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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg weist Schuld an Trump-Sieg von sich

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Facebook und die US-Wahl  

Zuckerberg will nicht schuld an Trump sein

11.11.2016, 15:18 Uhr | Fabian Reinbold, Spiegel Online

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg weist Schuld an Trump-Sieg von sich. Facebook-Chef Mark Zuckerberg wehrt sich gegen Vorwürfe. (Quelle: Reuters/Archivbild)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg wehrt sich gegen Vorwürfe. (Quelle: Archivbild/Reuters)

Facebook steht unter Beschuss, weil das Netzwerk im US-Wahlkampf Lügen verbreitet und so wohl indirekt Trump geholfen hat. Gründer Zuckerberg nennt die Kritik "ziemlich verrückt" – dabei weiß er es selbst besser.

Bei der großen Ursachensuche, die nach dem Wahlsieg Donald Trumps eingesetzt hat, landen viele Beobachter bei der Rolle Facebooks. Das Netzwerk, für fast jeden zweiten Amerikaner eine wichtige Nachrichtenquelle, hat durch seinen Algorithmus, der den Nutzern die Welt ordnet, zur Radikalisierung zumindest beigetragen.

Unter anderem, weil die Logik Facebooks offensichtliche Falschmeldungen in die Timelines gespült hat – und damit auch den Wahlsieg jenes Kandidaten, der hemmungsloser auf Unwahrheiten setzte, zumindest begünstigt hat.

Doch Mark Zuckerberg will nicht schuld sein an Trump. Der Facebook-Chef hat die Vorwürfe, die in Amerika ebenso wie in Europa diskutiert werden, jetzt deutlich zurückgewiesen. Er persönlich denke, sagte er, die Vorstellung sei "ziemlich verrückt", dass Falschmeldungen auf Facebook "die Wahl in irgendeiner Weise beeinflusst" hätten.

Das Leben sei entscheidend

Fake-Geschichten seien nur ein kleiner Teil der Inhalte auf Facebook und Wähler würden zudem ihre Entscheidungen auf der Basis von Erlebnissen in ihrem Leben treffen, sagte der 32-jährige Facebook-Gründer.

Ziemlich verrückt ist aber eher, wie klein sich Zuckerberg hier macht. Das wichtigste Netzwerk der Welt als ein unbedeutendes Rädchen bei der politischen Meinungsbildung? Zwar ist Zuckerberg nicht bekannt dafür, sich in der Öffentlichkeit allzu kritische Gedanken zur Rolle seines Imperiums zu machen. Doch sein kategorisches Verneinen eines Einflusses auf die Wahl liegt so quer zu allem, zur Debatte in der Öffentlichkeit, zu den Fragen seiner Mitarbeiter, zu den Eindrücken dieses Wahlkampfes, dass er es dabei kaum belassen kann.

Zuckerberg ist in denial, Zuckerberg blendet die Realität aus, lautet dementsprechend das Echo in amerikanischen Medien.

Mehr Dreck von rechts

In einem Gespräch mit einem Journalisten auf einer Tech-Konferenz in Kalifornien wehrte sich Zuckerberg heftig gegen den Vorwurf, die Falschmeldungen wären ein Vorteil für Trump gewesen. "Warum sollte es Falschmeldungen nur auf der einen und nicht auf der anderen Seite geben?", fragte er.

Schmutzige Halb- und Unwahrheiten wurden tatsächlich von beiden Seiten verbreitet. Aber: In der Regel waren es Pro-Trump und Anti-Clinton-Falschmeldungen, die besonders viral gingen, sich besonders weit verbreiteten. So zeigte etwa eine Recherche des US-Portals "Buzzfeed", dass knapp doppelt so viele Lügen aus dem Netzwerk rechtspopulistischer Seiten kamen wie von linker Seite. Außerdem wies "Buzzfeed" nach, dass viele Fake-Nachrichten zum US-Wahlkampf, die von Facebooks Funktionsweise profitierten, von Geschäftemachern aus Mazedonien stammten.

Mehr Lüge als Wahrheit

Diese Falschmeldungen verbreiteten sich so rasant, weil Menschen gern teilen, ohne zu lesen, und weil Facebooks Algorithmus vom Prinzip her Inhalte bevorzugt, die viel geteilt werden, so hanebüchen sie manchmal auch sind. Richtigstellungen, die es in diesem Wahlkampf auch gab, erreichten weniger Aufmerksamkeit.

So wurde etwa die vermeintliche Nachricht, der Papst habe zur Wahl Trumps aufgerufen, mehr als 960.000 mal geteilt. Eine kurz darauf veröffentliche Meldung einer Anti-Fake-Seite erreichte nur 34.000 Shares. Wenn Zuckerberg nun darauf verweist, Nutzer könnten Fake-Artikel melden, trifft das nicht den Kern des Problems – zumal Facebooks Melde- und Löschentscheidungsprozesse nicht gut funktionieren.

Echokammern? Welche Echokammern?

Noch nicht einmal die Existenz von Echokammern auf Facebook wollte Zuckerberg eingestehen. Sein Netzwerk biete Nutzern diversere Informationen als traditionelle Medien, sagte er, und verwies auf eine von Facebook selbst unterstützte Studie.

Dabei zeigte die Studie sehr wohl, dass der Algorithmus seine Mission erfüllt: Er sortiert den vom Einzelnen nicht zu bewältigenden Inhaltsschwall so, dass jeder Nutzer das sieht, was ihn vermeintlich am meisten interessiert. Das "Wall Street Journal" hat eindrucksvoll visualisiert, wie sehr sich die Timeline von einem Nutzer, der als konservativ verordnet wird, von der eines Liberalen unterscheidet: rote Welt hier, blaue Welt dort.

Das, was Zuckerberg zum Thema Wahlkampf sagte, war in der bekannten Facebook-Tonart gehalten. Das Netzwerk, das für viele Menschen zur wichtigsten (Des-)Informationsquelle im Netz geworden ist, präsentiert sich in offiziellen Stellungnahmen weiter als neutrale Plattform, nicht als Medium, das redaktionelle Entscheidungen trifft, nach dem Motto: Der Algorithmus wird's schon richten.

Sorgen der Mitarbeiter

In Wahrheit werden die redaktionellen Entscheidungen, die das Netzwerk trifft, immer wichtiger und ernten immer öfter Kritik – weil ihre Auswirkungen immer deutlicher werden. Eine gesetzliche Verpflichtung hat Facebook nicht, die gesellschaftliche lässt sich aber kaum noch übersehen.

Im Frühjahr erkundigten sich Mitarbeiter bei Zuckerberg sogar in einer internen Fragestunde, welche Verantwortung Facebook habe, einen extremen Kandidaten wie Trump zu verhindern. Seine Antwort darauf ist nicht überliefert – sie ist aber nach dieser Woche dringlicher denn je. 

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