12.12.2011, 17:00 Uhr | dpa, dapd, t-online.de, t-online.de, dapd, dpa
Datenschützer nehmen die Gesichtserkennung von Google+ unter die Lupe. (Quelle: imago)
Nach Facebook führt nun auch Google+ eine automatische Gesichtserkennung für Fotos ein – ein rotes Tuch für Datenschützer. Doch im Gegensatz zu seinem Konkurrenten stößt der Ansatz Googles weitgehend auf Gegenliebe. Nur eine deutsche Ministerin beäugt die Gesichtserkennung von Google+ kritisch.
Das Online-Netzwerk Google+ führt eine Funktion zur Gesichtserkennung auf Bildern ein. Sie soll es Nutzern erleichtern, ihre Kontakte im eigenen Fotoalbum zu markieren. Der Facebook-Konkurrent betonte, sich bei der Umsetzung an die Vorgaben deutscher Datenschützer gehalten zu haben. "Wir wissen, dass der Datenschutz bei Gesichtserkennungs-Technologie eine empfindliche Angelegenheit ist", sagte der Datenschutzbeauftragte von Google, Peter Fleischer. Konkurrent Facebook liegt derzeit wegen einer ähnlichen Funktion mit Behörden im Clinch. Das Feature bei Google+ soll in den nächsten Tagen weltweit verfügbar sein.
Die neue Funktion mit dem Namen Find my face sei anders als bei Facebook standardmäßig ausgestellt, sagte Fleischer. Wenn die Mitglieder von Google+ sich für die Nutzung entschieden, erstelle das System zunächst ein Modell ihres Gesichts. Dann durchsuche es die Fotos der eigenen Kontakte im Netzwerk und schlage diesen vor, die Bilder mit Namen zu versehen. "Nur Leute, mit denen ich in Kontakt stehe, werden Vorschläge erhalten", so Fleischer. Mitglieder sollen die Funktion jederzeit wieder abschalten können. Die Markierungen auf den Fotos der Freunde sind dann aber weiter zu sehen.
Die Gesichtserkennung für Fotos in sozialen Netzwerken kommt bei deutschen Datenschützern höchst unterschiedlich an. Insbesondere Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gab sich eher skeptisch. Die Technologie der Gesichtserkennung sei "grundsätzlich kritisch zu beurteilen" und kündigte in der Augsburger Allgemeinen eine "eingehende" Prüfung an, sobald die neue Funktion zugänglich sei. Aigner hielt dem US-Unternehmen allerdings zugleich zugute, dass das Unternehmen die Behörden vor Freischaltung der neuen Anwendung über das Projekt informiert habe und bemüht scheine, "die Fehler von Facebook nicht zu wiederholen".
Aus ähnlichen Gründen bewertete der zuständige Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar die Versprechungen von Google positiv. So sei vorgesehen, dass eine Erfassung biometrischer Daten nicht ohne Zustimmung der Nutzer erfolge. Seine Behörde müsse die Aussagen noch überprüfen. "Die Ankündigungen legen aber durchaus den Schluss nahe, dass Google, anders als Facebook, offenbar erkannt hat, dass eine erfolgreiche Einführung von Diensten mit neuen Technologien gerade auch die Belange des Datenschutzes berücksichtigen sollte", erklärte der Jurist. Caspar sagte, er erhebe derzeit "keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine automatisierte Gesichtserkennung", betonte aber: "Entscheidend ist, dass diese nicht gegen nationales und europäisches Datenschutzrecht verstößt."
Dies sieht der Datenschützer bei Facebook. Caspar wirft dem Sozialen Netzwerk vor, die Gesichtserkennung in Europa eingeführt zu haben, ohne die Nutzer zu informieren und eine "unmissverständliche Einwilligung" einzuholen. Er will über eine Ordnungsverfügung dafür sorgen, dass das Unternehmen seine Einstellungen ändert. Caspar ist sowohl für Google als auch für Facebook zuständig, weil beide Unternehmen in Hamburg ihren Deutschland-Sitz haben. Google hat auch den Datenschutzbeauftragten von Irland informiert – dort ist der Europasitz. Hingegen sah sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar am Freitag nicht "berufen", auf die Gesichtserkennung bei Google+ zu reagieren. Er verwies hingegen auf seinen Kollegen Caspar.
Techniken zur Gesichtserkennung kommen bereits vielfach zum Einsatz, mittlerweile auch in diversen Produkten für Endverbraucher. So gibt es Bildbearbeitungsprogramme, die damit die Markierung von Personen erleichtern – ähnlich wie bei Facebook und Google+. In der neuen Version seines Betriebssystems Android hat Google zudem eine Funktion eingeführt, die eine Entsperrung von Smartphones per Gesichtserkennung ermöglichen soll.
12.12.2011, 17:00 Uhr | dpa, dapd, t-online.de, t-online.de, dapd, dpa
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