01.10.2010, 08:58 Uhr | Andreas Lerg
Erfolgreichste Bande von Online-Bankräubern zerschlagen. (Foto: stock.xchng) (Quelle: t-online.de)
Massiver Schlag gegen die erfolgreichste Bande von Online-Bankräubern: In New York sind 92 Personen wegen organisierten Online-Banking-Betrugs angeklagt worden. Die Bande osteuropäischer Hacker soll mit dem Trojaner Zeus die Zugangsdaten zu Online-Bankkonten zahlreicher Opfer erbeutet und Geld von deren Konten gestohlen haben. In den letzten vier Jahren sollen sie insgesamt 200 Millionen US-Dollar erbeutet haben.
37 der Angeklagten wird Bankbetrug, Geldwäsche, Angabe falscher Identifikationsinformationen sowie Ausweisbetrug zur Last gelegt. Gegen weitere 55 Personen wurde ebenfalls Anklage erhoben. Nachdem die Täter mit dem Zeus-Trojaner die Zugangsdaten zu den Online-Bankkonten ihrer Opfer ausgespäht hatten, überwiesen sie das Geld zunächst auf die Konten sogenannter "Mules" (Maulesel). Das sind Mittelsmänner, die das Geld dann wieder an die eigentlichen Täter überweisen und für diese Geldwäscheaktion zwischen acht und zehn Prozent kassieren. Auch Scotland Yard konnte unlängst 19 Online-Bankräuber verhaften und die EU strebt härtere Strafen gegen Hacker und Online-Kriminelle an. Die Anklage in New York sei laut des US-Justizministeriums auch ein massiver Schlag gegen das Netzwerk der Mules.
Viele der angeklagten Mules sind Anfang 20, da es sich um osteuropäische Studenten handelt, die mit Studenten-Visa in die USA eingereist waren. Dort eröffneten sie mit gefälschten Pässen Bankkonten, um die gestohlenen Summen zu empfangen und dann nach Osteuropa oder Asien weiter zu leiten. Die Online-Kriminellen rekrutierten die Studenten beispielsweise über Anzeigen auf russischsprachigen Internetseiten. Die Aktivitäten des Mule-Netzwerkes wurden vor allem über soziale Netzwerke koordiniert. Um ihre Raubzüge zu verschleiern, verhinderten die Kriminellen sogar, dass die Banken die Inhaber der geplünderten Konten anrufen konnten. Dazu wurden die Telefonanschlüsse der Opfer mit automatisierten Anrufen überlastet.
Die Bande bestahl private Bankkunden, kleine Firmen und andere Organisationen. So konnte die Gang alleine 700.000 Dollar (511.000 Euro) beim Western Beaver County Schulbezirk im US-Bundesstaat Pennsylvania entwenden, indem sie fiktive Lohnempfänger in die Gehaltslisten des Schulbezirkes einschleuste. Als der Schulbezirk den Schaden bemerkte und die Rückholung der Gelder startete, hatten die Täter bereits 441.000 Dollar außer Landes geschafft. Insgesamt geht ein Schaden von 200 Millionen US-Dollar (146 Millionen Euro) auf das Konto der Bande. Mit der Anklage ist eine der größten Banden von Online-Bankräubern zerschlagen worden. Aber damit ist der Kampf gegen Online-Betrug noch nicht vorbei. FBI-Sprecher Paul Bresson wird in der PC World zitiert: "Die Ermittlungen gehen nach wie vor weiter." Neben der gerade zerschlagenen Bande sind vermutlich fünf bis zehn weitere Gangs aktiv. So wird auch nach den Entwicklern des Zeus-Trojaners gefahndet.
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Wenn es um Online-Bankraub geht, ist häufig der im Jahr 2006 erstmals entdeckte Zeus-Trojaner im Spiel. Dieses Schadprogramm nistet sich auf unzureichend geschützten Computern ein, fängt die Zugangsdaten für Online-Banking ab und übermittelt diese an die Online-Kriminellen. Nicht nur das, denn der Zeus-Trojaner kann auch selbst direkt auf dem Computer des Opfers räuberische Banküberweisungen starten. Die neueste Mutation des Zeus-Trojaners kann sogar mTAN abfangen, das sind Transaktionsnummern, die per SMS an das Handy eines Bankkunden verschickt werden. Außerdem wurde im Juli festgestellt, dass der Zeus-Trojaner auch gezielt auf Kunden deutscher Volksbanken angesetzt wird. Der Zeus-Trojaner wird als eine Art Baukasten für rund 350 Euro im Internet in Hacker-Kreisen verkauft. Sicherheitsexperten bemühen sich bislang vergeblich, den Zeus-Trojaner zu bekämpfen.
Ältere Antiviren-Programme erkennen den gefährlichen Zeus-Trojaner nicht. Zum Schutz ist es also besonders wichtig, aktuelle Antiviren-Software auf dem Computer einzusetzen. Im Fall des Zeus-Trojaners hilft zudem besondere Skepsis bei E-Mails unbekannter Herkunft. Gerade der Zeus-Trojaner verbreitet sich über Spam-Mails, die sich als wichtige Nachricht der eigenen Bank tarnen. Banken kommunizieren in der Regel nicht per E-Mail mit ihren Kunden. Wer den Verweisen in solchen E-Mails folgt, infiziert sich heimlich mit dem Schädling. Ob der Zeus-Botnetz-Trojaner bereits auf dem eigenen PC zugeschlagen hat, lässt sich mit dem Removal-Tool gegen Zeus-Bot schnell ermitteln.
Quelle: Andreas Lerg
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