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Umweltbundesamt fordert Mindesthaltbarkeitsdatum für Geräte

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Für längere Lebensdauer  

Bundesamt fordert Mindesthaltbarkeitsdatum für Geräte

26.06.2015, 11:10 Uhr | dpa

Umweltbundesamt fordert Mindesthaltbarkeitsdatum für Geräte. Weggeworfene Geräte (Quelle: imago/Steinach)

Geräte werden immer schneller weggeworfen. (Quelle: Steinach/imago)

Das Umweltbundesamt fordert ein Mindesthaltbarkeitsdatum für Geräte – vergleichbar zu der Kennzeichnung auf Lebensmitteln. Es möchte damit gegen geplante Obsoleszenz vorgehen und die Lebensdauer von Geräten erhöhen. 

Der Fernseher eine Nummer größer, die Espressomaschine in Edelstahl statt Plastik und das Smartphone noch etwas dünner: Die Bundesbürger kaufen nach Studien in immer kürzeren Abständen neue Elektrogeräte. Viele Altgeräte landen im Müll, obwohl sie noch funktionieren. "Spätestens wenn das alte Handy von anderen als Telefonzelle verspottet wird, sucht man sich ein Neues", klagt Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamts. Die Behörde hat der Verschwendung den Kampf angesagt. Doch der wird nicht leicht zu gewinnen sein.

Weiße Ware wird schneller neu gekauft

Waschmaschinen, Trockner und Kühlschränke werden heute nach 13 Jahren ersetzt, ein Jahr früher als noch vor zehn Jahren, wie das Amt ermittelt hat. Jedes dritte Gerät sei dann noch funktionstüchtig. Ein Fernseher werde alle fünfeinhalb Jahre gekauft, obwohl das Altgerät in 60 Prozent der Fälle noch laufe – dann womöglich in Schlaf- oder Kinderzimmer; die Zweitnutzung wurde nicht untersucht.

Keine Drucker mit Todesdatum

"Die Lebens- und Nutzungsdauer sinkt, die Entwicklungsdynamik wächst", fasst Krautzberger bei einer Tagung in Berlin zusammen und lässt untersuchen, ob Hersteller Geräte wie Fernseher, Drucker oder Mixer auch bewusst so bauen, dass sie zeitig kaputtgehen. Rainer Grießhammer, Geschäftsführer des Freiburger Öko-Instituts, sekundiert: "Was wir nicht wollen, sind Drucker mit eingebautem Todesdatum."

Alte Software macht Geräte unbenutzbar

Für den geplanten Produkttod hat die Stiftung Warentest bisher jedoch keinen Beweis finden können, wie Vorstand Hubert Primus sagt. "Das ist auch nicht das Hauptproblem." Die Warentester stört mehr, wenn Verbraucher Geräte nicht mehr nutzen können, weil Software vom Druckertreiber bis zum Betriebssystem nicht mehr aktualisiert wird. Wenn es nach wenigen Jahren keine Ersatzteile gibt. Oder wenn Smartphones und Tablets verklebt werden statt verschraubt - Reparatur ausgeschlossen.

Billigware geht schneller kaputt

Oft lohne sich die Reparatur aber nicht, räumt Primus ein. Fernseher etwa würden in Ländern wie China billig hergestellt, repariert werden müssten sie teuer in Deutschland. Selbst schuld ist aus Primus' Sicht aber, wer zu Billigware greift. "Wer für einen Staubsauger weniger als 80 Euro ausgibt, wird ein Gerät bekommen, dass schneller in die Knie geht." Bei Waschmaschinen liege die Grenze etwa bei 500 Euro.

Das Umweltbundesamt will mit einer einheitlichen, gesetzlichen Mindestlebensdauer-Kennzeichnung erreichen, dass Geräte länger halten und länger in Gebrauch bleiben. Solche Angaben gibt es bisher nur in Ansätzen: Notebook-Hersteller etwa müssen angeben, wie oft sich der Akku mindestens aufladen lässt. Leuchtmittelhersteller geben Betriebsstunden an.

Langlebiger ist umweltfreundlicher

Meistens gelte, je langlebiger, desto umweltfreundlicher, meint das Umweltbundesamt. Auch wenn die Werbung verspreche, dass die neueste Waschmaschine noch mehr Strom und Wasser spare. In den vergangenen Jahren habe es da keine großen Fortschritte mehr gegeben. Außerdem blende Werbung die Öko-Bilanz bei der Herstellung ebenso aus wie den Verlust von Rohstoffen beim Recycling des Altgeräts.

Von der Mindestlebensdauer-Kennzeichnung sind Industrie und Verbraucherschutz nicht überzeugt. "Solche Labels wären wünschenswert, aber sie müssen auch praktikabel sein", sagt Primus. Die Lebensdauer einheitlich zu ermitteln, sei schwierig. Ähnlich äußert sich der Branchenverband ZVEI. Geschäftsführer Klaus Mittelbach setzt auf Qualitätswettbewerb. "Die deutschen Hersteller werden alles tun, damit der Kunde beim nächsten mal auch wieder sein Produkt kauft."

Die Ursachen der Verschwendung 

UBA-Soziologe Christian Löwe sieht ohnehin tiefere Ursachen der Verschwendung. "Die Menschen kaufen ja nicht bewusst mehr. Sie denken, sie müssen es tun, weil andere es auch tun." Dies sei ein kulturelles Problem. "Das Aufholen-Wollen, das Dazugehören-Wollen spielt eine große Rolle." "Kurzlebigkeit als Überlebensstrategie" - aus Löwes Sicht ist das ein Teufelskreis.

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