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92-Jähriger verschickt über 300.000 Raubkopien

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92-Jähriger verschickt über 300.000 Raubkopien

30.04.2012, 15:49 Uhr | Yaw Awuku

In acht Jahren gab Hyman Strachman über 30.000 US-Dollar für Raubkopien aus. (Quelle: imago)

In acht Jahren gab Hyman Strachman über 30.000 US-Dollar für Raubkopien aus. (Quelle: imago)

Einer der wahrscheinlich aktivsten Raubkopierer ist ein 92-jähriger Kriegsveteran in den USA. Laut The New York Times fertigte der Mann aus Long Island jährlich bis zu 80.000 Raubkopien aktueller Kinostreifen an.Vor der Filmindustrie, sonst durchaus klagewillig, muss sich der 92-Jährige wahrscheinlich nicht fürchten.

Hyman Strachman ist ein 92-jähriger Veteran des Zweiten Weltkrieges. Nachdem seine Frau 2003 starb, legte sich der Witwer ein etwas ungewöhnliches Hobby zu: Er begann, Raubkopien an amerikanische Soldaten im Irak und in Afghanistan zu schicken. Eine Internetseite, die Wünsche von Soldaten in Krisengebieten sammelt, hatte ihn auf die Idee gebracht. Filme standen dort ganz oben auf dem Wunschzettel. So hat er seit 2004 schätzungsweise über 300.000 Raubkopien begehrter Hollywood-Streifen erstellt und in Päckchen mit maximal 84 Scheiben an die Front verschickt.

Raukopien für einen guten Zweck

Ganz anders als die üblichen Raubkopiererringe, verlangt Strachman für die illegalen Kopien jedoch kein Geld. Er erstellt und verschickt die Raubkopien auf eigene Kosten. Meist kauft er die Filme für etwa fünf US-Dollar bei illegalen Händlern. Dabei handelt es sich entweder um in Kinos abgefilmte Blockbuster oder Studioschnitte, die schon vor Kinostart an die Öffentlichkeit gelangt sind. Anfangs kopierte der 92-Jährige die DVDs in mühsamer Arbeit einzeln am PC. Inzwischen hat er aber 400 US-Dollar in einen professionellen Duplikator investiert – damit lassen sich in einem Schwung gleich sieben Kopien erstellen. Über die Jahre hinweg habe er etwa 30.000 US-Dollar (etwa 23.000 Euro) für Rohlinge ausgegeben, schätzt Strachman. Für jedes Päckchen kämen dann nochmal 11 US-Dollar Porto dazu.

Kinoabende an der Front

In den Krisenregionen kommen die Raubkopien gut an. Wie eine Reservistin der New York Times erzählte, würden sich die Soldaten zu Videoabenden vor ihren Computern versammeln, während im Hintergrund die Mörser krachten. "Es gibt ihn einen Bezug zu all den Dingen, die Sie verpassen", sagte die Frau. Unter den US-Soldaten hat Hyman Strachman sogar schon einen Spitznamen – "Big Hy". Die Soldaten bedanken sich bei dem 92-jährigen Veteranen mit Briefen und Fotos, auf denen sie seine Päckchen in die Höhe halten. "Jedes Mal wenn ich eine emotionale E-Mail oder einen Brief bekam, schickte ich ihnen noch ein Päckchen" sagte Strachman.

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Der umtriebige Senior ist sich sehr wohl bewusst, dass er massiv gegen das Urheberrecht verstößt. Er würde die Vorlagen seiner Kopien sofort zerstören, sobald er sie bis zu einer gewissen Anzahl vervielfältigt habe, erklärte er. Zudem werde sein Hobby, das ihn derzeit noch 60 Stunden pro Woche beschäftigt, bald ein Ende haben. "Es ist sowieso alles vorbei – sie werden in naher Zukunft alle zurückkommen", sagte er über die US-Truppen in einem Interview.

92-Jähriger vor Filmindustrie sicher?

Die Filmindustrie dürfte dennoch weniger Begeisterung für die Wohltätigkeit des Mannes aufbringen. Durch illegal kopierte DVDs entgehen der Industrie Einnahmen in Milliardenhöhe – auch wenn diese vorwiegend von kriminell organisierten Banden in Osteuropa und China verbreitet werden. Zudem investiert Hollywood selbst einiges an Geld und Aufwand, um kinotaugliche Filmkopien und Projektoren in die Einsatzgebiete der US-Truppen zu schicken.

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Auf die Frage, warum die Filmindustrie ihn noch nicht verklagt habe, äußerte der 92-Jährige die Vermutung, dass er wahrscheinlich zu alt sei. Howard Gantman, Sprecher des Filmverbandes MPAA (Motion Picture Association of America) vermutet, dass die Filmstudios gar nichts von Hyman Strachman wissen. Da er kein Geld mit den Raubkopien verdiene, sei man auch von Seiten der MPAA noch nicht gegen ihn vorgegangen. "Wir sind dankbar, dass die Unterhaltung, die wir produzieren, ihnen [den Soldaten] etwas Vergnügen bereiten kann, während sie nicht in der Heimat sind", sagte er. Es wäre wahrscheinlich auch schwierig, rechtliche Schritte gegen einen 92-jährigen Witwer einzuleiten, der die Truppen unterstützt, vermutet die New York Times.

Quelle: Yaw Awuku

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