26.09.2012, 09:59 Uhr | Andreas Lerg
Die Facebook Timeline wurde im Herbst 2011 von Zuckerberg vorgestellt. (Quelle: AP)
Große Aufregung unter Facebook-Nutzern: In den letzten Tagen berichteten immer mehr Mitglieder des sozialen Netzwerks, dass Facebook plötzlich alte private Nachrichten öffentlich zeige. Eine Panne oder gar eine Sicherheitslücke soll dafür verantwortlich sein, dass in der Timeline verschiedener Nutzer plötzlich alte Nachrichten auftauchen, die nicht für alle Augen bestimmt sind. In Frankreich ist die Aufregung so groß, dass sich bereits die nationale Datenschutzbehörde eingeschaltet und Facebook-Mitarbeiter befragt hat.
Die französische Gratiszeitung Metro hatte am Montag als Erste darüber berichtet, dass private Nachrichten aus den Jahren 2007, 2008 und 2009 unerwartet in der Chronik von Nutzern auftauchen und für jeden sichtbar seien. Die Empörung war groß und die Meldung verbreitete sich sofort über Facebook und Twitter. Auch in Großbritannien tauchten bald die ersten Nutzer-Beschwerden dazu auf. Die französische Datenschutzbehörde CNIL leitete eine Untersuchung ein und befragte am Dienstag mehrere Facebook-Manager, wie es zu der Datenpanne hatte kommen können.
Statt um eine Datenpanne handelt es sich wohl aber um einen harmlosen Vorgang – ein Missverständnis dürfte Ursache für die Aufregung sein. Seit Mitte August stellt Facebook schrittweise alle Nutzerkonten auf die neue Timeline um. Nach und nach wird die Änderung nun bei allen Nutzern sichtbar, im Herbst sollen alle Konten umgestellt sein. Mit der Timeline kann man über eine Navigationsleiste mit Jahreszahlen sehr leicht in die Facebook-Vergangenheit des Nutzers zurückblättern. Die Nutzer finden also deutlich schneller und leichter alte Einträge auf ihrer Pinnwand.
Laut Facebook ist es also ein Missverständnis, dass Nutzer glauben, Facebook mache hier plötzlich alte private Nachrichten öffentlich. "Das sind nur Pinnwandeinträge und keine persönlichen Nachrichten. Die Menschen haben einfach vergessen, wie sie früher die Pinnwand nutzten," zitiert das Wall Street Journal einen Facebook-Mitarbeiter, der berichtet, dass alle Beschwerden nachgeprüft wurden. Technisch sei es laut Facebook unmöglich, dass Privatnachrichten in Pinnwandeinträge umgewandelt werden.
Das Missverständnis beruht nach der Analyse von t-online.de vor allem darauf, dass es früher weder den Like-Button, noch die Kommentarfunktion für Beiträge gab. Der Gefällt mir-Knopf wurde erst im Frühjahr 2010 eingeführt. Nutzer haben früher einfach mit einem neuen Pinnwandeintrag geantwortet, wenn sie auf den Eintrag eines anderen reagieren wollten. Deshalb können diese uralten Dialoge auf der Pinnwand optisch durchaus mit Chats oder Privatnachrichten verwechselt werden. Doch diese öffentlich sichtbaren Einträge waren schon immer vorhanden, nur einfach in Vergessenheit geraten.
Gewusst wie: So räumt man den überfüllten Nachrichteneingang im sozialen Netzwerk wieder auf. zum Video
Facebook will mit der Timeline-Darstellung, die im Herbst 2011 erstmals vorgestellt wurde, das ganze Leben seiner Nutzer im Internet abbilden. Besonders deutlich wird das im Image-Video, das Facebook zur Timeline ins Netz gestellt hat: Es zeigt das Leben eines Menschen von seiner eigenen Geburt bis zur Geburt seiner Kinder. So können wir mit anderen teilen, welche Musik wir hören, welche Filme wir schauen, wann wir joggen, was wir kochen, wo wir arbeiten, wann wir uns verlieben, heiraten oder trennen.
Quelle: Andreas Lerg
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