Knast-Ausbruch
"Software-Panne" öffnet Gefängnistüren20.08.2013, 18:43 Uhr | t-online.de
Bereits zum zweiten Mal versagte das Sicherheitssystem einer Strafanstalt in Florida. (Quelle: Xinhua/Symbolfoto/imago)
Eine Software-Panne soll den Insassen eines Hochsicherheitstraktes die Türen geöffnet haben. Dies berichtet das US-Magazin Wired. Ein vor kurzem veröffentlichtes Überwachungsvideo weckt allerdings Zweifel an dem offiziellen Bericht. Denn einige der Häftlinge nutzten die Chance für eine gezielte Aktion. Auch ein Mitwirken von Hackern ist nicht auszuschließen.
Schon zum zweiten Mal innerhalb dieses Jahres öffneten sich die Zelltüren des Hochsicherheitstraktes K-81 im Turner Guilford Knight Correctional Center in Miami, Florida auf rätselhafte Weise. Der erste Vorfall blieb ereignislos. Doch beim zweiten Mal führte eine Gruppe von Häftlingen wie auf Kommando einen Plan aus.
Kaum hatten sich die Türen geöffnet, reichte einer der Inhaftierten eine selbstgebaute Stichwaffe an einen Mitinsassen weiter. Anschließend verfolgten sie einen Häftling, der Mitglied einer befeindeten Gang war. Der Verfolgte konnte sich durch einen Sprung ins darunterliegende Geschoss retten. Ein Überwachungsvideo, das der US-Tageszeitung Miami Herald zugespielt wurde, zeigt den gesamten Vorgang.
In diesem Licht erscheint der offizielle Bericht eines Wärters, eine Fehlfunktion in der Steuerungssoftware für die Zelltüren sei für den Vorfall verantwortlich, unwahrscheinlich. Auch der zuständige Bezirksdirektor für Strafanstalten, Tim Ryan, beschrieb dem Miami Herald die Umstände der Panne als "verdächtig". Nach Aussage von Ryan untersucht die Polizei bereits, ob das Öffnen der Türen durch einen Wärter oder durch einen Fehler des Computersystems verursacht worden sei.
Die Polizei wird auch klären müssen, warum sich gleichzeitig alle Türen des Zellblocks K-81 öffneten. Die eingesetzte Kontroll-Software der Firma Black Creek Integrated Systems unterstützt zwar eine solche Funktion. Für Hochsicherheitstrakte wird diese aber üblicherweise deaktiviert, da die Insassen untereinander nicht in Kontakt treten sollen.
Nach der ersten Fehlfunktion im Mai ergriff die Gefängnisleitung zudem Maßnahmen, die eine Wiederholung ausschließen sollte. Die Software erhielt ein Update im Wert von 1,4 Millionen US-Dollar. Seitdem müssen Wärter einen Befehl zur Öffnung aller Türen eindeutig bestätigen.
Das Update konnte eine Wiederholung der Panne dennoch nicht verhindern. Ryan zufolge spuckte das Programm lediglich die Fehlermeldung "Operator Error" ("Anwender-Fehler") aus – was das zu bedeuten hat, konnten die Ermittler bisher jedoch nicht herausfinden.
Bereits vor zwei Jahren warnten die Sicherheitsexperten John Strauchs, Teague Newman und Tiffany Rad davor, dass viele Gefängnisse nicht vor Hackerangriffen gefeit seien. Die Systeme weisen unterschiedliche Schwächen auf, einige können sogar über das Internet ferngesteuert werden. Zudem ließen sich die Rechner des Wachpersonals per Schadsoftware über präparierte USB-Sticks und E-Mails gezielt ausspionieren. So könnten Außenstehende Zugriff auf die Kontrollsysteme erhalten.
Ob auch die Kontroll-Software im Turner Guilford Knight Correctional Center über das Internet angreifbar war, ist bisher nicht geklärt. Den Sicherheitsexperten Strauchs wundert es allerdings, dass Black Creed nur ein Bestätigungsfenster als Sicherheitsmechanismus für die Verriegelung der Türen einführte. Seiner Ansicht nach kann nur ein digitaler Sicherheitsschlüssel, der per Chipkarte aktiviert wird ausschließen, dass ein Wärter versehentlich alle Türen öffnet.
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20.08.2013, 18:43 Uhr | t-online.de
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