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Die neue A-Klasse im Härtetest bei minus 30 Grad

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Erlkönig im Eis  

Die neue A-Klasse im Härtetest bei minus 30 Grad

01.01.2018, 09:00 Uhr | Stefan Grundhoff, Global Press

Die neue A-Klasse im Härtetest bei minus 30 Grad. A-Klasse auf der Teststrecke: Die Prototypen werden den härtesten Tests unterzogen. (Quelle: Hersteller)

A-Klasse auf der Teststrecke: Die Prototypen werden den härtesten Tests unterzogen. (Quelle: Hersteller)

Die Kompaktklasse soll 2018 ein neues Aushängeschild bekommen – zumindest, wenn es nach Mercedes geht. Die A-Klasse soll VW Golf, Audi A3 und BMW 1er die Rücklichter zeigen. Wir waren bei den finalen Erprobungen in Lappland dabei. Ein Testbericht von Stefan Grundhoff (Agentur Global Press).

In der gleißend hell erleuchteten Werkstatthalle in der Nähe von Bredsel nahe des schwedischen Polarkreises stehen zwei wild beklebte Prototypen und zwei Modelle in dunkelrot – nur noch leicht getarnt mit schwarzen Klebeelementen.

Mit schwerer Tarnung auf den Teststrecken

Die Probanden sind klar als A-Klassen zu entlarven, doch Details über das Design sollen bis zur Weltpremiere Anfang Februar 2018 noch geheim bleiben. Daher bedecken Tarnfolien die bekannten Charaktermerkmale in Front, Heck und den Flanken.

Ein letzter Check steht an, bevor das Entwicklungsteam wieder hinaus auf die verschneiten Teststrecken geht.Von den zehn Modellen sind die Hälfte bereits wieder auf dem Rückweg nach Sindelfingen. Die Testingenieure benötigen dafür zwar vier Tage, doch das Kilometerschrubben sorgt für Millionen von Daten und wichtige Erkenntnisse. 

Die zweite Hälfte der A-Klasse muss heute auf dem streng gesicherten Testgelände und auf den Landstraßen drumherum zeigen, wie weit die Modelle vor einer Produktionsfreigabe wirklich sind.

Die neue A-Klasse soll das Aushängeschild der Kompaktklasse werden (Quelle: Hersteller)Die neue A-Klasse soll das Aushängeschild der Kompaktklasse werden (Quelle: Hersteller)

Jochen Eck fährt zusammen mit seinem Kollegen Volker Seitz wieder raus auf das Testgelände. Zwei Sicherheitstore später geht es nach rechts auf eine abgesperrte Strecke, die schneebedeckt entlang nicht enden wollender skandinavischer Wälder führt.

Der grauhaarige Entwicklungsingenieur beschleunigt die A-Klasse spürbar über die eisige Kuppe, taucht danach leicht ein und kommt mit einem leichten Gegenlenken wieder zur Ruhe. Er nickt zufrieden: "Auf dieser Strecke können wir die Fahrt auf einer normalen Straße nachstellen. Es geht um vieles wie Geräusche, aber auch die Lichtverteilung im Dunkeln und natürlich das Fahrwerk."

Harte Tests unter allen Bedingungen

Die Zeiten, in denen die Mercedes A-Klasse wie ein harter Bock über die Straßen fuhr, sind vorbei. Bereits die Modellpflege brachte mit den überfälligen Verstelldämpfern ein Komfortplus. Doch an Bord der Testfahrten zeigt sich: Der große Sprung nach vorn kommt im Frühjahr, wenn die aktuelle A-Klasse von der Generation vier abgelöst wird.

Das Testprogramm soll alle nur erdenklichen Fehler der Prototypen aufzeigen. Die Autos werden auf dem Testgelände genauso hart rangenommen wie bei den nächtlichen Überlandfahrten.

Erstmals bietet Mercedes zwei Hinterachsen am Fahrzeug. (Quelle: Hersteller)Erstmals bietet Mercedes zwei Hinterachsen am Fahrzeug. (Quelle: Hersteller)

Die Kälte und der trockene Schnee am Polarkreis sind dabei jedoch nur die eine Seite der Medaille. "Wir waren mit den Modellen auch in Spanien, Deutschland und der Hitze Arizonas unterwegs", sagt Entwicklungsingenieurin Bettina Eichel: "Ich bin jetzt schon zweieinhalb Wochen hier. So lange – da ist die Dunkelheit schon anstrengend. Es ist schließlich tagsüber kaum hell."

100 Ingenieure testen bei minus 30 Grad 

Das Entwicklungsprogramm für die zehn Prototypen im nordschwedischen Winter ist besonders hart. Bei Temperaturen bis knapp minus 30 Grad Celsius werden die getarnten Prototypen rund um die Uhr rangenommen. 

Es geht bei den Abstimmungen schlicht um alles. Motor, Getriebe, Geräuschentwicklung, Klimaautomatik oder Bordelektronik – die Entwicklung des neuen Golf-Konkurrenten ist nach über drei Jahren weit fortgeschritten.

Im Innenraum sollen neue Maßstäbe gesetzt werden. (Quelle: Hersteller)Im Innenraum sollen neue Maßstäbe gesetzt werden. (Quelle: Hersteller)

"Wir hatten hier in den vergangenen zwei Wochen rund 100 Ingenieure aus den verschiedensten Bereichen, die die A-Klasse getestet haben", berichtet Jochen Eck. Geräusche, Fehler, Ungereimtheiten werden peinlich genau niedergeschrieben und ins Entwicklungszentrum nach Sindelfingen gefunkt. Je schneller die Fehler ausgemerzt werden, umso besser.

In dem Prototypen von Jochen Eck, einem stark getarnten Zweiliter-Allradmodell mit blass klingendem Vierzylinder stimmt etwas mit dem Motor nicht. "Daran arbeiten wir bereits", sagt der Entwicklungschef mit stoischer Ruhe, als der strahlende Multifunktionsbildschirm seinen Dienst quittiert.

"Die anderen Prototypen der Produktionsgruppe zwei sind da mit einem neuen Softwarestand schon weiter. Hier tut sich gerade nichts." Doch knarzende Panoramadächer, eine polternde Hinterachse oder ein sich überraschend ins Wochenende verabschiedender Navigationsbildschirm bringen Jochen Eck ebenso wenig in Wallung wie Bettina Eichel oder Volker Seitz, der im zweiten Prototypen unterwegs ist.

Die beiden Prototypen in der Werkstatt bei Bredsel. (Quelle: Hersteller)Die beiden Prototypen in der Werkstatt bei Bredsel. (Quelle: Hersteller)

"Wenn wir hier oben sind, muss sich das Ganze natürlich auch lohnen", erklärt Bettina Eichel, "wir arbeiten fünf Tage jeweils zehn Stunden und am sechsten Tag acht."

Der Allradler kommt später

"Alle Motoren sind neu", erklärt Eck, "wir haben zwei Benziner mit 1,3 und 2,0 Litern sowie zwei Diesel mit 1,5 und 2,0 Litern. Ich kann nicht für jede Schraube meine Hand ins Feuer legen, doch die A-Klasse ist komplett neu entwickelt. Wir haben keine Übernahmeteile." Zum Start im Frühjahr 2018 wird das neue Einsteigermodell zunächst nur mit Doppelkupplungsgetriebe zu bekommen sein.

Volker Seitz steuert den Zweiliter-Fronttriebler, dessen Leistung bei rund 190 PS liegen dürfte, auf dem gesicherten Gelände in das nächste Versuchsareal. "Das ist belgisches Pflaster. Hier geht es um die Geräuschentwicklung und was wie stark in den Wagen durchschlägt."

Es rumpelt und poltert – doch nur von Reifen und Fahrwerk. Die Karosserie und der Innenraum zeigen sich deutlich besser als bei der Allradversion. "Das ist ganz einfach zu erklären", sagt Jochen Eck: "Der Allradler kommt deutlich später. Hier haben wir mit der Entwicklung noch etwas Zeit."

Noch ist das Auto überklebt. Das Design wird im Februar 2018 gezeigt. (Quelle: Hersteller)Noch ist das Auto überklebt. Das Design wird im Februar 2018 gezeigt. (Quelle: Hersteller)

Es geht zurück in die Werkstatthalle. Die neuesten Daten werden von den Festplatten ausgelesen, verwertet und dann via Datentransfer nach Sindelfingen ins Entwicklungszentrum geschickt.

Bestenfalls kommen die neuen Softwarestände dann heute noch zurück und es kann weitergehen. Der Testtag ist in jedem Fall noch lange nicht beendet und bis zur Marktreife im Frühjahr gibt es noch allerhand Detailarbeit zu tun.

Quelle:
Gobal Press

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