektrische Servolenkung und das mechanische Sperr-Differential an der Hinterachse.

Quertreiber im doppelten Sinn

Für Traktion und Sicherheit soll auch das ESP sorgen, das sich per Kippschalter in der Mittelkonsole komplett deaktivieren oder für mehr Fahrdynamik entschärfen lässt. "Selectable Drive" bietet mit Normal, Sport+, Track sowie Regen/Schnee vier Einstellungen, die auch den ABS-Eingriff, die Schaltcharakteristik des optionalen Automatik-Getriebes und das Ansprechverhalten des Motors beeinflussen. Der stark überarbeitete V8-Sauger unseres Mustang GT holt wuchtige 530 Newtonmeter Drehmoment bei 4250 Touren und 421 PS bei 6500 aus 5,0 Liter Hubraum. Acht Zylinder und fünf Liter sind in Zeiten von Downsizing und Turboaufladung fast schon politisch inkorrekt, aber Ford hat viel Geld in dessen Weiterentwicklung gesteckt und mit offiziell 13,5 Liter im Durchschnitt soll er auch sparsamer sein. Die Automatik reduziert den recht praxisnahen Wert nochmal um 1,5 Liter und mit dem kleinen 4-Zylinder-Turbo samt 2,3 Liter Hubraum, 317 PS und 434 Newtonmeter sollen sogar 9,9 respektive 8,0 Liter möglich sein. Doch wer will einen Mustang ohne V8-Power und -Sound, noch dazu wenn der Preisunterschied bei bescheidenen 5000 Euro liegt? Ab 42.000 Euro gibt es den GT für vollen Fahrspaß und mit der knackigen 6-Gang-Handschaltung. Die 2000 Euro extra für die 6-Stufen-Automatik samt Schaltpaddel werden sich Freunde des gepflegten Drifts wohl sparen, denn Donuts auf den Asphalt malen und kontrolliertes Quertreiben funktioniert mit Kupplung eben besser. Natürlich würde die Automatik und das weichere oder gar ein adaptives Fahrwerk den Komfort steigern, aber der Mustang GT ist doch nun mal ein Muscle Car für echte Kerle, oder nicht?

Seit Geburt ein Frauenauto? Lassen wir mal die Macho-Sprüche bei Seite und blicken lieber kurz zurück in die 1960er Jahren: Der Mustang galt im Vergleich zu den riesigen Straßenkreuzern als "kompakt" und laut Legende soll er in Anlehnung an das Pferd im Logo und Namen deshalb "Pony" genannt worden sein. Mit jungen attraktiven Frauen wurde nicht nur für den Kauf geworben, sie waren auch in den Bedienungsanleitungen unübersehbar und galten als wichtige Zielgruppe. Damals wie heute können sie sich ebenfalls über zahlreiche Lackfarben und eine Cabrio-Version mit Stoffverdeck freuen. Dadurch schrumpft der Kofferraum zwar von 408 auf 332 Liter, bleibt aber alltagstauglich. Gleiches gilt für die zwei Rücksitze, deren Lehnen im Coupé getrennt umklappbar sind und die Kindern wie kleineren Erwachsenen ausreichend Platz bieten. Serienmäßig gibt es bereits Leder mit drei Farben zur Wahl und elektrisch verstellbare Vordersitze. Im Rahmen des empfehlenswerten Premium-Paketes für 2500 Euro sind diese dann zusätzlich kühlbar. Allerdings wird die Premium-Lederausstattung für die Sitze und das Armaturenbrett ausschließlich in Schwarz angeboten. Ohne Aufpreis nehmen Recaro-Sportsitze wie in unserem Testwagen Fahrer und Beifahrer in die Schraubzwinge. Doch der sehr gute Seitenhalt kommt zwangsläufig mit dem Verzicht auf die elektrische Verstellung und Sitzheizung einher. Nicht alles Chrom, was glänzt

Kritik müssen wir leider auch am billig wirkenden Plastik üben, aus dem zum Beispiel die Mittelkonsole und die an sich coolen Kippschalter sind. Und wenn ansonsten schon auf moderne Assistenz- und Sicherheitssysteme verzichtet werden muss, hilft zumindest eine Rückfahrkamera beim Parken. Lob verdienen das Infotainment-System mit 8-Zoll-Touchscreen sowie das Premium-Soundsystem mit zwölf Lautsprechern und Subwoofer im Kofferraum. Dazu gesellen sich nette Details wie die Ambiente- und Armaturenbeleuchtung mit zahlreichen Farben sowie das von den Außenspiegeln auf den Asphalt projizierte Pferdchen beim Ein- und Aussteigen. Doch der Mustang GT ist mehr als die Summe seiner Features, er bietet insgesamt ein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und "sehr viel Auto" für unter 50.000 Euro. Da kann hierzulande nur sein Erzrivale, der Chevrolet Camaro mit derzeit 432 PS starkem 6,2-Liter-V8 ab 39.990 Euro mithalten und dessen sechste Generation steht bereits in den Startlöchern. Doch der Mustang bietet noch viel Potential – auch zum Träumen. Bilder des Ford Mustang finden Sie in unserer Fotoshow.

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