16.04.2012, 13:53 Uhr | dpa, t-online.de
Google-Guru Sergey Brin sieht die Freiheit im Internet bedroht. (Quelle: ddp)
Google-Mitgründer Sergey Brin sieht die Freiheit im Internet in Gefahr. Im Interview mit der britischen Zeitung The Guardian wetterte der 38-jährige Internet-Guru unter anderem gegen Facebook. Das soziale Netzwerk verstecke sich in "vermauerten Gärten" vor den Suchmaschinen und unterwandere so die Prinzipien eines offenen Internet.
Sergey Brin programmierte zusammen mit Larry Page die Suchmaschine Google. Laut dem Internet-Milliardär wäre dies nicht möglich gewesen, wäre das Netz seinerzeit bereits so von Apple und Facebook dominiert gewesen wie heute. Die Informationen, die beispielsweise in den Apps von Apple steckten, seien im Netz nur für Apple-Nutzer auffindbar. Ebenso stelle Facebook Regeln auf, die den freien Informationsfluss im Internet behinderten. Die Entwicklung von Google "funktionierte nur, weil das Netz so offen war. Wenn es erst einmal zu viele Regeln gibt, wird jede Innovation erstickt", sagte Brin.
Google und Facebook streiten sich seit Jahren um Nutzerdaten. Google sperrte im Herbst 2010 dem weltgrößten Online-Netzwerk den Zugang zur Auswertung von E-Mail-Adresslisten – um Druck auf Facebook auszuüben und das Unternehmen dazu zu drängen, seine Datenbestände zu öffnen. Facebook bietet Nutzern an, ihre Kontaktlisten bei großen E-Mail-Anbietern wie GMail oder Hotmail zu durchsuchen, um schneller ihre Bekannten auch bei dem Sozialen Netzwerk zu finden. Im dem Interview bekräftigte Brin die Kritik: "Facebook hat viele Jahre lang GMail-Kontakte rausgesaugt." Gleichzeitig mache es die Firma von Mark Zuckerberg den Anwendern nicht leicht, ihre Daten von Facebook zu einem anderen Dienst wie Google+ umzuziehen.
In harschen Worten kritisierte Brin die Unterhaltungsindustrie, die nach einer gesetzlichen Grundlage zur Blockade von unrechtmäßig kopierten Inhalten im Netz verlange. US-Gesetzesentwürfe wie SOPA und PIPA, die von der Musik- und Filmbranche befürwortet werden, führten die USA in denselben Ansatz, den auch China und der Iran bei ihrer Zensur verwendeten. "Die Unterhaltungsindustrie hat versagt, weil sie nicht einsieht, dass die Leute solange Piraten-Inhalte herunterladen, solange es nicht einfacher ist, sich rechtmäßig erworbene Inhalte zu beschaffen."
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Brin kritisierte auch den zunehmenden Einfluss verschiedener Regierung auf die Freiheit im Internet. In Russland werde versucht, die Bloggerszene zu unterdrücken, welche die Proteste gegen Ministerpräsident Wladimir Putins Politik organisiert. Der Iran plane angeblich ab dem Sommer die Einführung eines geschlossenen "nationalen Internets". Brin räumte ein, dass Google hin und wieder Daten an die US-Behörden übergeben müsse. Sein Unternehmen tue alles Mögliche zum Schutz der Daten und habe viele Anfragen zur Datenherausgabe abwehren können. "Wenn wir durch Zauberhand nicht mehr unter US-Recht fallen würden, wäre das großartig."
Noch vor fünf Jahren hätte Sergey Brin nicht gedacht, dass China oder ein anderes Land das Internet dauerhaft kontrollieren könnte, jetzt müsse er aber zugeben, dass er sich geirrt habe: "Ich hätte nie gedacht, dass man den Geist in die Flasche zurückbekommen könnte, aber jetzt sieht es so aus, als ob der Geist zumindest teilweise zurück in die Flasche gedrückt würde", sagte er. "Ich bin besorgter als je zuvor. Es ist beängstigend."
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Im Netz stießen die Meinungsäußerungen von Brin auf ein geteiltes Echo. Während manche Netz-Anwender den Einsatz für ein offenes Internet lobten, warfen andere dem Google-Mitbegründer vor, letztlich nur die kommerziellen Interessen des Unternehmens im Blick zu haben. "Die Google-Version des Open Web scheint sehr einfach: Lasst uns an alles rankommen", schrieb Chris Matyszczyk im Portal CNET. "Egal ob es sich um Bücher, Straßen, Häuser, Facebook-Konten, iPhoto-Sammlungen oder um die Überreste von Ihrer Spaghetti Bolognese handelt."
Quelle: dpa, t-online.de
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