HDR-Fotografie
Bilder aus einer anderen Welt08.05.2009, 12:00 Uhr | Sascha Plischke
Faszination HDR: Traumhafte Bilder wie aus einer anderen Welt. (Foto: Trey Ratcliff) (Quelle: Hersteller)
Digitalkameras überbieten sich gegenseitig mit Megapixelzahlen – das Hochschrauben der Auflösung verspricht angeblich schönere Bilder. Dabei versagen die Kameras schon bei Hell und Dunkel – das menschliche Auge erfasst weitaus feinere Kontraste als der Bild-Chip jeder High-Tech-Kamera. Mit einem einfachen Verfahren lassen sich jedoch die echten Kontraste aus jedem Foto locken. HDR heißt das Zauberwort – das Ergebnis sind märchenhaft brillante Bilder wie aus einer anderen Welt.
HDR steht für High Dynamic Range und beschreibt Bilder mit sehr großem Kontrastverhältnis – also dem Unterschied zwischen der hellsten und dunkelsten Stelle eines Bildes. Gerade das ist besonders wichtig für die Darstellung von Farben und Details: Bei eingeschränktem Kontrastumfang sind Lichter oft zu hell, die Schatten verschlucken viele Einzelheiten. Der Effekt ist besonders bei Bildern zu sehen, die gegen das Licht aufgenommen wurden. Aber auch bei allen anderen Fotos wirkt sich das eingeschränkte Kontrastverhältnis negativ auf Detailreichtum und Brillanz der Farben aus. HDR-Bilder zeigen jedoch alle Details – und lassen sich mit einem einfachen Verfahren leicht selbst herstellen.
Eine normale Tageslichtszene hat ein Kontrastverhältnis 100.000 zu 1 – Digitalfotos erfassen davon gerade einmal ein Hundertstel. Mit einem Bild können Digitalkameras also unmöglich ein annehmbares Kontrastverhältnis erreichen. HDR-Fotografen setzen deshalb auf einen Trick: Statt einer Aufnahme mit normaler Belichtung machen Sie zwischen drei und fünf Bildern von einem Motiv. Jedes Bild wird anders belichtet, von bewusster Überbelichtung über Normalbelichtung bis zu Unterbelichtung. Jedes dieser Bilder erfasst den perfekten Kontrast für einen Teil des Motivs.
Im Computer verschmelzen diese Aufnahmen dann zu einem einzigen Foto. Spezielle Programme wie die Freeware-Tools Qtpfsgui und DRI-Tool wählen die besten Kontrastwerte für jeden Bildbereich aus und fügen sie nahtlos in das Ergebnisbild ein. Am Ende steht ein HDR-Foto mit feinsten Farbnuancen. Weil aber herkömmliche Monitore und Drucker ebenfalls nur einen Bruchteil des HDR-Kontrastspektrums darstellen können, erledigen die Programme noch einen wichtigen zweiten Schritt. Im so genannten Tonemapping wird das Kontrastverhältnis in den darstellbaren Bereich zurück gerechnet – diesmal jedoch so, dass die Details erhalten bleiben.
Diese Methode hat jedoch einen Nachteil: Weil mehrere Bilder von einem Motiv geschossen werden müssen, darf sich das abgelichtete Objekt nicht bewegen. Sonst bilden sich Schlieren und Unschärfen, die jeder Fotograf von Bildern mit langen Belichtungszeiten kennt. HDR-Bilder können deshalb mit bestimmten Programmen auch aus einem einzigen Bild erzeugt werden. Wird das Foto im unkomprimierten, unbearbeiteten Rohdaten-Format der Kamera (RAW) aufgenommen, können die Tools daraus die verschiedenen Belichtungszustände berechnen und zu einem HDR-Bild zusammensetzen. Das Ergebnis erreicht nicht ganz die Qualität der Methode mit mehreren Aufnahmen, ermöglicht aber Portraitfotos und Bilder bewegter Motive.
Weltweit setzen immer mehr Amateurfotografen und professionelle Fotokünstler auf die HDR-Technik. Die Methode ermöglicht faszinierende Einblicke: Fotografien aus dem Schatten heraus, mit perfekter Beleuchtung aller Bildteile, Innenaufnahmen voller strahlender Farben und Formen. In Foto-Communities wie Flickr oder Blogs wie Stuckincustoms des Texaners Trey Ratcliff präsentieren die Künstler ihre Werke. Der Erfolg in der Fotografen-Gemeinde befördert den Siegeszug der Technik auch im Bereich der Bewegtbilder: Erste Firmen arbeiten an Technologien, die in Zukunft HDR-Videos erlauben sollen – und die Traumbilder das Laufen lehren.
08.05.2009, 12:00 Uhr | Sascha Plischke
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