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Nigeria-Connection: Frau überweist 400.000 Dollar an Online-Betrüger

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Nigeria Connection  

Frau überweist 400.000 Dollar an Online-Betrüger

18.11.2008, 10:20 Uhr | Sascha Plischke

Immer wieder zockt die Nigeria-Connection gutgläubige Menschen ab. (Foto: dpa) Immer wieder zockt die Nigeria-Connection gutgläubige Menschen ab. (Foto: dpa) Schicke uns jetzt Geld, und wir lassen dich später an unserem Millionenvermögen teilhaben: Seit Jahren wollen Betrüger aus Nigeria mit solchen falschen Versprechen westlichen Opfern Geld aus der Tasche ziehen. In den USA ist nun eine Krankenschwester wieder auf die alte Masche der Online-Gangster hereingefallen und hat insgesamt 400.000 US-Dollar nach Afrika überwiesen. Weil sie den Trick der Betrüger nicht kannte, glaubte die Frau fest an den versprochenen Reichtum – nun ist sie hoch verschuldet.

Jeder Besitzer einer E-Mail-Adresse kennt die Mails aus Nigeria. Afrikanische Prinzen, Präsidentensöhne im Exil oder lange verlorene Verwandte bitten in langen Nachrichten um Hilfe. Nur etwas Geld bräuchten sie für Bestechungen und Gebühren, dann könnten sie ihr Millionenvermögen außer Landes schaffen. Zur Belohnung würde der großzügige Helfer aus dem Westen mit einem satten Anteil der geretteten Summe belohnt. Der Trick ist so alt, dass praktisch niemand mehr darauf hereinfällt – Geld an Unbekannte in Afrika zu schicken ist auch den Gierigsten oft zu heikel.

Betrüger kannten Namen des Großvaters

Janella Spears aus dem US-Bundesstaat Oregon kannte den Trick jedoch nicht. Und so dachte sie sich auch nichts dabei, als sich plötzlich angebliche Verwandte mit der Bitte um Hilfe meldeten. Der gemeinsame Großvater habe ein Vermögen hinterlassen, dass man nun noch vor den korrupten Behörden retten müsse. Außerdem nannten die Betrüger auch noch den korrekten Namen des Großvaters – schon hatte Spears angebissen. "Das war es, was mich die ganze Geschichte glauben ließ", sagt Spears später dem lokalen Fernsehsender KATU.

Falsche Dokumente von Banken und UN

Zuerst schickte die gelernte Krankenschwester nur 100 Dollar, sie wollte vorsichtig sein. Doch die Betrüger hatten sie am Haken – und wussten genau, wie sie ihr Opfer manipulieren konnten. Der ersten Summe folgten weitere kleinere Tranchen, ein paar hundert Dollar, dann tausend. Irgendwann kamen Spears Zweifel, doch die Betrüger besänftigten sie mit offiziell wirkenden Dokumenten der Bank of Nigeria und der Vereinten Nationen. Alles schien seine Ordnung zu haben, das Geld floss weiter.

Hochamtliche Post von Präsident Bush

Inzwischen hatte Spears ihre Ersparnisse aufgebraucht, sie brauchte das Geld jetzt dringend. Doch sie beruhigte sich mit dem Gedanken an die versprochenen Millionen. Alles würde gut werden, sie wollte glauben. Wann immer sie ihren angeblichen Geschäftspartnern von neuen Zweifeln berichtete, legten die neue, hochamtliche Dokumente nach. Am Ende erhielt Spears sogar Post von der Spitze des FBI und sogar Präsident George Bush persönlich: Terroristen würden die Millionen abgreifen, wenn Spears nicht mehr helfe – absurde Fälschungen, doch die Krankenschwester war in einem Teufelskreis. Mittlerweile hatte sie eine Hypothek auf Haus und Auto aufgenommen. um die Zahlungen nach Nigeria leisten zu können. Die Millionen waren nun lebenswichtig für sie – und so zahlte sie weiter. Die nächste Überweisung würde die letzte sein, ganz bestimmt.

Warnungen verhallten ungehört

Zwei Jahre ging das so, und obwohl Familie und Freunde Spears warnten, machte sie weiter. Sogar die Bank schaltete sich ein und versuchte sie, von den Überweisungen abzubringen. Doch Spears steckte zu tief drin. Als amerikanische Bundesbehörden schließlich auf den Fall aufmerksam wurden und der Sache einen Riegel vorschoben, hatte Spears sogar das Rentenkonto ihres Mannes aufgelöst und sich weiter verschuldet. Am Ende hatte sie 400.000 Dollar nach Nigeria überwiesen. Von den versprochenen Millionen würde sie keinen Cent sehen.

Teufelskreis aus Schulden und Gier

Es sei einer der schlimmsten Fälle von Online-Betrug, die er je gesehen habe, so ein mit dem Fall vertrauter Ermittler. Trotzdem habe er Verständnis für Spears. Die Gier, das viele schon überwiesene Geld, der Glaube an den reichen Lohn, all das macht es für die Opfer schwer, einfach aufzuhören. Es ist ein Teufelskreis. Deshalb hat Janella Spears jetzt ihre Geschichte dem Fernsehen erzählt, den Zeitungen, jedem der zuhören wollte. Sie hofft, so die Menschen vor der Besessenheit zu warnen, sie dazu zu bringen, auf warnende Stimmen zu hören. Sie selbst werde drei bis vier Jahre brauchen, um allein die entstandenen Schulden zurück zu zahlen. Ihre Rücklagen fürs Alter sind unwiederbringlich verloren – alles nur wegen des Traums vom nigerianischen Topf voll Gold.

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