09.10.2012, 14:13 Uhr | Andreas Lerg
Facebook scannt private Nachrichten und erzeugt automatisch Likes. (Quelle: imago)
'Gefällt mir'-Angaben auf Facebook werden des Öfteren manipuliert, mal durch übermotivierte Mitglieder, mal durch gekaufte Fans. Das Wall Street Journal hat nun darauf aufmerksam gemacht, dass auch Facebook bei der Manipulation kräftig mitmischt. Das Unternehmen scannt private Nachrichten und vergibt darin verlinkten Internetseiten automatisch eine 'Gefällt mir'-Angabe. Das geschieht ganz ohne Zutun, Wissen und Einflussmöglichkeit des Nutzers.
Nutzer, die eine Internetseite mögen und das auf Facebook mitteilen wollen, können den 'Gefällt mir'-Knopf auf der jeweiligen Seite anklicken. Das Digits-Blog des Wall Street Journals hat mit Hilfe des Sicherheitsexperten Ashkan Soltani herausgefunden, dass Facebook seinen Nutzern diesen Vorgang aber auch gerne abnimmt – ungefragt. Denn sobald ein Nutzer über die Nachrichtenfunktion einem anderen Facebook-Mitglied einen Link zu einer Internetseite sendet, erhält diese Seite automatisch eine weitere 'Gefällt mir'-Angabe, ein so genanntes Like.
Ist auf der genannten Seite ein 'Gefällt mir'-Knopf mit Zähler eingebaut, zählt die Seite nach dem Versand der Nachricht ein 'Gefällt mir' mehr als zuvor. t-online.de kann den Vorgang bestätigen: Jeder verschickte Link sorgte unmittelbar nach dem Klick auf Senden dafür, dass der Zähler der Seite nach oben kletterte.
Das Ganze geschieht vollautomatisch und der Nutzer wird nicht gefragt, ob er der Seite tatsächlich sein Wohlwollen aussprechen will. Sendet der Nutzer beispielsweise eine Nachricht, in der er eine Internetseite kritisiert, wird er sicherlich nicht wollen, dass er dort eine 'Gefällt mir'-Angabe hinterlässt. Aber damit nicht genug. Auf Internetseiten können die Facebook-Likes auch mit dem Profilbild der Nutzer angezeigt werden, die auf 'Gefällt mir' geklickt haben. Es kann also geschehen, dass eine Internetseite einen Facebook-Nutzer darüber öffentlich als Sympathisanten anzeigt, ob wohl er diese Seite nicht befürwortet oder sogar strickt ablehnt.
Dass Facebook private Nachrichten scannt, ist nicht neu. Das Unternehmen blockiert beispielsweise Links zu Torrent-Seiten wie The Pirate Bay, sucht nach Spam und Sicherheitsrisiken, aber auch nach angekündigten Straftaten. Hacker haben längst eine Methode gefunden, wie dieser Vorgang automatisiert werden kann. In einem Video zeigen Sie, wie sie mit Facebooks eigener Programmierschnittstelle in wenigen Minuten ein kleines Programm gebastelt haben, dass die 'Gefällt mir'-Angaben auf Internetseiten in die Höhe treibt. Aber was können gekaufte Fans und gefälschte Likes bringen? Dem unbedarften Nutzer täuschen sie ein Meinungsbild vor: Was viele Menschen mögen, kann so schlecht nicht sein. Doch diese "technischen Likes" repräsentieren keine echte Meinung, weil der Nutzer die Seite eben nicht mag oder aktiv weiter empfiehlt.
Quelle: Andreas Lerg
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