05.09.2011, 12:57 Uhr | t-online, dapd, AP
Den Autoren der falschen Twitter-Meldungen drohen bis zu 30 Jahren haft. (Quelle: imago)
Unfälle, stehengelassene Autos und überlastete Notrufleitungen – die Nachricht über eine Geiselnahme auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hat in Mexiko eine wahre Massenpanik ausgelöst. Dabei war Twitter-Meldung bloß ein Scherz und die Geiselnahme erfunden. Dennoch: Den Urhebern der Falschmeldung drohen bis zu 30 Jahren Haft.
Am 25. August löste ein Mathelehrer mit einem üblen Scherz auf Twitter eine Massenpanik in der mexikanischen Stadt Veracruz aus. "Meine Schwägerin hat mich gerade verstört angerufen, sie haben gerade fünf Kinder aus der Schule entführt", schrieb der 48-Jährige aus Spaß. In Wahrheit gab es gar keine Geiselnahme. Doch eine Radiomoderatorin gab die Nachricht über das soziale Netzwerk weiter – und da in Veracruz die Nerven aufgrund eines Bandenkrieges blank lagen, folgten chaotische Zustände. "Wir hatten hier 26 Autounfälle, Leute ließen ihre Autos mitten auf den Straßen stehen, um ihre Schulkinder zu holen", sagte Gerardo Buganza, der Innenminister des Bundesstaates Veracruz. Notrufleitungen brachen zusammen und waren so für echte Notfälle unerreichbar.
Sowohl der Mathelehrer als auch die Radiomoderatorin stehen nun unter Anklage. Die Behörden werfen ihnen vor, mit den Falschmeldungen Panik und Chaos in der Stadt Veracruz verbreitet zu haben. Buganza verglich die Ereignisse mit der Panik, die Orson Welles im Jahr 1938 mit seiner Rundfunksendung Krieg der Welten auslöste. "Das war wenig im Vergleich zu dem, was hier passierte", sagte der Politiker. Den beiden Angeklagten werden Terrorismus und Sabotage vorgeworfen, die Höchststrafe wären 30 Jahre Gefängnis. Das dürfte die bislang womöglich härteste Strafe wegen Twitter-Meldungen sein.
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Die Anwälte der beiden Angeklagten hielten den Vorwürfen entgegen, dass ihre Mandanten nur Gerüchte aus dem Internet weitergegeben hätten. "Wie können die mir das antun, weil ich eine Nachricht retweetet habe? Ich meine, das sind nur 140 Zeichen, das ist unlogisch", ließ die Radiomoderatorin über ihre Anwältin ausrichten. Im Internet kursieren bereits Petitionen für die Freilassung der Angeklagten.
Quelle: t-online, dapd, AP
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