Sie sind hier: Home > Digital > Computer >

Putin erwägt Windows-Steuer

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Software für Russland  

Putin erwägt Windows-Steuer

25.09.2014, 19:16 Uhr | Christian Stöcker und Benjamin Bidder, Spiegel Online

Putin erwägt Windows-Steuer. Wladimier Putin (Quelle: AP/dpa)

Putin will eine spezielle "Windows-Steuer" erheben, um heimische Software zu stärken. (Quelle: AP/dpa)

Russland hinkt in Sachen digitale Technologie hinterher. Das weiß auch Präsident Wladimir Putin – und plant eigene Betriebssysteme für Handys und Computer. Das Geld dafür könnte aus einer neuen Abgabe kommen.

Russlands Versuche, sich von amerikanischer Hard- und Software unabhängig zu machen, sind mittlerweile eine Art Running Gag. Da war zum Beispiel der E-Reader, der 2011 als "russisches iPad" gefeiert wurde, von dem letztlich aber nur 1000 Stück hergestellt wurden. Oder "Russlands erstes Smartphone", von dem nur 5000 Exemplare produziert wurden – in China.

Eigenes Betriebssystem "Russland-OS"

Mittlerweile betrachtet Russlands Regierung das Scheitern der eigenen Industrie an den Erfordernissen einer modernen Informationsgesellschaft offenbar nicht mehr aus einem rein wirtschaftlichen Blickwinkel. Auf der Website des Kreml ist heute ein Gesprächsprotokoll zu finden. Wladimir Putin befragt darin seinen Kommunikationsminister Nikolai Nikiforow zu seinen Zukunftsplänen für die russische Softwarebranche. Darin kündigt Nikiforow erstaunliche Dinge an – eine Art Russland-OS, ein russisches Betriebssystem, und zwar sowohl für Handys als auch für Computer. Und, zur Finanzierung dieses durchaus ehrgeizigen Projekts: eine Art Windows-Steuer für Softwarelizenzen.

UMFRAGE
Benutzen Sie auch noch Windows XP?

Windows-Imperium und andere Monopole

"Viele staatliche Kunden und Firmen in Russland sind heute sehr besorgt über die Situation, die im Bereich Informationstechnologie entsteht", sagt Nikiforow in dem Gespräch. Er spricht von "Monopolen, die bestimmte Länder und Firmen haben" – ein klarer Verweis auf Microsofts Windows-Imperium und die Handybetriebssysteme iOS (Apple) und Android (Google). Die Tatsache, dass "die Geheimdienste mancher Staaten heimlich Daten über Hunderte von Millionen Internetnutzern gesammelt haben", spiele hier eine wichtige Rolle. Der Verweis auf die Snowden-Enthüllungen über die Praktiken der NSA und ihrer Verbündeten könnte kaum deutlicher sein.

Steuer auf Software aus dem Ausland

Die Lösung sieht der Kommunikations- und Medienminister in einem "umfassenden Programm, das es uns ermöglicht, russische Softwareentwickler Schritt für Schritt und Jahr für Jahr zu unterstützen", um die notwendigen Produkte herzustellen. Nur so könne "die russische Informationssouveränität und die unserer befreundeten Partnerländer" gewährleistet werden.

Im Juli 2010 hatte der damalige Vize-Minister für Telekommunikation Ilja Massuch schon einmal die Entwicklung eines "Nationalen Computer-Betriebssystems" auf Linux-Basis angekündigt, die Regierung wollte dafür 490 Millionen Rubel bereitstellen. Die Ausschreibung gewann daraufhin die Firma PingWin, sie gehört Leonid Reiman, einem ehemaligen Informationsminister. Von einem russischen Linux ist derzeit aber nichts zu sehen.

Eigene Projekte nur bescheiden erfolgreich

Bislang sind entsprechende staatlich geförderte Bemühungen generell eher von bescheidenem Erfolg: Die Kreml-nahe Suchmaschine Sputnik.ru etwa kommt laut der Webstatistik des Unternehmens Similarweb auf etwa eine Million Besuche im Monat. Die nicht staatliche Konkurrenz, die kommerzielle russische Suchmaschine Yandex, auf weit über eine Milliarde. Direkt dahinter landet die russische Version des US-Angebots Google mit etwa 760.000 Visits.

Windows XP 
Microsoft schickt Windows XP endgültig in Rente

Ab April keine Updates und Patches mehr für Windows XP. Video

Wie die Unabhängigkeit von der US-Softwarebranche finanziert werden soll, hat sich Nikiforow auch schon überlegt: mit einer neuen Steuer. Im Bereich Softwarelizenzen erhebe man im Moment keine Mehrwehrtsteuer, "aber drei Viertel der ausgelieferten Software stammt aus dem Ausland, und in dieser Situation könnten wir eine gezielte Gebühr erheben". Die solle "nicht höher als zehn Prozent" sein, man könne vielleicht erst einmal mit fünf Prozent beginnen und sich dann zu sieben und schließlich neun Prozent hocharbeiten, "je nach den Bedürfnissen des Marktes".

Zehn Produktarten identifiziert

Damit aber ließen sich Firmen unterstützen, "damit sie die Produkte herstellen, die wir brauchen". Zehn der "am dringendsten benötigten Produktarten" habe man bereits identifiziert, um die entsprechende Software zu entwickeln, bräuchte man "bis zu 20.000 Programmierer". Putin stimmt seinem Minister in dem Gespräch zu: "Das klingt mir nach einer guten Idee und ich werde sie natürlich unterstützen."

Weitere spannende Digital-Themen finden Sie hier.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
China 
Dieses Kleinkind hat mehr Glück als Verstand

Ein Kleinkind läuft auf die Straße - direkt vor ein Auto. Der Fahrer bemerkt nichts und überrollt das Kind. Anschließend fährt sogar noch ein zweites Auto darüber. Video

Anzeige
Ähnliche Themen im Web

Shopping
Anzeige
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping


Anzeige
shopping-portal