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Wie gut Erste-Hilfe-Apps wirklich sind

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Das taugen Erste-Hilfe-Apps

06.07.2017, 12:01 Uhr | Pauline Sickmann, dpa-tmn

Wie gut Erste-Hilfe-Apps wirklich sind. Handlungsleitfaden für Notsituationen (Quelle: dpa/Alexander Hein)

Handlungsleitfaden für Notsituationen (Quelle: Alexander Hein/dpa)

Auf der Straße bricht ein Passant zusammen. Ein Herzinfarkt? Was tun? Kann in so einer Situation vielleicht eine Erste Hilfe-App Lebensretter unterstützten?

Plötzlicher Herztod ist in Deutschland die Todesursache Nummer drei. Jedes Jahr sterben etwa 70.000 Menschen, obwohl der Rettungsdienst im Schnitt 8 bis 15 Minuten nach Eingang des Notrufs mit der Reanimierung beginnt. Bei einem Herzinfarkt entscheidet aber jede Sekunde darüber, ob der Betroffene überlebt. Deshalb können Laien Leben retten, wenn sie sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Erste-Hilfe-Apps wollen dabei unterstützen. Doch was leisten digitale Notfallpässe und Anleitungen wirklich?

Notfallinformationen und der Datenschutz

Viele Smartphones verfügen mittlerweile unabhängig vom Betriebssystem über einen vorinstallierten Notfallpass, der auch bei gesperrtem Bildschirm eingesehen werden kann. Besitzer älterer Smartphones können sich Apps wie "Notfall ID" (Android) auf ihr Handy laden. Darüber bekommen Helfer im Notfall theoretisch wichtige Informationen wie Name, Notfallkontakt, Blutgruppe und Allergien - auch wenn der Besitzer des Smartphones nicht ansprechbar ist.

Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband glaubt aber nicht, dass solche Apps im Ernstfall etwas nützen: "Um erst nach einem Handy zu suchen, ist im Notfall keine Zeit." Sie könne sich eher vorstellen, dass Informationen später im Krankenhaus von Vorteil sind, um Angehörige des Patienten zu kontaktieren.

Lennart Holtkämper vom Fachmagazin "Connect" kennt sich mit Erste-Hilfe-Apps gut aus und findet die Notfallinformationen datenschutzrechtlich bedenklich: "Jeder kann die Daten abrufen. Außerdem können das Telefon auch verwechselt und die Daten falsch zugeordnet werden. Deshalb prüfen Ärzte im Ernstfall die medizinischen Angaben noch einmal selbst und nutzen die Apps nicht."

Verständigen Sie immer zuerst denn Rettungsdienst über die 112. Leiten Sie dann Erste Hilfe ein. (Quelle: imago)Verständigen Sie immer zuerst denn Rettungsdienst über die 112. Leiten Sie dann Erste Hilfe ein. (Quelle: imago)

Ein digitaler Handlungsleitfaden in Notfallsituationen

Eine größere Unterstützung in der Praxis sind dagegen Erste-Hilfe-Apps. Sowohl Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und die Malteser als auch einzelne Stiftungen wie die Deutsche Herzstiftung bieten Apps an, die im Notfall bei schneller Hilfe unterstützen sollen.

Das DRK bietet gleich zwei Apps an: Die erste, "Mein DRK", ist kostenlos für Apple iOS und Google Android. Nutzer finden dort Notrufnummern und die Rubrik "Mein kleiner Lebensretter". Darunter ist erklärt, wie man Notfälle, beispielsweise einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, erkennt und reagiert. Die Anleitungen sind aber eher nichts für den Notfall. Sie sind zu lang, und zu den wichtigen Tipps muss man erst scrollen.

Die zweite DRK-App im Bunde heißt "Erste Hilfe". Sie kostet für Androiden 0,89 Cent und für iPhones 1,09 Euro. Sie beinhaltet neben dem Kleinen Lebensretter eine interaktive Begleitung im Notfall durch Ja-Nein-Fragen. Außerdem kann man über die App einen Notruf absetzen.

Nicht jede App ist aktuell und übersichtlich

Während die Apps des DRK sehr umfangreich sind und technisch gut funktionieren, ist die App des ASB veraltet und deshalb nicht empfehlenswert, sagt Holtkämper. Das gelte auch für die Malteser-App.

Die App "Notfall-Hilfe" (iOS, Android) der Pass Consulting Group listet dagegen nach seiner Ansicht übersichtlich Notfallszenarien auf und erklärt, was zu tun ist. Über die App kann der Nutzer außerdem einen Notruf absetzen und sich etwa den passenden Rhythmus für eine Herzdruckmassage vorspielen lassen. Die App bestimmt auch die aktuelle Position und kann sie versenden.

Herzdruckmassage und Defibrillator-Einsatz (Quelle: imago)Herzdruckmassage und Defibrillator-Einsatz (Quelle: imago)

Spezial-Apps für Herz-Notfälle

Die App der Deutschen Herzstiftung ist nur auf Herz-Notfälle spezialisiert. Dafür ist sie äußerst übersichtlich und führt mit klaren Ja-Nein-Fragen auch durch Notsituationen. Aus der App heraus lässt sich außerdem ein Notruf absetzen.

Prof. Bernd Böttiger ist Experte für Wiederbelebung. Er erklärt, dass die Schritte "Prüfen, Rufen, Drücken" im Ernstfall besonders wichtig sind und ihre Berücksichtigung deshalb unter anderem eine gute App ausmachen. Die App der Deutschen Herzstiftung folgt genau diesen Schritten und ist als einzige App ausreichend übersichtlich, um sie in einer Notsituation einigermaßen schnell bedienen zu können.

Notruf am Telefon kann besser helfen

Der Intensivmediziner sieht Notfall-Apps aber grundsätzlich kritisch: "Wenn man einen Notruf absetzt, kann die Leitstelle telefonisch kompetentere Hilfe bei der Reanimation leisten und viel besser auf den Ersthelfer eingehen." Außerdem sei der Nutzen solcher Apps bis heute noch nicht wissenschaftlich belegt.

Da die sogenannte Telefonreanimation nicht von allen Leitstellen angeboten wird, fände er Apps wie etwa "Mobile Retter" sinnvoller, die professionelle Ersthelfer aus der näheren Umgebung rufen. Apps wie diese könnten sowohl auf dem Land als auch in Großstädten eine sinnvolle Ergänzung zum regulären Rettungsdienst sein.

Apps sensibilisieren für Notfälle

Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband betont die Vorteile von Erste-Hilfe-Apps außerhalb des Ernstfalls: "All diese Apps sensibilisieren für den Umgang mit der Notfallsituation und frischen das Wissen rund um die Reanimation auf. Das ist besser als nichts." Einen Erste-Hilfe-Kurs ersetzen Apps aber auf keinen Fall, so die Expertin. Sie seien lediglich ein kleiner Baustein in der medizinischen Notfallhilfe.

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