Sie sind hier: Home > Digital > Computer >

Google sucht die Grippewelle

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Suchmaschinen  

Google sucht die Grippewelle

12.11.2008, 11:20 Uhr | Sascha Plischke

Google Flu Trends: Die Grafik zeigt, wie gut die Google-Erhebungen den Daten der US-Seuchenkontrolle C.D.C. entsprechen. (Quelle: Google.org)Google Flu Trends: Die Grafik zeigt, wie gut die Google-Erhebungen den Daten der US-Seuchenkontrolle C.D.C. entsprechen. (Quelle: Google.org) will seine Suchmaschinentechnologie einsetzen, um den Ausbruch von Grippewellen früher vorhersagen zu können. Das Projekt Flu Trends soll dabei jedoch nicht nur eine Spielerei sein. Die Daten können Gesundheitsbehörden helfen, frühzeitig auf einen sprunghaften Anstieg der Grippeerkrankungen zu reagieren. Später soll das System auch bei der Überwachung anderer Infektionskrankheiten helfen – und am Ende vielleicht eine Supergrippe verhindern.

Google, YouTube und Co. Die wichtigsten Köpfe im Internet
Teure Webseiten Die wertvollsten Domains der Welt
Foto-Show Dreiste Internet-Märchen und Foto-Montagen

Grundlage für die Früherkennung einer Grippewelle sind die Suchanfragen der Google Nutzer. So entspricht die Entwicklung der Suchhäufigkeit nach Begriffen wie "Grippe Symptome" den gemeldeten Grippefällen der amerikanischen Seuchenzentrale Center of Disease Control and Prevention (C.D.C.). Einziger Unterschied: Die Google-Ergebnisse liegen deutlich schneller vor. Erste Tests der Google-Wohltätigkeitsgruppe Google.org haben gezeigt, dass Flu Trends im Schnitt zehn Tage schneller eine Grippewelle anzeigt als die Daten der C.D.C. Die verlässt sich bei der Früherkennung auf Meldungen von Ärzten und Medikamentenherstellern – und das braucht eben Zeit.

Grippe-Früherkennung rettet Leben

Dabei kann eine schnelle Erkennung einer Grippewelle Leben retten. "Je früher die Warnung kommt, desto früher können Vorsorge- und Kontrollmaßnahmen eingeleitet werden, und das kann Grippefälle verhindern", sagt zum Beispiel Dr. Lyn Finelli im Gespräch mit der US-Zeitung New York Times. Sie ist Leiterin der Grippeabteilung bei der C.D.C. In den USA erkranken jährlich zwischen fünf und zwanzig Prozent der Bevölkerung an der Grippe, so Finelli. Durchschnittlich 36.000 Amerikaner sterben an der Erkrankung. Doch nicht nur die Früherkennung einer normalen Grippewelle spielt eine Rolle – so könnte ein extremer Anstieg der Flu Trends auch auf eine Grippe-Epidemie hindeuten, die Behörden könnten sich rechtzeitig für die Supergrippe rüsten.

Studie bestätigt Zuverlässigkeit der Daten

Die Zuverlässigkeit der Daten bestätigt indes eine unabhängige Studie, in der die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Grippeerkrankungen und Suchanfragen bei Google-Konkurrenten Yahoo bestätigen konnten. Auch dort entsprach die Zunahme der Suchen einem Anstieg der Grippefälle. Die Köpfe von Google.org wollen deshalb die Aktivitäten von Flu Trend ausweiten. Bisher beobachtet der Dienst nur die USA, demnächst könnte Google aber auch Grippefälle in Europa oder Asien überwachen. Auch eine Beobachtung anderer Infektionskrankheiten wäre möglich. "Von der technologischen Perspektive aus stehen wir gerade erst am Anfang", sagte Google-Chef Eric E. Schmidt.

Google-Daten unterstützen Management-Analysten

Neben der Gesundheitsvorsorge ließe sich die Methode aber auch für deutlich profanere Zwecke einsetzen – zum Beispiel für die Geschäftsplanung. So haben interne Daten von Yahoo gezeigt, dass Suchanfragen ein guter Indikator für die Verkaufschancen bestimmter Unterhaltungselektronik sind. Die Daten der Suchmaschinen könnten überdies klassische Analyse-Methoden ergänzen: "Die meisten Vorhersagen sind im Grunde eine Extrapolation bestimmter Trends", so Hal Varian, Chef-Ökonom bei Google. "Das funktioniert erstaunlich gut, tendiert aber dazu, Trendwechsel zu verpassen." Die Google-Erhebungen könnten helfen, diese Schwäche auszubügeln, so Varian.

Kollektive Intelligenz erkennt unsichtbare Muster

Das Kollektiv der Suchmaschinen-Nutzer nimmt so mit jeder Suchanfrage an einer Erhebung zu den wichtigsten Trends der weltweiten Gesellschaft Teil. Für Experten ist dass schon die Zukunft der Analyse-Technik. "Das scheint ein wirklich cleverer Weg zu sein, die Daten zu nutzen, die unabsichtlich von den Google-Nutzern erzeugt werden, um Muster zu sehen die anderenfalls unsichtbar bleiben würden," fasst Thomas W. Malone, Professor der Sloan School of Management am renommierten Massachusetts Institute of Technology zusammen. "Ich denke wir kratzen gerade an der Oberfläche dessen, was mit kollektiver Intelligenz möglich ist."

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
Shopping
Sommerliche Zehentrenner von Birkenstock, Hilfiger u. v. m.
bei BAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Digital > Computer

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017