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Fotografieren mit Freiraum

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Automatik ausschalten  

Fotografieren mit unendlicher Freiheit

22.05.2017, 19:17 Uhr | Berti Kolbow-Lehradt, dpa, t-online.de

Fotografieren mit Freiraum. Damit Bilder etwas Besonderes werden, lohnt es manuell in die Kamerasteuerung einzugreifen (Symbolbild). (Quelle: imago/Westend61)

Damit Bilder etwas Besonderes werden, lohnt es manuell in die Kamerasteuerung einzugreifen (Symbolbild). (Quelle: Westend61/imago)

Die Automatik moderner Kameras ist den meisten Situationen inzwischen gut gewachsen. Komplett misslungene Bilder sind so meistens ausgeschlossen – es kann sich aber trotzdem lohnen, das Sicherheitsnetz beim Fotografieren auch mal wegzulassen.

"Immer mehr Fotografen greifen manuell in die Kamerasteuerung ein", hat Constanze Clauß vom Photoindustrieverband beobachtet. "Das garantiert ihnen den größten fotografischen Freiraum, um den Fokus auf das für sie wichtige Bildelement zu legen."

Bemerkenswerte Bilder gelingen oft nur so: "Die Vollautomatik gewährleistet ein korrekt belichtetes Foto. Dafür wählt sie jedoch Mittelwerte, so dass viele Fotoanfänger beklagen, dass ihren Bildern das Besondere fehlt", erklärt die Fotografin Jacqueline Esen aus München, Autorin des Buchs "Digitale Fotografie - Grundlagen und Fotopraxis".

Paukerei ist zwar nicht notwendig. "Doch wie ein Handwerker sein Werkzeug, sollten Fotoeinsteiger die Grundfunktionen der Kamera beherrschen", erklärt Wadim Herdt von der Zeitschrift "Colorfoto". Dazu gehörten das Einstellen der Verschlusszeit, der Lichtempfindlichkeit und des Blendenwerts.
Zum Herantasten empfiehlt Jacqueline Esen einen Dreischritt: Zu Beginn legen Nutzer die Belichtungs- oder Verschlusszeit fest. Sie gibt an, wie lange der Kameraverschluss Licht auf den Sensor lässt. 

Eine korrekt eingestellte Belichtungszeit verhindert unscharfe Bilder, die durch zu schnell bewegte Motive oder eine wackelnde Kamera entstehen können. Um den passenden Wert zu wählen, aktivieren Nutzer zunächst den Modus Blendenautomatik, der sich in der Regel hinter dem "S" oder "Tv" auf dem Rad an der Kameraoberseite verbirgt. Danach können sie mit der zuständigen Taste die gewünschte Verschlusszeit wählen.

Jede Sekunde zählt

"Als Faustregel wählt man hier mindestens 1/125 Sekunde. Bei spielenden Kindern oder Haustieren bedarf es Zeiten von 1/500, 1/1000 oder kürzer", so Esen. Verschlusszeiten wie 1/60 Sekunde oder länger halten Bewegtes nur unscharf fest, was ebenfalls - bewusst eingesetzt - einen ästhetischen Reiz haben kann.
Bei trübem Wetter, im Schatten oder in Innenräumen genügt das einfallende Licht nur für kurze Verschlusszeiten, wenn in einem zweiten Schritt die Empfindlichkeit des Sensors erhöht wird - der sogenannte ISO-Wert. 

"Während ISO 100 oder 200 eher für besten Sonnenschein gedacht sind, müssen bei schwachem Licht mitunter 800 oder höher her", erklärt Jacqueline Esen. Die manuelle ISO-Einstellung wird häufig über eine separate Taste auf der Kamerarückseite vorgenommen. Zaubern kann jedoch keine Kamera: Wenn es zu dunkel ist, sind auch bei hohem ISO-Wert keine kurzen Verschlusszeiten drin.

Je kleiner desto größer und heller

Mit der ISO-Zahl steigt aber auch das Bildrauschen. Bei Kameras mit kleineren Sensoren sehen die Fotos mitunter schon ab ISO 800 grobkörnig und farbfleckig aus. "Um die Empfindlichkeit möglichst niedrig zu halten, passen Nutzer im letzten Schritt den Blendenwert an", erklärt Esen. Er beziffert, wie groß die Öffnung im Objektiv ist, die pro Zeiteinheit Licht auf den Sensor lässt. Die Standardobjektive vieler Kamerasets fangen bei F3.5 im Weitwinkel und F5.6 in der Telestellung an. Je kleiner die Zahl, desto größer die Blende, desto mehr Licht dringt durch das Objektiv - und umgekehrt.
Die Blendenwahl hat noch einen weiteren Effekt. Bei großen Blendenöffnungen ist mitunter nur das porträtierte Gesicht scharf und der Hintergrund verschwimmt in Unschärfe. Bei kleinen Öffnungen erkennt man umgekehrt auch die dahinterliegende Wiese noch genau. Wer per Blende in seinem Bild primär die Schärfentiefe kontrollieren möchte, aktiviert mit "A" oder "Av" die sogenannte Zeitautomatik.

So werden die Bilder blendend 

Um Verschlusszeit und Blendenwert komplett selbst kontrollieren zu können, müssen Fotografen mit "M" in den vollständig manuellen Modus wechseln. Das Zusammenspiel aus Zeit, ISO und Blende erlaubt dann viele Kombinationen. Um die Möglichkeiten einzugrenzen, rät Wadim Herdt zu zwei alternativen Ansätzen: "Entweder entwickelt man eine Bildidee und passt abhängig davon die Technik an, oder man prüft, was die Technik unter den Bedingungen erlaubt und erarbeitet dann die Idee." Das setzt allerdings auch voraus, dass man genug Zeit hat, sich auf das Foto vorzubereiten.

"Selbst Profis fotografieren mit den Teilautomatiken - das macht niemanden zu einem schlechten Fotografen", beruhigt Herdt.
Niemand müsse sich auf Anhieb eine Glanzleistung abverlangen. "Zum Fotografieren gehört es, sich an den Erfolg heranzutasten und sich Fehler zu erlauben, aus denen man lernen kann", sagt Constanze Clauß. "Selbst die besten Fotografen benötigen zig Versuche, bis sie zufrieden sind." Wenn von 30 Aufnahmen nur eine zeigenswert ist, sei das schon eine gute Ausbeute. Ansonsten gilt: Übung macht den Meister. "Bewusstes Fotografieren lebt von Erfahrung. Diese muss man aktiv sammeln", sagt auch Wadim Herdt. "Wer nur mit der Vollautomatik fotografiert, lernt wenig."

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