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So zerbrechlich ist der Datenschutz bei Google, Facebook und Co.

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Sicherheit  

So zerbrechlich ist der Datenschutz im Internet

17.05.2010, 11:16 Uhr | Sascha Plischke

So zerbrechlich ist der Datenschutz bei Google, Facebook und Co.. Kein Zutritt: Die Neugier von Internetriesen wie Google können nur die Surfer selbst abwehren (Montage: t-online.de).

Kein Zutritt: Nur die Nutzer selbst können Google Einhalt bieten (Montage: t-online.de). (Quelle: t-online.de)

Nun also doch: Entgegen erster Beteuerungen hat Google persönliche Daten aus den WLAN-Netzwerken gespeichert, die der Konzern während der Kamerafahrten für seinen Straßenfoto-Dienst Street View gescannt hatte. Unter den angeblich versehentlich mitgeschnittenen Daten befinden sich Inhalte über das Netzwerk abgerufener Internet-Seiten ebenso wie Bruchstücke darüber verschickter E-Mails. Der Aufschrei von Bürgern und Datenschützern ist zu Recht groß. Doch konnte Google nur mitlesen, was die Anwender selbst nicht ausreichend geschützt hatten. Der Fall zeigt, wie sorglos viele Computer-Nutzer mit der Sicherheit ihrer Daten umgehen. Lesen Sie, wie Sie Ihre privaten Daten schützen.

Den Suchmaschinenkonzern Google als "Datenkraken" zu bezeichnen gehört mittlerweile nicht nur unter regelmäßigen Internet-Nutzern zum guten Ton. Das Unternehmen will alles über seine Nutzer wissen, speichert jede Kleinigkeit, um später die Internetgemeinde so virtuell zu sezieren, dass jedem einzelnen möglichst wirkungsvoll personalisierte Werbung präsentiert werden kann. Mit seinem Straßenfotodienst Street View macht der Konzern zusätzlich noch Fotos von Menschen auf öffentlichen Straßen und besorgt sich so nun zumindest auch das Bild der Menschen, die sonst mit Internet-Diensten nichts zu tun haben.

Jüngster Beweis für Googles unermesslichen Datenhunger: Der heimliche oder zumindest nicht besonders geschickt kommunizierte massenhafte Erfassung von drahtlosen Netzwerken während der Foto-Fahrten für Street View. Dass dabei nun auch entgegen erster Beteuerungen versehentlich Bruchstücke persönlicher Informationen mitgeschnitten wurden, passt hervorragend ins Bild und befeuert die Angst vor dem Kontrollverslust über die eigenen Daten weiter.

Google erfährt nur, was ich verrate

Tatsächlich ist es für Googles Geschäftsmodell wichtig, so viel wie möglich über die Vorlieben seiner Nutzer zu wissen. Personalisierte Werbung hat das Unternehmen von einem Suchmaschinenanbieter unter vielen zu einem märchenhaft profitablem Großkonzern werden lassen. Gleichzeitig ist Google immer auf der Suche nach neuen Diensten, die Menschen und damit Werbeumsätze anlocken können. Dass bei der Umsetzung besonders vielversprechender Dienste der Datenschutz und das Unbehagen der Menschen zum Beispiel vor scheinbar allgegenwärtigen Fotokameras wenig zählen, ist kein Geheimnis. Was sich jedoch nur wenige Anwender klar machen: Bei allem Datenhunger erfährt auch Google nur so viel über mich, wie ich von mir preisgebe.

Denn am meisten erfährt Google über einen Anwender über die eigenen Dienste. Von Google Mail über den Google Reader bis hin zu Google Maps, das volle Potential von Google-Diensten kann nur nutzen, wer sich ein eigenes Google-Konto zulegt. Dann kann Google all den vielen Aktivitäten des Nutzers im Internet einen Namen zuordnen. Der Konzern erfährt dann, welche Nachrichten den Anwender interessieren oder welche Geschäfte er in seiner Stadt sucht. Sogar die E-Mails soll Google automatisiert nach Keywords scannen und danach Werbung in seinem kostenlosen E-Mail-Dienst platzieren. Wer auf seinem Handy den Dienst Google Latitude benutzt, verrät Google sogar den eigenen Aufenthaltsort. So wird der Anwender schnell zum gläsernen Menschen – aber eben nur, wenn er sich dafür entscheidet.

Niemand zwingt die Anwender, sich ein Google-Konto anzulegen. Die beliebtesten Dienste wie Google Maps oder Google Earth kann jeder auch ohne Anmeldung nutzen. Was Google hier aufzeichnet, kann nicht ohne weiteres einer bestimmten Person zugeordnet werden. Auch Mobiltelefone mit Googles eigenem Betriebssystem Android funktionieren mittlerweile ohne Google-Konto. War die Anmeldung ursprünglich noch ein Muss, so können Handy-Käufer nun auch ganz auf Google-Dienste verzichten. Google mag neugierig sein. Doch niemand zwingt Anwender dazu, auch alles von sich zu verraten.

Das Internet ist kein privater Raum

Auch Soziale Netwerke wie Wer kennt Wen, meinVZ oder Facebook stehen immer wieder in der Kritik. Insbesondere Marktführer Facebook etwa gilt in Sachen Datenschutz als nicht besonders fleißig. Tatsächlich änderte man dort im Dezember 2009 die Standard-Einstellungen, so dass viele Profildaten wie Name, Nutzerfoto und Mitgliedschaft in Gruppen für jeden Nutzer einsehbar waren. Doch auch hier gilt: Nur was der Anwender von sich aus in sein Profil schreibt, können andere lesen. Viele Facebook-Nutzer verwenden bei der Anmeldung nicht ihren tatsächlichen Namen und freunden sich auch virtuell nur mit wirklichen Bekannten an. So bleibt auch im Sozialen Netzwerk privat, was nicht jeder wissen soll. In unserer Foto-Show zeigen wir, wie Sie Ihre privaten Daten bei Facebook schützen.

Anwender haben es also selbst in der Hand, was Sie von sich verraten. Viele Surfer nehmen das Internet als privaten Raum wahr, in dem sie sich ungesehen von anderen bewegen können. Deshalb empfinden sie auch den Blick von Konzernen auf ihre Aktivitäten dort als Eingriff in die Privatsphäre. Das Internet ist jedoch ein öffentlicher Raum. Man kann dort in vielerlei Hinsicht anonym bleiben. Wer sich jedoch unter seinem Namen bei Google, Facebook und anderen Internet-Diensten anmeldet, gibt sich plötzlich ein Gesicht. Alle Aktivitäten in diesen Diensten können dann diesem Gesicht zugeordnet werden.

Wer auf Facebook Party-Bilder von sich veröffentlicht, auf denen er sturzbetrunken ist, zeigt sie im Zweifel auch seiner Familie und seinem Chef. Bedenkliche Kommentare auf der eigenen Pinnwand können von Freunden an deren Freunde und weiter verbreitet werden. Wer täglich Google-Dienste verwendet und dabei stets mit seinem Konto eingeloggt ist, posaunt seine Surf-Gewohnheiten ganz freiwillig hinaus. Das gilt übrigens auch für Google Street View und die Erfassung der WLAN-Daten. Gegen das eigene Foto und die Abbildung von Wohnhäusern kann jeder unbürokratisch Widerspruch einlegen. Google hat sich verpflichtet, jeden Widerspruch zu bearbeiten und beanstandete Bilder zu löschen. Darüber hinaus ist der Konzern zwar zu Recht in die Kritik geraten, weil er versehentlich Datenteile aus offenen Drahtlosnetzwerken mitgeschnitten hatte. Zugang zu diesen Daten hatten die Scanner aber nur, weil die Besitzer der Netzwerke sie nicht geschützt hatten. Sie hatten Google die Tür selbst geöffnet.

Sicherlich bleibt es wichtig, den Datenhunger großer Konzerne im Internet zu beobachten und zu reglementieren. Den Schutz der eigenen Daten kann jedoch jeder Bürger selbst zumindest zu einem Großteil gewährleisten, indem er darauf achtet, was er von sich preisgibt. So bietet Google allen Kunden den Dienst Google Dashboard an. Hier kann jeder Inhaber eines Google-Kontos einsehen, welche Informationen der Konzern gesammelt hat. Hier können auch einzelne Daten wieder gelöscht werden. Der Anwender hat also mehr selbst in der Hand, als er befürchtet. Und immer gilt der Grundsatz: Wer auch im Internet nicht alle Hüllen fallen lässt, muss vor der Neugier der Unternehmen keine Angst haben.

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