30.07.2012, 13:57 Uhr | Christian Fenselau
Es ist keine leichte Aufgabe, das Internet grafisch darzustellen. The Internet Map ist ein Projekt des russischen Entwicklers Ruslan Enikeev, das genau diesen Versuch macht – und der ist gelungen: Hier sieht das Internet aus wie eine Sternenkarte. Kreise in verschiedenen Größen und Farben zeigen einzelne Internetseiten an, die Entfernung voneinander hat ebenfalls eine Bedeutung. Die Landkarte lädt zum Stöbern ein, immerhin 350.000 Seiten aus 196 Ländern wurden erfasst.
Der Aufbereitung der Internet-Karte liegen komplizierte mathematische Formeln zugrunde. Das Rechenergebnis ist eine Darstellung, in der der Nutzer beliebig hin und her scrollen und hineinzoomen kann. Die unterschiedlichen Farbe symbolisieren die Länderzugehörigkeiten, Seiten mit ".de"-Endung sind dunkelblau. Türkis sind Seiten mit ".com"-Endung dargestellt. Zu ihnen gehören die größten Flecken, das sind Google, Facebook und YouTube. Das überrascht nicht, denn die Zugriffszahlen der jeweiligen Seiten bestimmt die Größe des Kreises auf der Karte.
Nicht nur die Größe der einzelnen Seiten hat eine Bedeutung, sondern auch die Entfernung voneinander. Sie ist das Ergebnis des Surf-Verhaltens der Internet-Nutzer selbst – je weniger Mausklicks der Nutzer zwischen den Seitenaufrufen, desto näher die Kreise. Befinden sich zum Beispiel mehrere unterschiedliche Reiseportale dicht beieinander, zeigt dies, dass sich viele Nutzer bei verschiedenen Anbietern direkt nacheinander stöbern. Dadurch lässt sich auf der Karte vielleicht ein Anbieter ausfindig machen, den man noch gar nicht kennt. Zudem gruppiert die Karte Internetseiten ähnlichen Inhalts zueinander. Daher ist es kaum verwunderlich auf der riesigen Karte auch einen großen Haufen bunt zusammengewürfelter Sex-Seiten aus aller Herren Länder zu entdecken.
The Internet Map offenbart auch manch weniger naheliegende Tatsache. Viele Serviceseiten für Haus und Garten sind auffällig dicht beim Auktionsportal eBay platziert – es ist daher gut möglich, dass Gartenbesitzer dort häufig ein- oder verkaufen. Ein anderes Beispiel: Die Kreise von einigen Universitätsseiten liegen ziemlich dicht bei denen von Pizzabringdiensten. Unterstellt man, dass Universitätsseiten häufig von Studenten besucht werden, liegt es nahe, das Studenten auch besonders gerne ihre Pizza über das Internet bestellen.
Quelle: Christian Fenselau
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