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Weltplage Spam  

US-Provider machen größte Spam-Schleuder dicht

13.11.2008, 10:15 Uhr | Sascha Plischke

Täglich nerven über 200 Milliarden Spam-Mails Internetnutzer weltweit. (Quelle: dpa)Täglich nerven über 200 Milliarden Spam-Mails Internetnutzer weltweit. (Quelle: dpa) Gewaltiger Erfolg im Kampf gegen die Weltplage Spam: Mit dem kalifornischen Webhosting-Dienst McColo ist eines der wichtigsten Elemente der Spammer-Infrastruktur zusammengebrochen. Das Unternehmen soll für knapp die Hälfte des weltweiten Spam-Aufkommens von 200 Milliarden Werbe-Mails verantwortlich gewesen sein. Zu Verdanken ist dieser Erfolg der Arbeit von Sicherheitsexperten und einem Journalisten der Washington Post – sie hatten die Internetprovider von McColo auf die illegalen Machenschaften aufmerksam gemacht.

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Über Wochen hinweg hatten Spezialisten der Sicherheitsunternehmen SecureWorks und Spamhaus die Aktivitäten von McColo beobachtet und Beweise gesammelt. Unterstützt wurden sie dabei von dem Journalisten Brian Krebs, der für die Washington Post die Kolumne Security Fix schreibt. Am vergangenen Montag hatte die Gruppe schließlich genug Material zusammen und legte es den beiden Internetprovidern vor, die McColo mit Netzverbindungen versorgt hatten, Global Crossing und Hurricane Electric. Beide Unternehmen kappten daraufhin sofort alle Verbindungen zu dem zwielichtigen Unternehmen und fegten es damit praktisch aus dem Netz.

Kugelsichere Server für zwielichtige Aktionen

Die Geschäftsführer der Internetprovider zeigten sich schockiert von der Enthüllung. Und tatsächlich trat McColo nach Außen als ganz normaler Webhoster auf, der Privatkunden die nötige Infrastruktur für den Betrieb von Internetseiten zur Verfügung stellte. Wie die Sicherheitsexperten nun herausfanden gehörten zu den Kunden des Unternehmens jedoch vornehmlich Spammer und Botnetz-Betreiber – denen stellte das Unternehmen so genannte "bullet-proof Server" zur Verfügung. Das sind Server, die speziell gegen Überwachung abgeschirmt sind und sich deshalb hervorragend für kriminelle Aktivitäten im Netz eignen. Für McColo lohnte sich das Geschäft: Die kugelsicheren Server kosten die kriminellen bis zu zehnmal mehr Miete als ein normaler Webserver.

Für die Hälfte des weltweiten Spams verantwortlich

Der Service des kalifornischen Hosters muss dabei so gut gewesen sein, dass einige der aktivsten Mitglieder der Spam-Szene sich dort einmieteten. Von Servern der Firma aus wurden gewaltige Botnetze gesteuert und für den Spamversand missbraucht. Am Ende waren die bei McColo untergebrachten Spammer für insgesamt knapp die Hälfte des weltweiten Spam-Aufkommens verantwortlich – das entspricht derzeit etwa 100 Milliarden E-Mails am Tag. Journalist Krebs schätzt den Anteil der McColo-Kunden sogar auf bis zu 75 Prozent.

Dramatische Einbrüche bei Werbenachrichten

Erste Messungen von Spamhaus oder Heise zeigen seit Montag einen Einbruch der Spam-Aktivität um durchschnittlich die Hälfte. Zeitweise seien sogar Abfälle um bis zu 90 Prozent zu beobachten. Die Zahlen zeigen, wie wichtig McColo für die Spammer gewesen sein muss. Trotzdem gibt es keinen Grund zu feiern – die Szene wird sich nach kurzer Reorganisation eine neue Plattform für ihre Machenschaften suchen. Und dann gibt es wieder regelmäßig Viagra-Spam in altbekannter Zuverlässigkeit.

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