26.09.2012, 16:48 Uhr | Yaw Awuku
PC-Verleiher fotografierten intime Momente ihrer Kunden. (Quelle: ddp/t-online.de)
Sieben Notebook-Verleiher und eine Softwarefirma aus den USA haben ihre Kunden per Webcam ausspioniert. Dies geht aus einem Urteil der US-Handelskommission FTC vom Dienstag hervor. Die Beschuldigten sollen Leih-Laptops mit einem Programm versehen haben, dass über die eingebauten Webcams heimlich Fotos der Kunden machte. Dabei wurden die Betroffenen auch beim Sex abgelichtet.
Laut der US-Handelskommission FTC (Federal Trade Commission) ist die Spyware "PC Rental Agent" auf etwa 420.000 Leih-Computern weltweit installiert. Die Software verfügt einen sogenannten "Detective Mode". Ist dieser Modus aktiviert, liest die Software automatisch alle Tastatureingaben auf einem Computer mit, fertigt Screenshots von Bildschirminhalten an und fotografiert regelmäßig alles, was sich in Sichtweite der Webcam des Leih-PC befindet. Die gesammelten Daten übermittelte "PC Rental Agent" anschließend an die Notebook-Verleiher.
Der Einsatz einer derartigen Spionage-Software ist in den USA nicht generell verboten. PC-Verleiher dürfen Programme wie "PC Rental Agent" nutzen, um gestohlene Geräte ausfindig zu machen oder Kunden aufzuspüren, die sich weigern Leihgebühren zu zahlen. Es ist jedoch verboten diese Software routinemäßig und vor allem und das Wissen der Kunden zu verwenden, urteilte die FTC. "PC Rental Agent" habe den Nutzer der Leih-PC sogar mit einem gefälschten Windows-Registrierungsfenster persönliche Kontaktinformationen entlockt. Mit diesen Methoden seien die angeklagten Firmen eindeutig zu weit gegangen.
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Wie aus dem Bericht der FTC hervorgeht befanden sich unter den gesammelten Kunden Daten Passwörter für E-Mail-Konten, soziale Netzwerke und Online-Banking sowie Sozialversicherungsnummern und private E-Mails. Die Fotosammlungen der Spyware dürfte die Betroffenen aber mindestens ebenso erschrecken. Nach Aussage der FTC zeigten die automatisch geknipsten Bilder neben Kindern und teils ausgezogenen Personen sogar Kunden bei "intimen Aktivitäten" in ihren eigenen vier Wänden.
Die Enthüllung der Spanner-Methoden hat für angeklagten Firmen jedoch nur einen "Klapps auf die Hand" zur Folge, wie das amerikanische Technik-Magazin Wired meint. Die FTC untersagte dem Software-Hersteller lediglich den Vertrieb von Software mit Funktionen wie "Detective Mode". Auch Software, die den Standort eines PC per GPS lokalisieren dürfe künftig nur mit dem Wissen und der Zustimmung der Endnutzer zum Einsatz kommen. Den sieben Notebook-Verleihern verbot die FTC gesammelte Kundeninformationen missbräuchlich zu nutzen – auch wenn mithilfe der Informationen Schulden eingetrieben werden sollen. Desweiteren stehen die Beschuldigten 20 Jahre unter Beobachtung der FTC.
Eine Sprecherin der US-Handelskommission erklärte Wired: "Wir haben keine strafrechtlichen Befugnisse, nur zivile". Daher könne die FTC allenfalls ein Bußgeld verhängen. Dies sei bei einem erstmaligen Vergehen aber ausgeschlossen. Allerdings würde die Handelskommission kriminelle Delikte an die entsprechenden Behörden weiterleiten, welche die Fälle in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiterverfolgen.
Quelle: Yaw Awuku
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