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Abenteuer mit Geschmack  

Brauen Sie Ihr eigenes Bier

23.05.2017, 17:17 Uhr | Uwe Kauss, t-online.de

Brauen Sie Ihr eigenes Bier. Dieses Gerät sieht aus wie eine Kaffeemaschine - braut aber Bier. (Quelle: Hersteller)

Dieses Gerät sieht aus wie eine Kaffeemaschine - braut aber Bier. (Quelle: Hersteller)

2016 soll ein Gerät in die Küchen dieser Welt kommen, das vor allem Männer erfreuen wird: die Bier-Brau-Maschine "PicoBrew".

Umgerechnet 542 Euro soll die Bierbrauerei fürs Zuhause aus Seattle kosten. Dazu benötigt Mann dann noch sogenannte "PicoPaks" mit den typischen Inhaltsstoffen, die zusammen mit Wasser in das Gerät gefüllt werden. Laut "Ingenieur.de" kann der Braumeister selbst entscheiden, ob das Gebräu herb oder mild wird und auch die Umdrehungen sollen variierbar sein. Der Brauvorgang soll zwei Stunden dauern, anschließend heißt es warten: Eine Woche lang muss das Bier nämlich noch gären. Auch deutsche Hersteller bieten vergleichbare Geräte - so zum Beispiel das Unternehmen Speidel, das für 1249,50 Euro den "Braumeister" für zehn Liter anbietet.

Brauen ohne High-Tech

Doch auch wer kein High-Tech-Gerät besitzt, kann seinen Edelstoff selbst herstellen. "Bier brauen kann jeder. Es ist eine Technik, die schon vor Jahrhunderten gut funktioniert hat", sagt Frank Bettenhäuser, Biersommelier und Inhaber der traditionellen Hütt-Brauerei im nordhessischen Baunatal. In der Küche, im Keller oder der Garage kann feinstes Bier entstehen – dazu braucht man nur ein wenig Wissen, die Zutaten und ein paar Geräte. 

Foto-Serie mit 15 Bildern

Seit 1752 gehört Bettenhäusers Familie die Brauerei Hütt. In der Brauwerkstatt des Brauereimuseums im benachbarten Malsfeld lässt er erfahrene Brauer erklären, wie Bier entsteht – und Interessierte produzieren dort ihren Schoppen unter Anleitung selbst. Solche Braukurse bieten neben Volkshochschulen auch viele Craft-Beer-Brauer in ganz Deutschland an.

Zu ihnen gehört etwa die Brauerei Riegele in Augsburg mit Tageskursen für 149 Euro, die Kreativbrauerei Kehrwieder in Hamburg für 129 Euro sowie viele kleine und regionale Brauereien. Selbst ist der Mann. Doch Vorsicht: Auch als Hobbybrauer unterliegt man dem Steuerrecht. Nur 200 Liter pro Jahr darf man steuerfrei herstellen – wer zu Hause braut, muss es dem jeweiligen Hauptzollamt vorab mit einem Formular anmelden.

Zum Hobbybrauen genügen eine Küche, ein Kühlschrank, ein Bad mit Badewanne, zwei etwa 30 Liter fassende Töpfe oder Bottiche aus Edelstahl oder Kunststoff (zwischen 40 und 240 Euro, je nach Ausführung), ein Leinentuch zum Filtern, ein Gärfass (zwischen 30 und 60 Euro), etwas Zubehör wie Schläuche, eine Bierspindel (um 15 Euro) sowie ein gutes Thermometer (um 30 Euro). Zudem ist ein Fläschchen Jod (etwa 3,50 Euro) zum Testen des Stärkegehalts der Maische nötig. Nun fehlen noch Hopfen und Malz.

Zum Brauen von 20 Litern Bier - das ist zu Hause gut machbar - benötigt man etwa fünf Kilogramm Malz. Es kostet, je nach Sorte, zwischen fünf und zehn Euro. Dazu braucht man etwa 50 Gramm Hopfen für drei bis vier Euro und die dazu nötige Menge Hefe, die je nach Sorte mit fünf bis zehn Euro zu Buche schlägt. Aus der Kombination von Malz, Hopfen und Hefe mit den verschiedenen Temperaturen, Zubereitungszeiten, Ruhephasen, Gär- und Reifezeiten beim Brauvorgang entsteht ein unverwechselbares Bier. Rauchbier etwa entsteht mit Rauchmalz sowie einer kleinen Menge Röstmalz und dem passenden Hopfen.

Für Einsteiger mit wenig Vorwissen bieten die Hobbybrauershops im Internet auch Bier-Kits an. Sie gibt es auf Extrakt-Basis oder als fertige Mischung aus Malz, Hopfen und Hefe. Man benötigt nur Töpfe, Zucker und Wasser dazu. Der australische Online-Store Coopers etwa bietet beispielsweise 20-Liter-Sets für Pilsner, Indian Pale Ale (IPA) oder Dark Ale, die 12,90 Euro kosten.

Öko-Test warnt vor Schadstoffen in Bier-Brau-Sets

Doch Achtung: Auch bei den Bier-Brau-Sets gibt es große Unterschiede in der Qualität. So hat Öko-Test beispielsweise zehn Bier-Brau-Sets getestet, die allesamt enttäuschten. Mehr als die Hälfte der untersuchten Produkte schnitt mit der Note "mangelhaft" ab. Die Gründe: Der Geschmack des Gebrauten überzeugte die Tester nicht, die Anleitungen waren schwer verständlich und das Labor analysierte in vielen Brau-Equipments Schadstoffe. Wer auf der Suche nach einem geeigneten Bier-Brau-Set ist, sollte daher unbedingt darauf achten, dass keine Phthalate darin enthalten sind. Diese stehen im Verdacht, der Leber, den Nieren sowie den Fortpflanzungsorganen zu schaden.

Frank Bettenhäuser empfiehlt die Kits nur zum ersten Einstieg. "Man muss beim Hobbybrauen ausprobieren und experimentieren. Der Zufallsfaktor ist hier genau richtig", sagt Bettenhäuser. Das Wichtigste aber seien penible Sauberkeit – und Zeit. "In zwei Stunden lassen sich keine 20 Liter Bier produzieren. Einsteiger sollten sich einen Tag Zeit nehmen", empfiehlt Frank Bettenhäuser. Doch der wichtigste Teil ist der Brauvorgang nach "Maischplan". Ist das Malz nicht geschrotet, jagt man es durch eine Getreide- oder Kaffeemühle. Es muss grob zerkleinert sein. Nun wird Wasser auf 50 Grad erhitzt und die Temperatur genau mit dem Thermometer im Blick behalten. Malz einfüllen und etwa 30 Minuten ständig rühren. Daraufhin wird die Temperatur eine Stunde lang auf etwa 60 Grad erhöht und nur gelegentlich gerührt. Weiter geht’s mit der zweiten Rast bei 70 Grad, die ebenfalls eine Stunde dauert.

Jetzt gibt man etwas Maische in eine weiße Untertasse und tropft Jod hinzu, um zu messen, ob die Stärke in Zucker umgewandelt wurde. Färbt sich die Flüssigkeit blau, weiter kochen lassen. Verfärbt sich nichts mehr – alles perfekt, die Temperatur auf etwa 78 Grad erhöhen und gut rühren. Durch ein Sieb oder ein Leinentuch fließt die Würze in ein Gärfass und wird so vom Malz getrennt. Das kann noch eine weitere Stunde dauern. Danach wird die Stammwürze gemessen, korrigiert und der Topf zum Sieden gebracht. Nun kommt der Hopfen hinzu, alles wird erhitzt und der Heißtrub abgeschieden. Schnell den Würze-Topf im Kühlschrank oder der Badewanne mit kaltem Wasser auf 24 Grad abkühlen, Hefe zugeben und das Jungbier drei Wochen lang gären lassen. Zum Schluss folgt die Nachgärung, die etwa acht Wochen dauert.

"Jedes Bier schmeckt anders"

Das fertige Bier hält – je nach Hygiene bei der Produktion – zwischen zwei und sechs Monaten. 20 Liter Bier sind umgerechnet zwei Kisten – da spielt die Haltbarkeit kaum eine Rolle. Für insgesamt etwa 250 Euro steht eine gute Grundausstattung im Keller, die Zutaten Malz, Hopfen und Hefe kosten grob etwa einen Euro pro Liter. Nur eines funktioniert beim Brauen in der Küche nicht: Die Produktion von Bier im Holzfass, wie es ambitionierte Craft-Beer-Brauer anbieten. Das kleinste Rotweinfass, das Barrique, fasst 225 Liter. Um es zu füllen, müsste man bei 20 Liter Produktionsmenge elf Tage durchbrauen. In dieser langen Zeit würde die Gärung aber niemals sauber durchlaufen. 

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