17.07.2012, 16:44 Uhr | Christian Fenselau
TV-Surround-Anlage (Quelle: Bang & Olufsen)
Bei der Einrichtung eines eigenen Heimkinos ist es mit einem möglichst großen Fernseher nicht getan. Die Wahl eines geeigneten Standorts für den Fernseher und die Beschallung sind nicht weniger wichtig, hier kann einiges daneben gehen. Wir erklären, worauf Sie achten müssen.
Echtes Heimkino beginnt schon bei der Standortwahl für den Fernseher. Wie hell ist der Raum und aus welcher Richtung kommt das Licht beziehungsweise wo befinden sich die Fenster? Auch bei der Größe beeinflussen die Räumlichkeiten die Entscheidung, hier sollte der voraussichtliche Sichtabstand unbedingt beachtet werden.
Scheint die Sonne oder eine andere starke Lichtquelle auf den Bildschirm, sollte ein Fernseher mit entspiegelter Mattscheibe erste Wahl sein, um störende Reflexionen zu vermeiden. Daher scheidet ein Plasma-Fernseher, der bauartbedingt mit Glasscheiben ausgestattet ist, von vornherein aus. Aber es gibt auch spiegelnde LCD-Panels, die aus diesem Grund ebenfalls nicht zu empfehlen sind. Die Nutzung des Fernseher bei Tageslicht spräche auch gegen Plasma. Diese Technik kann nur in abgedunkelter Umgebung ihre Stärken ausspielen; in hell erleuchteten Räumen wirkt das Bild flau. In einer Foto-Show erklären wir alle Vor- und Nachteile von Plasma-Fernsehern.
Der Fernseher darf für echtes Kinofeeling keinesfalls zu klein sein. Insbesondere bei 3D-Filmen kann der Zuschauer viel intensiver in das Geschehen eintauchen. Außerdem stört das bei aufgesetzter Shutter-Brille wahrnehmbare Flackern außerhalb des Bildes umso mehr, je kleiner der Fernseher ist. Vor dem Kauf eines 3D-Fernsehers sollten dessen 3D-Fähigkeiten unbedingt beim Händler getestet werden, und zwar aus gleichem Sichtabstand und -winkel wie zu Hause.
Als üblich für die Wahl der richtigen Größe gilt "Sichtabstand geteilt durch drei" – wer also drei Meter entfernt sitzt, sollte etwa 40 Zoll (102 cm) als Richtwert nehmen. Wem das zu klein ist: Die maximale Größe eines Fernsehers ist dann überschritten, wenn es nicht mehr möglich ist, die rechte und die linke Bildschirmseite gleichermaßen wahrzunehmen – vergleichbar mit den vorderen Reihen von Kinosälen. Größere Fernseher sind eher ein Nachteil, wenn keine HD-Bilder gezeigt werden, die einzelnen Bildpunkte und Schlieren werden stärker wahrnehmbar.
Ab 50 Zoll Bildschirmdiagonale (127 cm) sind LCD-Fernseher richtig teuer. Wer nicht mindestens 1500 Euro ausgeben will, beschränkt sich entweder auf maximal 46 Zoll (117 cm) oder sollte einen Plasma-Fernseher in Betracht ziehen, wenn die Lichtverhältnisse es zulassen. Schon ab 600 Euro gibt es große Plasma-Geräte mit Full-HD-Auflösung zu kaufen. Die dritte Möglichkeit wäre ein Beamer. Doch für das Wohnzimmer sind Beamer wegen des Geräuschpegels durch den Lüfter kaum zu empfehlen, sondern eher für den privat betriebenen Kinosaal.
Bei der Auswahl eines Beamers sind neben dessen Betriebslautstärke die Auflösung und Helligkeit zu beachten. Für das perfekte Heimkino sollte ein Beamer 1920 × 1080 Bildpunkte darstellen. Die meisten Projektoren dieser Klasse bieten eine Helligkeit von etwa 2000 ANSI Lumen, es gibt sie ab etwa 800 Euro. Nur wenn der Vorführraum taghell oder die Leinwand riesig ist, gibt es einen Grund für noch mehr Helligkeit. Damit steigt aber auch die Hitzeentwicklung, was wiederum den Lüfter schneller drehen lässt und lauter macht. Projektoren ab etwa 30 Dezibel oder 3 Sone sind so laut, dass sie sich nur nur für Filme mit hohen Grundgeräuschpegel eignen, wenn sie nicht in einem abgetrennten Raum befinden. Auch zu beachten ist die Lebensdauer der Birne, da Ersatzbirnen nicht billig sind.
Bei Projektoren gibt es die beiden konkurrierenden Techniken LCD und DLP. Die DLP-Technik kann Schwarz besser darstellen und ist kontraststärker. Allerdings kommt es manchmal zu einem Regenbogen-Effekt in weißen Bildern. Wer die Möglichkeit hat, beide Techniken direkt zu vergleichen, sollte das tun. Die Kontrast-Angabe in den Datenblättern verdient – wie auch bei den Fernsehern – nur wenig Beachtung. Manche Beamer weisen einen Kontrast von 2000:1 auf, andere kommen auf 200.000:1, also mehr als das Hundertfache. Mit dem tatsächlich sichtbaren Kontrast hat das wenig zu tun.
Blu-ray-Disks sind die einzige Quelle für natives 3D, kein Sender strahlt 3D im Regelbetrieb aus. Daher sollte die 3D-Fähigkeit grundsätzlich beachtet werden. Die Player unterscheiden sich je nach Preisklasse stark in Ausstattung (Anschlüsse, WLAN, Medienkompatibilität, integrierte Tuner), Funktionsvielfalt und Bedienung. Unabhängig vom Preis gibt es auch beim Stromverbrauch und der Betriebslautstärke Unterschiede. Die Bildqualität ist hingegen bei fast allen Geräten hervorragend. Hier lohnt der Blick in einen Testbericht, denn ein Vergleich der Bildqualität im Einzelhandel ist wegen schlecht oder unpassend eingestellter Fernseher oft nicht sinnvoll.
Liebhaber aktueller Kinofilme waren bei DVDs oft benachteiligt, wenn der brandneue Streifen zwar schon auf DVD über das Internet verfügbar war, aber den falschen Ländercode hatte. DVDs für den US-Markt mit dem Regionalcode 1 lassen sich mit einem europäischen DVD-Player mit Regionalcode 2 nicht abspielen. Viele Filmfreunde halten diese Verbreitungskontrolle, die es auch bei Blu-ray-Medien gibt, für überflüssig. Die Filmindustrie scheint dies verstanden zu haben, die meisten Blu-ray-Discs verzichten inzwischen auf einen Ländercode und sind weltweit mit allen Player abspielbar. Mehr Tipps gibt unser Blu-ray-Ratgeber.
Ein 3D-Fenseher ist auch empfehlenswert, wenn gar kein 3D angeschaut werden soll. Denn die Hersteller statten nur die besseren Modelle mit dieser Technik aus – und diese zeigen auch im 2D-Betrieb ein besseres Bild. Auch ihre Bildwiederholfrequenz ist in den meisten Fällen höher.
In Sachen 3D gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten: Öffentliche Kinos arbeiten mit der Polarisations-/Polfiltertechnik, bei Fernsehern ist die Shuttertechnik häufiger anzutreffen. Doch nach und nach gibt es immer mehr Fernseher mit 3D-Kinotechnik zu kaufen. Der koreanische Hersteller LG war der erste, der Polfilter-3D auf die Fernseher brachte, mittlerweile haben Philips und Panasonic nachgezogen. Auch bei Toshiba steht eine Modellreihe mit Polfilter-3D vor dem Marktstart. Der Vorteil dieser Technik sind die leichten, billigen Brillen, die keinen Akku brauchen. Der Nachteil ist die geringere Auflösung. Deshalb vermarkten die Hersteller Polfilter-3D gerne als weniger hochwertig und verbauern in den Top-Modellen Shuttertechnik, die sie als "Full HD 3D" anpreisen. Doch die Polfiltertechnik wird von vielen Zuschauern als augenfreundlicher empfunden, die fehlenden Bildzeilen fallen dagegen kaum oder gar nicht auf. Wer häufig mit Gästen 3D-Filme anschaut, fährt mit dieser Technik auch deutlich günstiger und bequemer.
Nur in Ausnahmefällen werden die im Fernseher eingebauten Lautsprecher für einen satten Sound ausreichen. Durch die flache Bauweise fehlt den Bässen der notwendige Platz, ein zusätzliches Soundsystem muss her. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: eine zusätzliche Soundbar, eine komplettes Surround-System oder die bereits vorhandene Stereoanlage, die schon im Wohnzimmer steht. Zwischen den ersten beiden Optionen besteht der grundlegende Unterschied bei Preis, Installationsaufwand und Klang. Die Soundbar, die unterhalb des Bildschirm hingestellt oder angebracht wird, verbessert zwar den Klang, kann aber keine Wunder vollbringen. Das Surround-System mit Rundum-Boxen und Subwoofer klingt noch besser, ist aber teurer und aufwändiger zu installieren. Je mehr Einzellautsprecher, desto realistischer ist der Klangeindruck. Die einfachste Möglichkeit sind zwei kleine Satellitenlautsprecher plus Subwoofer (2.1), üblich für ein echtes Surround-System sind fünf Satelliten plus Tieftöner (5.1).
Für Musikgenuss von CD oder Schallplatte ist die klassische Stereoanlage mit zwei Boxen ohne Subwoofer (2.0) ideal, aber für das Heimkino eher nicht. Der Grund: Die 5.1-Surround-Tonspuren von DVD oder Blu-ray stimmen mit denen der klassischen, zweikanaligen Stereoanlage nicht überein. Besonders der für Sprechdialoge wichtige Center-Lautsprecher fehlt. Die Folge ist der viel zu leise Ton bei Stimmen. Um Sprache doch zu verstehen, muss die Stereoanlage sehr laut gestellt werden – das führt zu überlauter Musik. Sofern die DVD oder Blu-ray-Disc eine 2.0-Tonspur bietet, sollte unbedingt diese ausgewählt werden. Manche Verstärker bieten einen Ausweg über eine spezielle Taste, die die Lautstärke aller Kanäle gleichschaltet (zum Beispiel als "Uni-Volume", "Nachtmodus" oder ähnlich bezeichnet). Gibt es diese Möglichkeit nicht, bleibt nur, den Fernseher-Lautsprecher lauter zu stellen, bis die Stimmen verständlich sind. Ist der Klang dann insgesamt zu schlecht: Gute Soundbars gibt es ab etwa 200 Euro.
Quelle: Christian Fenselau
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